Donnerstag, 6. März 2008 / 13:29 Uhr
Hamburg - Der eine wird als «Lachnummer» verspottet - der andere als Sieger im «Kampf gegen die Heckenschützen und Skeptiker» gefeiert. Unterschiedlicher hätte der Champions-League-Abend für Real Madrids Trainer Bernd Schuster und Michael Ballack vom FC Chelsea kaum verlaufen können.
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Für Schuster gipfelte Reals 1:2-Heimniederlage gegen den AS Rom und das Aus in der Fußball-Königsklasse in Spott und bitterbösen Vorwürfen wie in der spanischen Zeitung «As», die das taktische Konzept «verheerend» nannte. Für Ballack dagegen gab es nach dem 3:0-Heimsieg gegen Olympiakos Piräus und dem lockeren Einzug mit dem FC Chelsea ins Viertelfinale lange vermisste Lobeshymnen.
«Lamps und Ballack führen Blues auf griechischer Kreuzfahrt», titelte der «Mirror» und reihte sich in den Jubelchor der englischen Presse ein, die Frank Lampard und Michael Ballack lange die Tauglichkeit zur Kooperation abgesprochen hatten. Mit dem kongenialen Mittelfeld-Duo war Chelsea an der Stamford Bridge Herr im Hause und wahrte seine Weiße Weste auch im 60. Heimspiel in Serie.
Nach dem 0:0 in Piräus schafften die Londoner als drittes Premier-League-Team neben den in der Liga führenden FC Arsenal und Manchester United das Viertelfinale, das am 14. März ausgelost und am 1./2. sowie 8./9. April ausgespielt wird. Der FC Liverpool, der am 11. März bei Inter Mailand spielt, kann die englische Dominanz noch verstärken. In der Runde der letzten Acht dabei sind auch der FC Barcelona, Fenerbahce Istanbul und der FC Schalke 04.
«Ich habe schon immer gesagt, dass gute Spieler zusammenspielen können. Das darf kein Problem sein», sagte der gut gelaunte Ballack im «Premiere»-Interview. «Die Aufgaben müssen klar verteilt und die Laufwege abgesprochen sein. Frank und ich haben gezeigt, dass es funktioniert.» Ballack/Lampard (5./25. Minute) und Salomon Kalou (48.) öffneten dem englischen Vizemeister wie im Vorjahr das Tor zum Viertelfinale, das Madrid zum vierten Mal nacheinander verpasste.
Bei den «Königlichen» brannte der Baum lichterloh. Nun schon seit 20 Jahren können sich die Madrilenen in einer K.o.-Runde nicht mehr gegen Teams aus Italien durchsetzen. «Clubchef Ramón Calderón und Schuster erwiesen sich als große Lachnummern. Wo bleibt die versprochene fußballerische Klasse? Schuster wird im Höchstfall so viel gewinnen wie der viel gescholtene Vorgänger Fabio Capello», schrieb «Marca». Die Sportzeitung «As» schimpfte: «Dieses Real-Team rechtfertigt nicht die Arroganz, die Schuster mit seinen unbeholfenen und vereinsschädigenden Auftritten gerne an den Tag legt.»
Der «blonde Engel», der in den spanischen Medien zum Prügelknaben wurde, stellte sich trotz allem vor seine mit über 100 Millionen Euro verstärkte Mannschaft. «Die Spieler haben alles gegeben. Ich kann von ihnen nicht mehr verlangen», sagte Schuster und sorgte für Unmut, als er meinte: «Ich kann den Spielern nur gratulieren. Wir sind nicht weitergekommen, aber ich betrachte das nicht als eine Niederlage.»
Ballack strahlte derweil auf der Sonnenseite des Profifußballs. Der «Guardian» widmete dem 31-Jährigen sogar die Zeile: «Ballack gewinnt den Kampf gegen die Heckenschützen und Skeptiker.» Seinen Auftritt im Duett mit Lampard bezeichnete die «Sun» als «virtuosen Auftritt in perfekter Harmonie». Der mutige Plan, «Ballack zu Chelsea zu locken, ihn neben Lampard ins zentrale Mittelfeld zu stellen und sich zurückzulehnen», ginge wohl doch auf, schrieb der «Mirror» und bekannte: «Es hat etwas gedauert, aber an der Stamford Bridge fängt es nun an, so auszusehen, als wäre das nicht so eine dumme Idee und massive Geldverschwendung gewesen.»
dpa
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