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BVB-Trainer Bert van Marwijk in Not

Dortmund - Die fast täglichen Hiobsbotschaften über die marode Statik von Borussia Dortmund und die bedenkliche Arbeitsmoral seiner kickenden Angestellten haben bei Trainer Bert van Marwijk für Ernüchterung gesorgt.

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Das versprochene Fünf-Sterne-Haus in schönster Lage entpuppte sich als einsturzgefährdete Unterkunft mit hohem Renovierungsbedarf. Wie einem betrogenen Touristen, urteilte die «Süddeutsche Zeitung», sei es Bert van Marwijk beim BVB ergangen. Statt um die Europacup-Plätze muss er gegen den Abstieg kämpfen. «Diese Situation kann in kurzer Zeit nur ein Zauberer lösen. Ich bin es nicht», bekannte der BVB-Trainer.

Leidtragender

Bert van Marwijk gibt gestikulierend vom Spielfeldrand aus Anweisungen.

Wie sehr das finanzielle Tohuwabohu der vergangenen Monate seine Mannschaft beeinflusst hat, bekam van Marwijk an den vergangenen beiden Spieltagen zu spüren. Sowohl in Stuttgart als auch gegen den Hamburger SV präsentierte sich der Revierclub in einem Besorgnis erregenden Zustand. Mit jedem Negativ-Erlebnis verstärkt sich der Druck auf den Niederländer. Zwar stellte sich der designierte BVB-Präsident Reinhard Rauball nach dem 0:2 gegen den HSV hinter den Trainer («Das Vertrauen ist vorhanden»), sprach aber im gleichen Atemzug von «Gesetzmäßigkeiten des Geschäfts».

Aus Verärgerung über den tiefen Fall des einstigen Erfolgsclubs gingen die Fans auf die Barrikaden. Den Coach stellten sie dabei jedoch nicht in Frage. Auch sie spüren, dass van Marwijk Leidtragender einer gescheiterten Geschäftspolitik ist. Und zum Teil mit hoch bezahlten Legionären zusammenarbeiten muss, die mit dem Verein innerlich bereits abgeschlossen haben. Mit Spielern wie dem Brasilianer Leonardo Dede, der seit Wochen weniger durch sportliche Leistungen als vielmehr durch angebliche Angebote anderer Vereine von sich reden macht.

Auf einem beim Training ausgerollten Transparent mit der Aufschrift «Niet opgeven, Bert» («Nicht aufgeben, Bert») bezeugten einige Anhänger dem Coach Solidarität. Doch ans Aufgeben hat van Marwijk bisher noch nicht gedacht: Ein kurzfristig anberaumtes Trainingslager im Westerwald, das die Borussia vor dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen bezieht, soll die Mannschaft auf den bevorstehenden Existenzkampf einschwören. «Ich will Ruhe haben», sagte van Marwijk, «das ist jetzt das Wichtigste.»

Gelingt jedoch auch im sechsten Heimspiel der Saison kein Sieg, dürfte der Gegenwind für van Marwijk stärker werden. Angriffsflächen sind vorhanden: Schon stand zu lesen, dass er seinen Profis ein zu großes Freizeitangebot gewähre und zu zögerlich ein- und auswechsle. Doch anders als der scheidende Vereinspräsident Gerd Niebaum ist van Marwijk kein Mensch, der an seinem Stuhl klebt. So lange, bis sein guter Ruf ruiniert ist, will er nicht warten. «Man braucht mich nicht zu entlassen. Ich fühle selbst, ob noch Vertrauen da ist.»

dpa

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