Mittwoch, 13. Februar 2008 / 19:52 Uhr
Zürich - Was dem Hamburger SV in der Fußball-Bundesliga derzeit fehlt, will er sich im UEFA-Cup holen: Siege. Opfer des hanseatischen Erfolgshungers soll der FC Zürich sein.
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Seit nunmehr fünf Partien sind die Norddeutschen in der Meisterschaft ohne dreifachen Punktgewinn, was sie von der komfortablen Position des zweiten Bayern-Verfolgers neben Werder Bremen auf Rang fünf abrutschen ließ. Trainer Huub Stevens hat daher zum Kontrastprogramm aufgerufen. «Unsere Konzentration gehört nur noch dem FC Zürich», gab er als Parole aus. «Wir wollen unbedingt eine Runde weiterkommen.»
HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann hatte die Diskussionen schon kommen sehen. «Wenn wir in Leverkusen nicht gewinnen, redet man uns bestimmt die Krise an den Hals», orakelte das Club-Oberhaupt vor der Partie am vergangenen Samstag. Ganz so heftig kam es nicht, da die Hamburger beim 1:1 einen starken Eindruck hinterließen. Doch die Fragen häufen sich, ob der angekündigte Wechsel von Trainer Stevens zum Saisonende nicht doch Spuren im Team hinterlässt. Stevens geißelt solche Gedankenspiele als «dummes Zeug» und versichert, er werde keinerlei Schlendrian zulassen. Um derart lästige Fragen gleich im Keim zu ersticken, muss im Zürcher Letzigrund möglichst ein Sieg her.
Während Mohamed Zidan direkt vom Afrika-Cup-Finale in die Schweiz reiste, sorgte sein unterlegener HSV-Teamkollege Thimothee Atouba für Wirbel. Am Mittwochabend war er noch immer nicht in Zürich, zudem hat er sich seit dem UEFA-Cup-Spiel am 20. Dezember gegen Basel nicht mehr beim HSV gemeldet. Jetzt kam heraus, dass der Kameruner auch beim Fitnesstest für die Afrika-Cup-Teilnehmer Anfang Januar nicht erschienen war. «Wir haben ihm ausrichten lassen, dass er sich melden soll», sagte Stevens in Zürich, «weiter will ich nicht darüber sprechen.»
Zumindest Cup-Gewinner Zidan, der in Hamburg bisher unglücklich agierte, dürfte trotz der Zusatzbelastung in euphorischer Stimmung sein. Stevens sieht keinen Grund, den ägyptischen Matchwinner zu schonen. Er «hatte genau wie alle anderen im Winter Urlaub», sagte der Coach. Dass Zidan in seiner ägyptischen Heimat als Volksheld gefeiert wird, beim HSV dagegen meistens blass blieb, ärgert Stevens allerdings. «Was er mit der Nationalmannschaft erreicht, interessiert mich nicht. Mich interessiert, was beim HSV ist», grantelte er in bekannter Art.
Zumindest auf dem Papier scheint der Gegner geeignet für ein Erfolgserlebnis. Noch in frischer Erinnerung ist das jüngste Duell des Schweizer Meisters mit der Bundesliga: Gegen Bayer Leverkusen mussten die Zürcher in der UEFA-Cup-Gruppenphase kurz vor Weihnachten eine deftige 0:5-Heimschlappe hinnehmen. Gedemütigt geht das Team von Trainer Bernard Challandes auch in das Aufeinandertreffen mit den Hamburgern. Denn die Partie in der nationalen Super-League beim Tabellenletzten FC St. Gallen ging am Wochenende mit 0:1 verloren. Challandes erregte sich so sehr, dass er auf die Tribüne verbannt wurde. Stevens will den Ergebnissen indes nicht trauen. «Zürich hat eine starke Mannschaft», behauptet der Niederländer.
Der elfmalige Schweizer Champion, der mit dem Ortsrivalen Grasshoppers Club um die Vorherrschaft in Zürich kämpft, hat nach starkem Aderlass nicht mehr die Klasse der Vorjahre. Vor allem die Wechsel der Brasilianer Raffael (Hertha BSC) und Cesar (Al-Ahli), der Nationalspieler Gökhan Inler (Udinese Calcio) und Xavier Margairaz (CA Osasuna) sowie von Steve von Bergen (Hertha BSC) und Blerim Dzemaili (Bolton Wanderers) schwächten das Team. Star ist der tunesische Nationalspieler Yassine Chikhaoui, der sowohl beim HSV als auch bei Bayern München, Werder, Schalke 04 und Leverkusen auf der Wunschliste stehen soll. Sieben Tore erzielte der 21-Jährige in dieser Saison.
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
FC Zürich: Leoni - Stahel, Barmettler, Tihinen, Rochat - Abdi, Tico, Aegerter - Duric, Vasquez - Chikhaoui
Hamburger SV: Rost - Demel, Reinhardt, Mathijsen, Benjamin - de Jong, Kompany - Trochowski, van der Vaart - Olic - Guerrero
Schiedsrichter: Kelly (Irland)
dpa
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