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Fußball-Gentleman Parreira denkt mit 65 an Rente

Rio de Janeiro - Pünktlich zum 65. Geburtstag denkt Fußball-Gentleman Carlos Alberto Parreira langsam an die Rente. «Wenn es nach meiner Familie ginge, wäre ich längst in Pension gegangen, aber der Druck wächst von Tag zu Tag», verriet der Brasilianer jüngst grinsend im Fernsehen.

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Allerdings: Ganz so weit ist es mit dem Ruhestand für den Trainer-Oldie, der am 27. Februar in Brasilien seinen Geburtstag feiert, noch nicht: Denn nach dem sang- und klanglosen Aus im Januar beim Afrika-Cup will Parreira mit WM-Gastgeber Südafrika 2010 eine eindrucksvolle Heim-Weltmeisterschaft hinlegen, um danach so von der großen Fußball-Bühne abtreten zu können, wie es einem wie ihm gebührt: mit einem Erfolg.

Trainer-Fuchs

Foto: dpa Bild vergrößern

Carlos Alberto Parreira beim Training der südafrikanischen Nationalmannschaft.

Beruflich hat er zur Zeit wenig Grund zum Feiern. Dort, wo seine Karriere vor gut 40 Jahren begann, erlebte er gerade eine Schlappe. In Ghana schied er mit Südafrika schon in der Vorrunde aus. In dem afrikanischen Land hatte der damals frisch diplomierte Sportlehrer 1967/68 als entsandter Entwicklungshelfer der brasilianischen Regierung den Club Asanta Kotoko und die Nationalelf betreut. Vor 40 Jahren bekam er nur das Sportlehrer-Gehalt und von den Ghanaern 100 Dollar Taschengeld. Heute kassiert er ein Grundgehalt von 210 000 Euro pro Monat.

So richtig hat Parreira in die Fußball-Szene seines Landes nie gepasst. Dort, wo sich Trainer, Journalisten, Schiedsrichter und eigene Spieler um die Wette beschimpfen, sich in den Vordergrund schieben und nicht selten in Skandale verwickelt sind, ist der stets höfliche Hobby-Maler und -Philosoph ein Fremdkörper. Dennoch ist Parreira einer der erfolgreichsten seiner Zunft. Höhepunkt seiner Karriere war der WM-Titel mit Brasilien im Jahre 1994 in den USA, der eine 24-jährige Durststrecke der «Selecao» beendete. «Die damalige Zeit vor und während der WM war die schlimmste meines Lebens. Der Druck war immens. Es war so, als ob ganz Brasilien gegen die Nationalelf war», erinnert er sich.

Bei seinen Schützlingen und den Kollegen genießt Parreira in Brasilien Respekt wie kein anderer. «Er ist gebildet, hat aber vor allem eine unglaubliche Vermittlungsfähigkeit. Er muss nicht autoritär sein, damit alles auf ihn hört», sagt Zinho, Weltmeister von 1994. «Parreira ist vor allem ein großer Mann», sagte Zinhos Kollege Jair Picermi von dem Coach, die nie Profi-Kicker war. Er arbeitete sich vom einfachen Sportlehrer hoch und begann als Hobby- Trainer mehrerer Dorf-Teams.

Nach dem ersten Abenteuer in Ghana studierte der Fan von Sepp Herberger an der Sportschule im niedersächischen Barsinghausen. Vor der WM 1970 wurde er vom Nationalverband CBF als «dritter Hilfscoach» eingestellt. Mit Fluminense gewann er 1975 seinen ersten Landestitel. Später führte er Kuwait («Dort bin ich Volksidol») zur WM 1982, war 1990 mit den Arabischen Emiraten und 1998 mit Saudi-Arabien bei WM-Turnieren dabei. Dazwischen lagen der WM-Triumph 1994 und Stationen in Spanien, Türkei und den USA. Insgesamt gewann Parreira 22 Titel, zuletzt mit Brasilien 2004 den Copa America und 2005 den Confederations Cup.

Seine bitterste Stunde als Trainer erlebte er 1998, als er nach Saudi-Arabiens 0:4-Pleite gegen Frankreich als erster Coach bei einem WM-Turnier gefeuert wurde. Das unerwartet frühe Aus der Brasilianer im Viertelfinale bei der WM 2006 muss er daheim immer und immer wieder erklären. «Ich bereue nichts, es war nichts zu verbessern», versichert er.

«Ich wollte eigentlich nie Spieler oder Trainer, sondern nur ein guter Turnlehrer werden», beteuert der Vater zweier erwachsener Töchter. Mit Vanessa organisiert er seit vier Jahren in Rio die Fußball-Messe Footecon. In der Freizeit ließt er Philosophie-Bücher und sammelt Perserteppiche, am liebsten aber malt er. Frau Leila (62) schätzt andere Qualitäten. «Er macht eine ganz tolle Paella».

dpa

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