Freitag, 21. Dezember 2007 / 16:02 Uhr
Nürnberg - Um 3.00 Uhr bereiteten die Nürnberger Fans ihren Europapokal-Helden einen freudigen Empfang in der Heimat - 10 Stunden später gab es als Zugabe das große Los.
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In der Runde der letzten 32 des UEFA-Cups darf sich der 1. FC Nürnberg auf ein Kräftemessen mit dem portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon freuen. «Die Portugiesen sind eine Spitzenmannschaft, die attraktiven und guten Fußball spielt. Für Nürnberg ist alles, was jetzt noch kommt, ein schönes Beiwerk. Wir wollen noch zwei Spiele Spaß haben», sagte «Club»-Trainer Hans Meyer, den auch einen Tag nach dem 3:1 beim griechischen Vertreter AE Larissa den komplizierten Alltag des Fußball-Bundesligisten nicht vergaß. «Die absolute Hauptaufgabe wird aber die Bundesliga bleiben. Wir müssen ganz schnell da unten raus kommen», forderte er.
Erstmals seit 45 Jahren überwintert der neunmalige deutsche Meister wieder auf europäischer Bühne; auch das Wiedersehen mit dem portugiesischen Rekordmeister erinnert an fast schon vergessene Europapokalzeiten. In der Saison 1961/62 schied der «Club» im Cup der Landesmeister im Viertelfinale nach einem 3:1-Sieg und einer 0:6-Niederlage gegen den damaligen Titelverteidiger mit dem legendären Eusebio aus. «Vielleicht schaffen wir die Revanche für 1961, als der Club gegen Benfica im Landesmeisterpokal ausgeschieden ist», meinte Verteidiger Andreas Wolf mit einem Schmunzeln - und wusste auch: «Natürlich sind wir Außenseiter. Einen stärkeren Gegner hätten wir nicht erwischen könne. Ein toller Name und ein attraktives Los.»
Freudig nahmen die Nürnberger die frohe Kunde der Auslosung in Nyon entgegen, voller Stolz waren sie vom Spiel aus Griechenland zurückgekehrt. Sportdirektor Martin Bader, der an Mannschaft und Trainer eine Prämie von 400 000 Euro ausschütten wird, verspürte nur noch «Freude, keine Erleichterung. So richtig werden wir das erst realisieren, wenn wir die Namen der 32 Mannschaften aufgelistet sehen». Sieben Monate nach dem DFB-Pokalsieg wusste Wolf um die Bedeutung des Erfolges. «Der Club war international schon lange nicht mehr so erfolgreich. Das ist fein für den Verein und die Fans.» Und für die Vereinskasse: Denn gegen Lissabon darf der «Club» auf eine Millionen-Einnahme hoffen. Mit dem Geld können die Franken etwas mutiger ihre Transferaktivitäten vorantreiben.
Wie so oft in dieser für die Franken so schwierigen Saison hing der Erfolg beim Punktelieferanten lange am seidenen Faden. Nach Larissas Führung durch Jozef Kozlej (11.) agierte der Cupsieger ohne Mumm und versprühte weder Gefahr noch Willen. Die Wende kam wie aus dem Nichts kurz vor der Pause, als Iwan Saenko (45.) seine acht Monate lange Ladehemmung beendete. Meyer: «Ich war mir nach den ersten katastrophalen 15 Minuten und dem Tor von Iwan fast sicher, dass wir es schaffen werden.» Tatsächlich machten Marek Mintal (57.) und Angelos Charisteas (73.) den glanzlosen Sieg perfekt.
In der Bundesliga überwintert der «Club» auf einem Abstiegsplatz, in Europas 2. Liga läuft es dagegen um Einiges besser. Das Fest ist gerettet, doch Spieler wie Verantwortliche ließen bei der Freude über die gelungene Kür die Pflicht nicht aus den Augen. «Wir haben eine verkorkste, richtig schlechte erste Halbserie gespielt», gab Meyer seinen Profis mit auf den Weg in den Weihnachtsurlaub. «Wir sind weiter, das ist schön», sagte Mintal. «Aber nun müssen wir uns auf die Bundesliga-Rückrunde vorbereiten, das wird schwer genug.»
dpa
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