Donnerstag, 27. Dezember 2007 / 10:33 Uhr
Stuttgart - Sie weckt Hoffnungen, schürt Ängste und scheidet schon jetzt die Geister: Wenn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Sommer die 3. Liga startet, dann wird es neben vielen Gewinnern auch zahlreiche Verlierer geben.
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So musste sich Manager Joachim Cast auf der Hauptversammlung der Stuttgarter Kickers heftig kritisieren lassen für seine Aussage: «Wenn wir uns für die 3. Liga nicht qualifizieren, wird es den Verein in der jetzigen Form nicht mehr geben.» Dabei hatte der Kickers-Mann nur die Wahrheit gesagt zur Lage des schwäbischen Regionalligisten, die bei anderen Clubs ähnlich ist.
Mit seinem derzeitigen 16. Tabellenplatz würde der Ex-Bundesligist an der Qualifikations-Hürde scheitern - und mit dem Sturz ins Niemandsland um die Existenz fürchten müssen. Denn nach dieser Saison, wenn aus den Regionalliga-Staffeln Nord mit 19 Vereinen und Süd mit 18 die eingleisige, bundesweite 3. Liga mit 20 Clubs gebildet wird, heißt es: 17 müssen draußen bleiben. Für die Auslese zählt nur diese Spielzeit, im Prinzip gilt: Hinter den jeweils zwei Aufsteigern in die 2. Bundesliga qualifizieren sich die Clubs von Platz drei bis zehn für die neue Profiliga. Der Rest spielt künftig viertklassig.
Deshalb wird erwartet, dass die Clubs im Januar noch einmal viel Geld in Neuzugänge investieren. «Ich gehe davon aus, dass fast alle Vereine alles auf eine Karte setzen», sagt Cast. Der für die Regionalliga zuständige DFB-Direktor Willi Hink hofft zwar, «dass die Vereine durch das Lizenzierungsverfahren gelernt haben. Aber wenn sich welche in den Ruin stürzen, können wir es nicht verhindern.»
Wer durchhält und sich qualifiziert, könnte dagegen vor einer verheißungsvollen Zukunft stehen. Denn durch die Konzentration soll die dritte Ebene professioneller, attraktiver und wettbewerbsfähiger sowie der finanziell große Abstand zur 2. Liga kleiner werden. «Die Vermarktungsmöglichkeiten werden enorm verbessert», glaubt Hink. Laut Bernd Hofmann, Manager des 1. FC Magdeburg, wird «eine eigene Marke aufgebaut und ein werthaltiges Produkt geschaffen». Dafür hat der DFB die Anforderungen erhöht: So müssen die Stadien künftig mindestens 10 000 Zuschauerplätze bieten, davon 2000 Sitzplätze - nur bei den zweiten Teams der Lizenzvereine dürfen es weniger sein. Dorfvereine mit Ministadien sind dann nicht mehr erwünscht, dafür werden mehr Duelle großer Traditionsclubs erwartet.
Die Erhöhung der TV-Gelder von 375 000 Euro auf auch künftig recht magere 625 000 Euro stößt jedoch vielen Vereinen sauer auf. «Das ist definitiv zu wenig, um auf Jahre vernünftig wirtschaften zu können», sagt Wacker Burghausens Spielleiter Peter Assion und steht damit für die Auffassung mehrerer Kritiker. Für Hink und Hofmann ist der TV- Betrag aber nicht das einzige Kriterium. Hink: «Fernsehübertragungen sind ein Wert an sich. Die ARD hat uns bereits klar signalisiert, ihr Engagement in der Sportschau und in den dritten Programmen deutlich auszuweiten. Das ist interessant für Sponsoren, die den Vereinen wiederum Einnahmen bringen.» Zudem hoffen die Clubs auf das Pay-TV.
Welche Klimmzüge unternommen werden, um beim Startschuss 2008 dabei zu sein, zeigen zwei Beispiele aus der Regionalliga Nord. Der chronisch klamme 1. FC Union Berlin entließ vor der Saison fünf Geschäftsstellen-Mitarbeiter, um das Geld komplett in den Teamkader stecken zu können. Und Rot-Weiß Erfurt versprach, Dauerkarten- Inhabern ihr Geld zurückzugeben, falls die 3. Liga verpasst wird. «Die Qualifikation ist für unsere Existenz notwendig», sagte damals Präsident Rolf Rombach. Als aktueller Tabellenzweiter und Zweitliga- Aspirant werden die Thüringer dem finanziellen Chaos wohl entgehen.
dpa
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