Mittwoch, 12. Dezember 2007 / 18:11 Uhr
Gelsenkirchen - Mirko Slomka fiel seinen Spielern erleichtert um den Hals, Zlatan Bajramovic reckte die Trikots der suspendierten Kollegen in die Höhe, und Kevin Kuranyi widmete das Tor seinem verstorbenen Jugendtrainer.
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Nach dem erstmaligen Einzug ins Achtelfinale der Champions League präsentierte sich der FC Schalke 04 in seltener Partylaune und feierte den gelungenen Europacupabend mit großen Gesten. «Ich fand es eine geile Aktion. Sie hat gezeigt, dass unsere Mannschaft zusammenhält», kommentierte Manager Andreas Müller nach dem 3:1 gegen Rosenborg Trondheim die Solidaritäts-Bekundungen von Bajramovic und Co.
Mladen Krstajic und Ivan Rakitic waren wegen eines nächtlichen Disco-Besuches für das Gruppen-Finale aus dem Kader gestrichen worden. «Es sollte eine Demonstration unserer Kameradschaft sein. Ohne diesen Geist kann man im Fußball nicht viel erreichen», sagte Bajramovic. Die Idee sei ihm am Abend zuvor im Hotel gekommen. «Ich war allein, normalerweise teile ich mir mit Ivan ein Zimmer. So hatte ich Zeit, mir etwas zu überlegen», verriet der Mittelfeldakteur, der sich nach dem Schlusspfiff die Trikots geschnappt und diese den Nordkurven-Fans präsentiert hatte. Der Ausschluss seiner Mitspieler habe ihn noch «fünf bis sechs Prozent gepusht», betonte der Bosnier.
Auch Slomka wertete die Aktion als Zeichen des Zusammenhalts. Keineswegs sei sie gegen ihn gerichtet gewesen. «Das glaube ich nicht», sagte der Coach. «Die Geste war eindeutig und sollte sagen: Ihr gehört weiterhin zu uns.» Krstajic und Rakitic hatten sich schon vor der Partie beim Team für den Disco-Ausflug entschuldigt. «Ich fand es klasse, dass sich beide um die Mitspieler gekümmert haben», sagte Slomka. Dennoch werde man nicht locker über die Angelegenheit hinweggehen. «Es ist nicht vergessen. Aber ich hoffe, es war die letzte Dummheit.»
Die «Sünder» zeigten sich sehr einsichtig. «Ich habe meine Lehren daraus gezogen. Es wird nicht mehr passieren», meinte Rakitic nach dem Training. Wie der 19-Jährige bedankte sich Krstajic bei der Elf. «Wir haben einen Riesenfehler gemacht, doch die Mannschaft hat gezeigt, dass wir kein Problem in der Truppe haben.»
Nach der Führung von Gerald Asamoah (12.) und Rafinha (19.) sowie dem 1:2 durch Yssouf Koné (23.) sorgte Kuranyi (36.) für klare Verhältnisse zugunsten des insbesondere vor der Pause starken Vizemeisters. Beim Jubel enthüllte Kuranyi ein T-Shirt mit dem Schriftzug «Siempre te recordaré» (Ich werde immer an dich denken). Dass er für die Botschaft, die seinem kürzlich an Krebs gestorbenen Jugendtrainer Cabal aus Panama galt, «Gelb» sah, störte ihn nicht. «Er war nicht nur mein Trainer, sondern auch ein enger Freund der Familie.»
Die Mannschaft plädiert dafür, dass Rakitic und Krstajic gegen den 1. FC Nürnberg wieder zum Kader gehören. «Ich würde es befürworten», betonte Kapitän Marcelo Bordon. Und so geschah es auch: Manager Müller und Trainer Slomka beschlossen, alle drei Spieler mit einer saftigen Geldstrafe zu belegen. Die Suspendierung für das Duo Krstajic/Rakitic wurde aufgehoben. Der gegen Trondheim gesperrte Jermaine Jones kehrt zurück. Dafür muss Carlos Grossmüller (Liga-Rotsperre), der gegen Trondheim gefiel, auf die Tribüne.
Ob die Partie die von Müller erhoffte «Trendwende für die gesamte Saison» eingeleitet hat, wird sich zum Hinrundenabschluss gegen den «Club» erweisen. «Wir wollen den Schwung mit in die Bundesliga nehmen», sagte der Manager, der am 13. Dezember 45 Jahre alt wird. Nach dem Nürnberg-Spiel gilt das Interesse der Auslosung am 21. Dezember in Nyon. Auf wen Schalke in seinem 100. Europacupspiel am 19./20. Februar (Rückspiel: 4./5. März) im Achtelfinale trifft, ist Müller egal. Angesehen von Chelsea kommen alle sieben Gruppensieger infrage. Müller: «Es gibt nur noch attraktive Mannschaften.»
dpa
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