Donnerstag, 14. Februar 2008 / 10:37 Uhr
Lissabon - Einen ungünstigeren Zeitpunkt kann es für einen Einstand nicht geben, doch Thomas von Heesen freut sich voller Tatendrang auf die neue Aufgabe.
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«Die Situation ist keine alltägliche, aber ich habe vor nichts Angst. Das ist eine große Herausforderung, die ich sehr gerne annehme», sagte der 46 Jahre alte Westfale. Am 14. Februar sitzt der neue Trainer des Fußball- Bundesligisten 1. FC Nürnberg im UEFA-Cup-Spiel bei Benfica Lissabon im EM-Stadion Estadio da Luz zum ersten Mal auf der Bank des DFB- Pokalsiegers. Der frühere Bundesliga-Profi tritt allerdings ein schweres Erbe an. Die meisten der 5000 Fans, die den «Club» in Portugals Hauptstadt begleiteten, können es immer noch nicht fassen, dass Hans Meyer gehen musste.
Mit dem Wechsel von Fußball-Kauz Meyer zum eloquenten von Heesen haben die Nürnberger eine gute Wahl getroffen, auch wenn der «Club»- Anhang das anders sieht. Doch ganz ohne Meyer geht es noch nicht. «Natürlich werde ich Kontakt zu ihm suchen, um mich auszutauschen», verriet von Heesen. Und Meyer selbst ließ seinem Nachfolger ausrichten, er wünsche sich von ganzem Herzen, «dass von Heesen von den tollen Fans so großartig unterstützt wird».
Anders als die meisten Clubs, die in einer ähnlich prekären Lage steckten wie jetzt der FCN als Tabellen-16. der Bundesliga, entschied sich der FCN nicht für jene Art von Trainern, die in der Branche als Spezialisten im Abstiegskampf einen eher fragwürdigen Ruf haben. Eine gewisse Erfahrung im Umgang mit brenzligen Situationen hat von Heesen bei Arminia Bielefeld gesammelt, doch zur Garde der «Feuerwehrmänner» zählt er sich beileibe nicht.
«Ich stehe für konzeptionelles Denken und setze auf Teambildung. Und die findet auf dem Platz statt», erläutert er seine Fußball- Philosophie, zu deren Grundsatz aber auch der intensive Kontakt zur Mannschaft außerhalb des Fußballfeldes gehört. Vor der Partie in Lissabon suchte er vor allem das Gespräch mit den Führungsspielern.
Auch wenn die Clubführung der Bundesliga und den Spielen am Samstag in Bremen und dem Abstiegs-«Finale» am 24. Februar gegen Cottbus Priorität einräumt, hat von Heesen schon in Lissabon den Erfolg gefordert: «Ich bin keiner, der eine Phase der Eingewöhnung gewährt. Ich gebe von der ersten Sekunde an Vollgas.» Die Abstiegssorgen seiner Vorgesetzten kann er verstehen, doch von Heesen ist davon überzeugt, «dass die Mannschaft den Charakter und die Qualität hat, sich zu befreien».
Da Hans Meyer in den vergangenen 27 Monaten bereits ein Spielkonzept erarbeitet hat, ist kaum damit zu rechnen, dass sein Nachfolger radikale Änderungen daran vornimmt, zumal die Spieler weitgehend die gleichen geblieben sind. Aber er wird dem System sicher eine offensivere Ausrichtung verpassen. Er liebe die niederländische Fußballschule, wie sie auch beim FC Barcelona praktiziert wird, sagte von Heesen einmal in einem Interview. Um dort ein Praktikum zu machen, würde er sogar seinen Urlaub opfern.
Von Heesen war nie länger als zwei Jahre bei einem Verein in derselben Position. Stets erfolgte wegen Kompetenzgerangel und Auseinandersetzungen um die Verantwortlichkeit die Trennung. Das könnte beim 1. FC Nürnberg mit dem mächtigen Präsidenten Michael A. Roth und dem inzwischen etablierten Sportdirektor Martin Bader ein Problem werden.
dpa
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