Montag, 3. März 2008 / 09:04 Uhr
Stuttgart - Er ist seit einem dreiviertel Jahr Großvater, hört nicht mehr so gut, kann aber von seinem wohl letzten großen Amt ebenso wenig lassen wie von seiner Zigarette.
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Gerhard Mayer- Vorfelder, geboren am 3.3.1933 in Mannheim, feiert in Stuttgart seinen 75. Geburtstag. In seinem neuen Lebensjahr sieht er sich als Vizepräsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA) weiter gefragt. «Ich habe immer gesagt, ich höre auf, wenn die Wahlperiode endet. Man muss ja irgendwann loslassen können», meint der frühere DFB-Präsident in einem dpa-Gespräch. «Dass ich vorzeitig, bereits in diesem Jahr, mein Amt abgebe - das ist eine Ente und entspricht nicht meinen Plänen.»
Der französische UEFA-Präsident Michel Platini hatte «MV» auf seine alten Tage im vergangenen Jahr überraschend noch zu seinem Stellvertreter gemacht. «Gerhard Mayer-Vorfelder hat sehr viel für den deutschen Fußball geleistet, angefangen als Vereinspräsident in Stuttgart bis zur seiner Arbeit in den internationalen Gremien», sagt Franz Beckenbauer über den umstrittenen wie streitbaren Funktionär. «Er ist im Ausland ein gefragter Mann. Jeder hat Respekt vor ihm. Im Inland wird das nicht immer so gesehen. Da tut man ihm Unrecht.»
Mit einem Schmunzeln erinnert sich der «Kaiser» an die Zeiten, als Mayer-Vorfelder Ligapräsident war und nicht unbedingt die Interessen des FC Bayern vertrat: «Was haben wir uns früher die Köpfe eingeschlagen.» Heute ist davon nichts mehr zu spüren: Wenn Mayer- Vorfelder Beckenbauer trifft, umarmt der frühere CDU-Politiker ihn ebenso herzlich wie Theo Zwanziger, mit dem er sich einst das Amt des DFB-Präsidenten teilen musste, ehe er 2006 abtrat.
An seinem Geburtstag speist die DFB-Spitze in einem Stuttgarter Nobelhotel mit Mayer-Vorfelder und stößt mit dem Jubilar an. Mit Weggefährten wie VfB-Präsident Erwin Staudt, DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, den Ex-Nationalspielern Thomas Berthold und Hansi Müller sowie Familie und Freunden feiern Mayer-Vorfelder und seine Frau Margit bereits am Sonntagabend zu Hause in den Geburtstag hinein. Die Gäste werden auf einen Menschen treffen, bei dem die Streitlust einer gewissen Altersmilde gewichen ist. «Ich bin zufrieden, was ich in Spitzenämtern der Politik und des Fußballs erreicht habe. Es ist mir nicht in die Wiege gelegt worden, dass ich einmal solche Positionen einnehmen werde», sagt er. «Ich bin heute so selbstbewusst, dass ich sagen kann: Ich habe in beiden Bereichen einiges bewegt.»
Vieles kann Mayer-Vorfelder im Fußball nicht mehr überraschen. Dass Jürgen Klinsmann, den er als Jungprofi beim VfB ebenso hautnah erlebt hat wie später als Nationalspieler und Bundestrainer, beim FC Bayern anheuert, ahnte aber auch er nicht. «Ich traue ihm zu, dass er mit den Stars klarkommt. Natürlich stellen sich alle die Frage, wie er mit den mächtigen Leute im Verein wie Beckenbauer, Hoeneß, Rummenigge und Breitner, der ja jetzt auch mitredet, umgeht», sagt Mayer-Vorfelder. «Da kann es in dem einen oder anderen Bereich schon Spannungen geben. Aber das weiß Jürgen Klinsmann genauso gut wie ich. Man wird sehen, ob das eine langfristige Sache sein wird.»
Bei Klinsmanns Nachfolger Joachim Löw ist sich der einstige Multifunktionär sicher, dass er die Nationalmannschaft bei der EM ins Halbfinale führt. Ein Hauch Skepsis schwingt bei Mayer-Vorfelders Prophezeiung dennoch mit: «Jogi Löw war sicher schon bei der WM unter Cheftrainer Jürgen Klinsmann derjenige, der im taktischen Bereich das Sagen hatte. Er ist mehr der nüchtern-sachliche Analytiker. Ob es ihm gelingt, bei der EM die Mannschaft so heiß zu machen, wie es der Jürgen geschafft hat - das ist eine andere Frage.»
dpa
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