Sonntag, 9. März 2008 / 13:22 Uhr
München - Oliver Kahn schwärmte von Franck Ribéry und adelte den französischen Turbo-Fußballer als neuen Zinedine Zidane - Ottmar Hitzfeld übermittelte nach seinem 150. Bundesligasieg mit dem FC Bayern lieber eine Dankes-Botschaft an den noch amtierenden Meister.
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«Die Entwicklung in Stuttgart haben wir mit einem strahlenden Lächeln verfolgt», frohlockte Hitzfeld angesichts der 6:3-Gala des VfB gegen Werder Bremen, die das eigene 2:0 (1:0) gegen den Karlsruher SC besonders wertvoll machte. «Man ist beruhigter bei sieben Punkten Vorsprung auf Bremen», meinte Hitzfeld, nachdem seine Rotations-Mathematik durch die Pracht-Tore von Luca Toni (41.) und Ribéry (64.) auch zum Abschluss einer überragenden Bayern-Woche aufgegangen war.
Energisch wehrten sich die Münchner gegen das aufkommende Gerede von einer Vorentscheidung im Titelkampf. Uli Hoeneß mochte nur «von einer vernünftigen Distanz auf Platz zwei» sprechen, das Fernglas möchte er den distanzierten Bayern-Jägern noch nicht überreichen. Auch Hitzfeld will wachsam bleiben - insbesondere gegenüber internen Störfeuern: «Ich bin vorsichtig, ich traue dem Braten noch nicht.»
Aber der «General» hat den Bayern-Laden wieder im Griff, rotiert, wie er will, und schickt sich an, seinem Nachfolger Jürgen Klinsmann mit dem möglichen Titel-Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und UEFA-Cup-Triumph ein gewaltiges Erbe zu hinterlassen. «Wir sind jetzt stabiler als in der Hinrunde», stellte er zufrieden fest.
Die Bayern haben nicht nur den teuersten und besten Kader, sie haben auch die überragenden Einzelkönner. Toni trifft und trifft, seinem 14. Saisontor gebührte ebenso das Prädikat Weltklasse wie der Solo-Nummer von Ribéry gegen fünf KSC-Spieler inklusive Torabschluss durch die Beine von Martin Stoll. Bei den Ovationen auf den kleinen Franzosen wagte sich Kahn am bislang weitesten vor: «Franck ist ein traumhafter Spieler. Man kann ihn mit Zidane vergleichen.»
Ribéry spiele zwar «einen anderen Stil», aber technisch auf ähnlichem Niveau und in punkto Tempo sogar in einer ganz neuen Dimension, schwärmte Kahn verzückt: «Ich habe selten einen Spieler gesehen, der die Dinge mit so einer Geschwindigkeit macht.»
Manager Hoeneß hat Ribéry kurzerhand für unverkäuflich erklärt. «Da können alle Öl-Magnaten zusammenlegen, der Spieler wird nicht abgegeben», sagte der Manager des FC Bayern München Fernsehen. Die Bayern hatten den 24-jährigen Ribéry im vergangenen Sommer für 25 Millionen Euro von Olympique Marseille verpflichtet, sein Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2011. Hoeneß bekräftigte zudem, dass er seinen im November 2009 auslaufenden Vertrag als Bayern-Manager nicht verlängert. Sein Plan ist, dann Franz Beckenbauer als Präsident und Aufsichtsratschef abzulösen.
«Ich fühle mich wohl in München und alle lieben mich», lautete die simple Begründung von Ribéry für seine Hochform. Sogar der Gegner applaudierte dem Bayern-Zidane, dessen Marktwert inzwischen deutlich über jenen 25 Millionen Euro liegt, die der FC Bayern im Sommer 2007 an Olympique Marseille überwies. «Er war der überragende Mann, er war überall. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Spieler», erklärte Maik Franz. Der Innenverteidiger war selbst beim 1:0 von Toni düpiert worden, der seine traumhafte Quote auf 24 Tore in 32 Pflichtspielen für den FC Bayern erhöhte. «Ich weiß nicht, wie lange das so weitergeht», sagte Toni, der ein klares Ziel formulierte: «Es würde mir gefallen, Torschützenkönig zu werden.»
Auch Kahn will seine letzte Saison nicht nur mit Titeln, sondern einem Bundesliga-Rekord krönen: Bislang kassierte Werder Bremen mit 22 Treffern im Meisterjahr 1988 die wenigsten Gegentore in einer Saison. «Wir sind ehrgeizig genug, diesen Rekord zu brechen», sagte Kahn. Erst elf Gegentore stehen für die Münchner nach 23 Spieltagen zu Buche. «Das ist die beste Defensive, in der ich bei Bayern gespielt habe», sagte Kahn, der immerhin seit 1994 in München spielt.
Großes hat in dieser Saison auch der KSC geleistet, in München aber erhielten die heimlichen UEFA-Cup-Hoffnungen trotz des stark haltenden Markus Miller einen Dämpfer. «Unser Offensivspiel war sehr dünn», klagte Trainer Edmund Becker. Mund abputzen, weitermachen, empfahl der Kämpfer Franz: «Diese Niederlage wirft uns nicht um.»
dpa
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