Donnerstag, 6. März 2008 / 12:49 Uhr
Porto - Schalke 04 hat sein Lachen wiedergefunden. Als der überragende Manuel Neuer in Weltklassemanier den zweiten Strafstoß parierte und Jermaine Jones beim letzten Schuss die Nerven behielt, brachen beim gebeutelten Revierclub alle Dämme.
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Neuer war der Held von Porto und rannte in die Schalker Fan-Ecke des Estadio do Dragao, tanzte ausgelassen und wurde danach von den jubelnden Mitspielern fast erdrückt. Es folgte eine Szene mit Symbolwert: Neuer sprang Trainer Mirko Slomka in die Arme. «Das ist ein außergewöhnlicher Erfolg, an dem Manuel mit seiner Weltklasseleistung großen Anteil hat. Das Lachen ist auf die Gesichter zurückgekehrt», stellte Slomka nach dem Happy End im Elfmeterkrimi beim FC Porto und dem erstmaligen Einzug ins Champions-League-Viertelfinale erleichtert fest.
Alle würden nun voller Stolz nach Hause zurückkehren, meinte der Coach. Auch für ihn persönlich war der Triumph nach schwierigen Wochen mit harscher Kritik wie Balsam auf die geschundene Seele. «Der Präsident war in der Kabine, hat der Mannschaft gratuliert - und mir natürlich auch», berichtete Slomka. Vergessen ist vorerst der Disput zwischen ihm und Clubchef Josef Schnusenberg, der Slomka zuletzt öffentlich infrage gestellt hatte. Der 67-Jährige, der sich über eine weitere Einnahme von rund sieben Millionen Euro freuen kann, hielt fest: «Mirko Slomka bleibt bis zum Saisonende unser Trainer. Das war aber schon vorher so besprochen.»
Der Einzug unter die besten acht Fußball-Vereine Europas hing aber am seidenen Faden. Nach dem knappen 1:0-Vorsprung aus dem Hinspiel sah Schalke bis zur 86. Minute wie der sichere Viertelfinalist aus. Doch eine Unkonzentration in der Abwehr, eine schnelle Drehung von Portos Stürmer Lisandro Lopez und dessen unhaltbarer Schuss in den Winkel zum 1:0 hätten beinahe den Traum vom zweitgrößten internationalen Erfolg nach dem UEFA-Cup-Triumph 1997 zerstört. «Nach dem Tor sah man schon wieder hängenden Köpfe. Deshalb haben wir vor der Verlängerung einen Kreis gebildet. Wir wollten nochmal alle zusammen holen und Konzentration einfordern», erläuterte Slomka die Einstimmung auf die 30-minütige Zusatzschicht der Knappen.
Dass sie gegen den von der 83. Minute an in Unterzahl spielenden portugiesischen Meister überhaupt die Verlängerung erreichten, hatten sie ihrer kämpferisch tadellosen Vorstellung und dem 21 Jahre alten Teufelskerl Neuer zu verdanken, der zahlreiche Großchancen zunichte machte. «Hätten wir das Gegentor früher bekommen, wäre es ganz schwer geworden. Manuel hat uns in die nächste Runde gebracht», sagte Jones, der - wie vor elf Jahren Marc Wilmots beim Triumph in San Siro - den letzten Elfmeter zum 4:1 verwandelte. «Ich war bin mit Selbstvertrauen zum Elfmeterpunkt gegangen», so der beste Schalker Feldspieler, der im Viertelfinal-Hinspiel (1./2. April) wegen einer Gelbsperre fehlen wird.
Andreas Müller strahlte dennoch über das ganze Gesicht. «Ich freue mich unheimlich für die Jungs, auch wenn es zwischendurch etwas wacklig war. Sie haben bis zum Schluss gegen eine absolute Top-Mannschaft alles gegeben», sagte der Manager, der gleichwohl wie die 3000 mitgereisten Fans bis zum Ende zitterte. «Ich habe immer wieder befürchtet, dass vielleicht doch noch einer durchrutscht.»
Der von seiner persönlichen Leistung enttäuschte Kevin Kuranyi wollt von einem absichtlich verweigerten Handschlag mit Slomka nichts wissen. «Ich war total kaputt und frustriert. Ich habe den Trainer gar nicht wahrgenommen», sagte der Stürmer zur Szene nach seiner Auswechslung. Bei den Profis herrschte nach zuletzt drei Bundesliga-Niederlagen, die am Selbstvertrauen nagten, Erleichterung pur. «Es war klar, dass wir Porto nicht auseinander nehmen würden. Doch wir sind nach den schlechten letzten Wochen endlich belohnt worden», sagte Heiko Westermann. Und Fabian Ernst hofft nun, «dass wir einen Schub für die Bundesliga bekommen und die gute Stimmung mitnehmen».
Viel Zeit bis zum Spiel bei Arminia Bielefeld bleibt nicht. «Unsere Aufgabe ist es, die 120 Minuten mit Emotionen und Leidenschaft zu verpacken und das Training so zu gestalten, so dass wir am Samstag wieder frisch sind», erklärte Slomka. Müller stimmte das Team schon auf die nächsten Wochen ein. «Wir haben in der Bundesliga einiges an Rückstand. Wir müssen alles daran setzen, dass der nicht noch größer wird. Platz drei haben wir noch im Blick.»
dpa
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