Freitag, 14. März 2008 / 07:59 Uhr
Berlin - Seinen 60. Geburtstag feiert Fußball-Lehrer Bernd Stange viele Tausend Kilometer entfernt von seiner Thüringer Heimat feiern. Etwas anderes hätte bei dem Weltenbummler auch überrascht.
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Der Trainer versucht inzwischen in Minsk, nach Arbeitsplätzen in Jena, Berlin, Leipzig, Dnjepropetrowsk (Ukraine), Perth (Australien), Maskat (Oman), Bagdad (Irak) und Limassol (Zypern), den Fußball Weißrusslands auf Vordermann zu bringen. «Ich will hier eine Fußball-Mannschaft entwickeln, die ein paar Überraschungen schafft in Europa», beschrieb Stange seine Mission. Zuletzt hatte das mit einem 2:1 über die Niederlande schon geklappt.
«Ich muss leider hier in Minsk feiern und nicht wie sonst traditionell mit meinen Fußball-Kumpels an den Jenaer Kernbergen», berichtete Stange der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Wir müssen ein Länderspiel gegen die Türkei am 26. März vorbereiten.» Und auch die Freundschafts-Partie am 27. Mai in Kaiserslautern gegen Deutschland beschäftigt den deutschen Trainer schon jetzt intensiv. So wird es zum 60. Ehrentag nur einen kurzen Empfang beim weißrussischen Fußball-Verband geben, zum abendlichen Essen «im engsten Kreis» fliegt dann auch Stanges Frau Dorothea ein.
«Bayern München oder Borussia Dortmund haben nicht angerufen», begründete der einstige DDR-Auswahltrainer seinen ungewöhnlichen Weg über die Kontinente. Und wenn es einmal ein Angebot eines deutschen Proficlubs gab, wie zuletzt im Herbst 2007, stand Stange, der perfekt Russisch spricht, gerade unter Vertrag und wollte seine komplizierten Aufgaben nicht einfach hinschmeißen. «Damals in Dnjepropetrowsk war ich der erste Ausländer im einstigen großen russischen Reich. Da bin ich auch ein wenig stolz darauf. Andere wie Guus Hiddink, Dick Advocaat oder Bernd Schuster sind später gefolgt.»
Vor allem sein Engagement als Nationaltrainer des Irak, im Herbst 2002 noch zur Zeit von Diktator Saddam Hussein angetreten und erst im Mai 2004 beendet, als sein Co-Trainer angeschossen und das eigene Leben in höchster Gefahr war, sorgte für konträre Reaktionen. «Man darf als Fußball-Trainer die Arbeit und die Politik nicht vermischen. Das ist gefährlich. Angst hatte ich nicht, in solchen Ländern zu arbeiten», betonte Stange. Aber natürlich habe ihn die Zeit im Irak als Mensch besonders geprägt: «Ich bin als Nachkriegskind wieder in einen Krieg geworfen worden. Ich habe Menschen sterben sehen.» Nicht nur mit dem «Presidential Award» von FIFA-Chef Joseph Blatter sieht sich Stange für seine Arbeit im Krisengebiet bestätigt: Irak wurde später Asien-Meister und Olympia-Vierter.
Stange, der selbst nur auf Amateur-Ebene Fußball gespielt hat, dafür schon mit 22 Jahren in den Trainerstab von Carl Zeiss Jena gekommen war, möchte keine seiner bisherigen Trainerstationen missen. Dass es meist so ungewöhnliche Stationen waren, sei eher dem Zufall geschuldet: «Zum jeweiligen Zeitpunkt war das immer das attraktivste und verlockendste Angebot.» Die prägendste berufliche Wegstrecke seien aber die sechs Jahre als DDR-Auswahltrainer gewesen, «das war ja eine ungewöhnlich lange Zeit für dieses Amt». In jener Zeit unterhielt er auch Kontakte zum DDR-Ministerium für Staatssicherheit. Jetzt muss Stange mit den umstrittenen politischen Verhältnissen in Weißrussland leben, für ihn sei dies aber «völlig unproblematisch».
Kurz nach der politischen Wende in Deutschland bekam Stange bei Hertha BSC und dem VfB Leipzig auch seine Chance im deutschen Profi-Fußball. «Doch ich war noch gar nicht reif für den Job in dem System und konnte diese Chance nicht nutzen», gestand Stange jetzt. Mit der großen Erfahrung und den Erfolgen auf seinen Auslandstationen («Oft war ich sogar ein Volksheld») hat sich das inzwischen geändert. Weißrussland, wo er einen Vertrag bis Ende 2009 hat, soll nicht die letzte Station sein. «Ich bin absolut fit, es gibt noch genügend reizvolle Aufgaben, nicht nur in Deutschland», betonte der Jubilar.
dpa
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