Mittwoch, 27. Februar 2008 / 12:26 Uhr
Stuttgart - Ein fataler Fehlgriff von Torwarttalent Sven Ulreich, ein verhängnisvoller Fehlschuss von Antonio da Silva - und die peinliche Pokal-Pleite des Vorjahresfinalisten VfB Stuttgart war perfekt.
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Allerdings waren die beiden Sündenböcke keinesfalls die Alleinschuldigen am kläglichen K.o. des haushohen Favoriten gegen den krassen Außenseiter FC Carl Zeiss Jena im Elfmeterschießen. Der deutsche Fußball-Meister bot im vermeintlich leichtesten Viertelfinale gegen den Zweitliga-Vorletzten eine desolate, zeitweise desaströse Leistung und schied zurecht aus. «Das ist ein Unding. Ich habe dafür keine Erklärung», stöhnte der sichtlich gezeichnete VfB- Coach Armin Veh, der nur mühsam die Beherrschung wahrte. «Zu Hause muss man Jena einfach schlagen. Das müssen wir erst 'mal verkraften.»
Den Pokalversagern droht nach der 6:7 (2:2, 1:1, 0:1)-Blamage intern ein gewaltiges Donnerwetter. «Das hake ich nicht einfach ab», kündigte der maßlos verärgerte Veh Konsequenzen an. «Diese Niederlage passt zu unserer ganzen Saison. Ich habe meine Spieler gewarnt. Aber das kriegt man wohl aus den Köpfen nicht heraus. Das ist der Wahnsinn.» Gut möglich, dass vor der richtungweisenden Partie gegen Energie Cottbus «Köpfe rollen» und ein auf einigen Positionen veränderter VfB in der Bundesliga Wiedergutmachung betreiben soll. Einzelkritik verkniff sich der innerlich kochende Coach jedoch.
Das Ausscheiden hat in mehrerer Hinsicht negative Auswirkungen: Nachdem der VfB in dieser Saison durch sein klägliches frühzeitiges Scheitern in der Champions League und überwiegend mäßige Leistungen in der Liga bereits viel Kredit verspielt hat, bedeutet die Pleite gegen den Pokal-Schreck aus Thüringen einen weiteren herben Prestige- Verlust und Rückschlag. Zudem vergaben die Schwaben leichtfertig die große Chance, sich über den DFB-Pokal direkt für den UEFA-Cup zu qualifizieren. Von den finanziellen Folgen ganz zu schweigen: Bis zu etwa vier Millionen Euro hätte der Verein im günstigsten Fall noch kassieren können.
«Jetzt müssen wir uns voll darauf konzentrieren, den fünften Platz zu holen», gab Matthieu Delpierre als neue Marschroute aus. Der Franzose stellte sich nach dem Debakel als einer der wenigen VfB- Profis den Medien und versicherte: «Wir haben Jena nicht unterschätzt.» Die meisten anderen schlichen sich kommentarlos davon. Selbst Tor-Garant Mario Gomez, der mit seinen beiden Treffern (81. und 94.) ein glückliches Ende zu garantieren schien, drückte sich.
Der baumlange Ulreich, dessen Fehlgriff in der Nachspielzeit der Verlängerung (120.+1) erst den verdienten Ausgleich durch Robert Müller ermöglichte, schien um einige Zentimeter geschrumpft zu sein. «Ich sage nichts», druckste er herum. «Es war ein Torwartfehler», stellte Veh nüchtern fest. Beim 0:1 durch Tobias Werner (32.) war Ulreich, der erst vor drei Bundesliga-Spielen den unsicheren Raphael Schäfer verdrängt hatte, machtlos. Bezeichnend für die VfB-Blamage: Da Silva rutschte bei seinem Elfmeter aus und schoss über das Tor.
Während die Stuttgarter am Boden zerstört waren, steppte bei Jenas Pokal-Helden der Bär: «Bayern München wünsche ich mir erst im Finale», jubelte Stefan Kühne. Torschütze Werner sagte selbstbewusst: «Dass wir Elfmeter schießen können, haben wir schon gegen Nürnberg bewiesen.» Nur Trainer Henning Bürger ließ sich von der Euphorie nicht anstecken: «Ich persönlich würde lieber mit drei Punkten in der 2. Liga tauschen.» Er sehe dies so nüchtern, wie er wirke. «Wir haben den deutschen Meister geschlagen, aber unser nächster Gegner Koblenz ist genauso wichtig», wies er angesichts der acht Punkte Rückstand zum rettenden Ufer auf das schwere Spiel gegen Koblenz hin.
dpa
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