Mittwoch, 28. November 2007 / 15:35 Uhr
St. Petersburg - Arm gegen Reich, Meister gegen Abstiegskandidat: Im «Klassenkampf» gegen den mit Millionen aufgerüsteten neuen russischen Meister Zenit St. Petersburg setzt der kriselnde Fußball-Bundesligist 1. FC Nürnberg auf das Prinzip Hoffnung.
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«Petersburg ist klarer Favorit. Aber wir wollen ein kleines Ausrufezeichen setzen», kündigte «Club»-Sportdirektor Martin Bader vor der für die Franken möglicherweise schon entscheidenden UEFA-Pokal-Partie an. Doch wie Bader hatte auch Trainer Hans Meyer im frostigen St. Petersburg die Alltagssorgen im Reisegepäck: «Die Bundesliga ist viel, viel wichtiger. Wenn wir absteigen würden, wäre das eine richtige Katastrophe.»
Meyer bangt um den Einsatz von Andreas Wolf, der sich beim 2:0 gegen Borussia Dortmund eine Muskelquetschung im Oberschenkel zuzog. «Wir gehen nicht den Hauch eines Risikos ein.» Doch auch für den Verteidiger war erst einmal Abschalten angesagt, vor dem Abendtraining im eisigen Petrowski-Stadion stand für die Mannschaft der Besuch der berühmten Eremitage auf dem Dienstplan. «Wir sind aber nicht nur als Touristen hierhin gekommen», sagte Stürmer Iwan Saenko bei der Rückkehr in seine Heimat. «Wir wollen auch was holen.»
Nach dem 0:2 gegen den FC Everton dürfte bei einer weiteren Pleite der Traum vom Überwintern im europäischen Wettbewerb früh beendet sein, doch aufgeben will sich der «Club» gegen das Team des früheren Gladbacher Trainers Dick Advocaat nicht. «Wir haben hier in St. Petersburg nichts zu verlieren», sagte Kapitän Tomas Galasek.
Sorgenfrei ist derzeit der Gastgeber, vor knapp drei Wochen zum russischen Meister geworden und kommender Teilnehmer in der Champions League - auch dank der Gas-Millionen seines Sponsors Gazprom. 27 Millionen Euro konnten die Blau-Weißen vor der Saison im Wettlauf gegen die Moskauer Teams investieren, allein für den ukrainischen Nationalstürmer Anatoli Timoschtschuk floss die Rekordsumme der russischen Liga von 15,1 Millionen Euro. «Wir sind bestimmt nicht auf Augenhöhe», erkannte Meyer die Übermacht der Russen an.
St. Petersburg vor Augen, Duisburg im Hinterkopf: Von den goldenen Aussichten der Gastgeber kann Nürnberg nur träumen, angesichts der bedrohlichen Lage in der Bundesliga zählt aber ohnehin nur der Existenzkampf im düsteren Alltag. «Wir wissen, dass wir immer noch unter dem Strich stehen», sagte Bader und blickte vom eiskalten «Venedig des Nordens» auf das Bundesliga-Kellerduell im Ruhrgebiet bei Aufsteiger MSV. «Duisburg hat absolute Priorität.»
Trotz aller Bundesliga-Probleme ist den Franken die Freude am Kräftemessen mit dem russischen Meister aber nicht ganz vergangen. «Wir sind immer noch stolz, international spielen zu dürfen. Wir sollten uns nicht zu klein machen», betont Genießer Bader. Ganz im Stillen hofft der Pokalsieger darauf, gegen die seit fast drei Wochen Pflichtspiel freien Russen Selbstvertrauen für die Bundesliga tanken zu können. «Es darf bloß nicht passieren, dass wir aus diesem Spiel mit Verletzungen rausgehen», erinnerte sich Bader von der prunkvollen Zarenstadt aus an den tristen Bundesliga-Alltag.
Voraussichtliche Aufstellungen:
Zenit St. Petersburg: Contofalsky - Anjukow, Skrtel, Lombaerts,Dong Jin - Ricksen, Zirianow, Timoschtschuk, Sirl - Pogrebnjak, Arschawin
1. FC Nürnberg: Blazek - Reinhardt, Wolf, Beauchamp, Engelhardt - Galasek, Kluge - Misimovic, Mintal, Saenko - Charisteas
Schiedsrichter: Kralovec (Tschechien)
dpa
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