Donnerstag, 13. März 2008 / 11:11 Uhr
Zug - Im Prozess gegen sechs ehemalige Manager des Sportrechte-Vermarktungskonzerns ISMM/ISL haben zwei Angeklagte Schmiergeldzahlungen zugegeben. Dies sei über ein geheimes Bankkonto in Liechtenstein gegangen, hieß es beim Strafgericht im Schweizer Zug.
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Die Anklage wirft den Managern Vermögensdelikte in Höhe von mehr als 100 Millionen Franken (fast 64 Millionen Euro) vor und hat hohe Freiheitsstrafen gefordert. Der Prozess wurde zunächst bis 31. März vertagt. Das Urteil soll im Sommer mündlich verkündet werden.
Die liechtensteinische Stiftung zur Abwicklung der Geldflüsse wurde mit Blick auf den beabsichtigten Börsengang des Unternehmens gegründet. So gelang es, die Schmiergeldzahlungen aus der ISMM-Buchhaltung raushalten zu können. Nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» hat das Strafgericht in Zug damit enorme Bestechungsgelder aufgedeckt und erstmals das Korruptionssystem im Weltsport belegt. So sollen allein zwischen 1989 und 2001 rund 138 Millionen Schweizer Franken (fast 88 Millionen Euro) an Sportfunktionäre und Tarnadressen gezahlt worden sein. Die zwei der vier anwesenden beklagten Ex-Manager hätten das von der Staatsanwaltschaft vorgelegte Material bestätigt, auch wenn sie für die Zeit vor 1999 keine exakten Summen kannten.
Die beiden anderen Angeklagten - darunter der als ständiger Überbringer der Bestechungsgelder belastete Jean-Marie Weber - schwiegen zu den Vorwürfen. Der frühere Verwaltungspräsident der ISL, der Mitangeklagte Christoph Malms, räumte dem SZ-Bericht zufolge ein, dass Bestechung zum gängigen Geschäftsgebaren der Agentur gehörte. «Diese Praxis war unerlässlich, sie gehörte zum Stil des Geschäfts. Sonst wäre der Bestand des Unternehmens nicht möglich gewesen», sagte Malms. «Die Begünstigung von namhaften Persönlichkeiten im Sport zur Förderung von sportpolitischen und wirtschaftlichen Zielen stammt aus den 70-er Jahren, als Sport zu einem Wirtschaftsfaktor wurde.» Die Tochterfirma ISL war über 20 Jahre lang die Marketing-Agentur des Weltfußballverbandes FIFA.
Die ISMM-Gruppe (International Sports Media and Marketing mit der Tochterfirma International Sport and Leisure ISL) wurde 1982 gegründet. Die Manager sollen Gelder für TV-Übertragungsrechte hauptsächlich für die Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 dazu genutzt haben, die Liquidität der Firma zu sichern. 2001 musste die Gruppe nach Verlusten von mehreren hundert Millionen Franken Konkurs eröffnen.
Vorgeworfen wird den Managern nicht grundsätzlich die Zahlung von Schmiergeldern, sondern, dass diese in einem Zeitpunkt erfolgte, als ihnen die kritische finanzielle Situation des Konzerns bewusst war. Die Staatsanwaltschaft wirft vier der sechs Angeschuldigten vor, dies habe zu einer «Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung» geführt.
Die Vorwürfe im Zusammenhang mit den «Rechteerwerbszahlungen», wie die Schmiergeld-Flüsse in der Gerichtsverhandlung bezeichnet wurden, sind nur Nebenpunkte der Anklage. Die Hauptvorwürfe der Veruntreuung und des Betrugs waren bereits am Dienstag, dem ersten Prozesstag, zur Sprache gekommen.
Die ISMM-Gruppe handelte außer mit den Rechten für die Fußball- Weltmeisterschaften auch mit Übertragungsrechten für Tennis, Motorsport und nationale Fußball-Ligen. Allein für die FIFA belief sich der Umsatz des Konzerns für Marketing und TV-Rechte auf einen Wert von 2,2 Milliarden Franken (1,4 Milliarden Euro).
dpa
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