Mittwoch, 26. Dezember 2007 / 10:26 Uhr
Sinsheim - Wenn Zweitligist 1899 Hoffenheim die «Denkfabrik» im deutschen Fußball ist, was schon mal behauptet wird, dann ist Bernhard Peters deren Vordenker.
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Im Club von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp arbeitet der 47 Jahre alte Westfale an der Seite von Trainer Ralf Rangnick (Spitzname: «Professor») als Direktor für Sport- und Nachwuchsförderung. Zudem gehört der ehemalige Hockey-Bundestrainer auch dem Kompetenz-Team des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an. Als ihn Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 zum Sportdirektor des DFB machen wollte, war dies am Widerstand der Traditionalisten gescheitert.
Mittlerweile hat Peters einen nicht unerheblichen Einfluss. Vehement hat er sich dafür eingesetzt, dass künftige Fußballlehrer länger die Schulbank drücken müssen. Vom März 2008 an dauert die Ausbildung ein Jahr lang statt wie bisher sechs Monate. «Wir wollen dadurch das Führungsverhalten verbessern und dazu beitragen, dass aus Trainern Persönlichkeiten werden», sagt Peters.
Der Mann, der als Bundestrainer Hockey zur erfolgreichsten Sportart in Deutschland machte, teilt nicht Berti Vogts' Meinung, deutsche Fußball-Trainer seien die besten der Welt. Seine Kritik: Das Training in den Profi-Clubs verlaufe häufig zu gleichförmig. «Woche für Woche finden dieselben Abläufe statt. Man muss aber ständig neue Ideen und Varianten einbringen und die Spieler auch intellektuell fordern, sonst kann man nicht erwarten, dass sie in den Spielen kreativ und entscheidungsfreudig sind», meint Peters. Er ist davon überzeugt, dass im Fußball noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind. «Dass unsere Bundesliga-Vereine es im internationalen Vergleich schwer haben, ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern liegt auch daran, dass es bei den Trainings-Methoden und der Teamführung einiges zu verbessern gibt», urteilt er.
Aber auch die Vereine machten es sich oft zu leicht. Peters wundert sich, dass bei der Trainersuche am Montag noch Kandidat A favorisiert sei und am Dienstag dann Kandidat B verpflichtet werde, obwohl die beiden völlig unterschiedliche Konzepte hätten. «Es fehlt oft ein klares Anforderungsprofil, und nicht selten zählt ein klangvoller Name mehr als die Kompetenz. Hundert Länderspiele sind kein Qualifikations-Nachweis», kritisiert der Vordenker. «Spieler und Trainer das sind Berufe mit völlig verschiedenen Anforderungen. Man kann aus einem Kellner auch nicht einfach einen Koch machen.»
Ihm selbst ist der Wechsel von einer Sportart zur anderen gelungen. Peters hat es nicht gegrämt, dass er beim Triumph «seiner» Hockey-Herren bei der Champions Trophy in Kuala Lumpur nicht dabei war. Immerhin wurde er mit ihnen zweimal hintereinander Weltmeister. «Es war nach 20 Jahren der optimale Zeitpunkt, etwas anderes zu machen. Ich bin total glücklich mit meiner neuen Aufgabe», betont er.
Peters ist ein viel beschäftigter Mann. Bei DAX-Unternehmen sind seine Vorträge über Motivation, Zielvereinbarungen und Führungs-Qualitäten gefragt. Im Frühjahr wird sein Buch «Führungsspiel» erscheinen, an dem auch Jürgen Klinsmann und Hans-Dieter Hermann mitgewirkt haben. Hermann ist Psychologe der Nationalmannschaft und arbeitet ebenfalls bei 1899 Hoffenheim.
Dort hat Peters eine über hundert Seiten umfassende Ausbildungs-Philosophie vorgelegt. Dabei geht es auch um grundlegende Dinge wie das Training im Kinderfußball. «Abenteuer finden nicht mehr im Wald, sondern am Computer statt. Die Kinder sind heutzutage weniger beweglich, deshalb müssen im Fußballtraining auch Geschicklichkeit und Motorik geübt werden», fordert Peters. Bei Fußball-Spielfesten gibt 1899 Hoffenheim den umliegenden Vereinen Anschauungsunterricht.
Für Peters ist es eine große Herausforderung, «den Riesen-Tanker Fußball ein Stück weit zu bewegen». Der vierfache Familienvater nimmt in Kauf, dass die Freizeit darunter leidet. Er tröstet sich dann mit einem Zitat des chinesischen Philosophen Laotse: «Suche dir eine Arbeit, die du liebst, und du musst nie mehr arbeiten.»
dpa
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