Mittwoch, 19. März 2008 / 22:32 Uhr
Dortmund - Profis und Fans feierten ausgelassen Wiederauferstehung, die Vereinsführung atmete kräftig durch. Das mühevolle 3:0 (1:0) von Borussia Dortmund über Carl Zeiss Jena erweckte den seit Jahren schlummernden Branchenriesen Borussia Dortmund zu neuem Leben.
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Mit einem wilden Tanz vor der bebenden Südtribüne ließ die Mannschaft ihrer Freude über den Einzug in das DFB-Pokalfinale freien Lauf. Das Ende der Perspektivlosigkeit verstellte Michael Zorc jedoch nicht den Blick auf die Realität: «Das war eher eine Zangengeburt.»
Nur einen Tag später ging auch der zweite Wunsch des Dortmunder Sportdirektors in Erfüllung. Das 2:0 (0:0) des Bundesliga- Tabellenführers FC Bayern München im zweiten Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg ebnete der Borussia den Weg zurück auf die europäische Bühne - unabhängig vom Ergebnis des Endspiels. «Das ist ein Meilenstein für den BVB», schwärmte Zorc.
Doch in die Genugtuung über den größten sportlichen Erfolg seit sechs Jahren mischte sich Nachdenklichkeit. «Berlin, Berlin - was wollen wir in Berlin», kommentierte ein dem Club nahestehender Internet-User den Auftritt seines Clubs gegen den Tabellenvorletzten der 2. Bundesliga. Trotz der befreienden Führung durch Tinga (13.) und des Platzverweises von Jan Simak (51.) quälte sich der BVB über die Runden und knüpfte damit an die dürftigen Leistungen in der verkorksten Bundesliga-Saison an. BVB-Trainer Thomas Doll bevorzugte dennoch eine positive Sicht der Dinge: «Ich bin froh, dass wir es all den Pessimisten gezeigt haben, die immer schwarzmalen.»
Als süße Vorfreude auf das Endspiel am 19. April verteilte der BVB-Hauptsponsor am nächsten Morgen tausende Berliner Ballen in der Dortmunder Innenstadt - überzogen mit gelbem Zuckerguss und einem BVB-Schriftzug aus schwarzer Schokolade. Auch die positive Reaktion der Börse ließ nicht lange auf sich warten: Der Aktienkurs des Fußball-Unternehmens stieg am Mittwoch um beachtliche 6,5 Prozent an. Solche Nachrichten sind ganz nach dem Geschmack von Hans-Joachim Watzke, der nach der Partie von einer «Initialzündung» sprach: «Aus sportlicher Sicht ist das ohne Frage der schönste Tag in meiner Amtszeit - fast so schön wie der am Düsseldorfer Flughafen.»
Mit Bedacht erinnerte der BVB-Geschäftsführer an den 14. März 2005, als die Gesellschafter des Immobilienfonds Molsiris in der Eventhalle des Airports dem BVB-Sanierungsplan zugestimmt und den Verein so in letzter Minute vor dem Konkurs bewahrt hatten. Seither musste sich der Champions-League-Sieger von 1997 mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln begnügen. Der vierte Pokalfinaleinzug nach 1963, 1965 und 1989 eröffnet neue finanzielle Möglichkeiten. Gleichwohl reagierte Watzke unwirsch auf Fragen nach veränderten Spielräumen: «Geld ist nicht entscheidend. Geld haben wir. Viel wichtiger ist, dass wir mal wieder eine sportliche Visitenkarte abgegeben haben.»
Der Erfolg im Pokal kommt zur rechten Zeit. Er entschädigt die BVB-Fans, die am Dienstag für die Pokal-Rekordkulisse von 80 708 Besuchern sorgten, für viele Saison-Entbehrungen. Anders als viele Beobachter sieht Sportdirektor Zorc keine Gefahr, dass der Kampf um Bundesliga-Punkte für die Profis nun endgültig zur Nebensache werden könnte: «Wir wollen mit breiter Brust nach Berlin fahren. Da kannst du nicht sagen, jetzt machen wir erst einmal vier Wochen gedanklich Urlaub. Außerdem will sich der ein oder andere Spieler für die Final- Elf empfehlen.»
Ohne den Aussetzer von Simak und den daraus resultierenden weiteren BVB-Treffern durch Diego Klimowicz (70.) und Mladen Petric (87.) hätte auch der bisherige Pokalschreck aus Jena die Chance auf das Happy End einer missratenen Spielzeit gehabt. Doch die mit der gelb-roten Karte bedachte Unmutsbekundung des Tschechen in Richtung Schiedsrichter brachte den bis dahin gleichwertigen Zweitligisten aus dem Tritt. Kommentarlos suchte der Sünder nach dem Schlusspfiff das Weite. Trotz des Aussetzers warb Trainer Henning Bürger um Verständnis: «Jeder, der mal Fußball gespielt hat, weiß, wie emotional es zugeht. Jan sitzt wie ein Häufchen Elend in der Kabine und hat sich mit dieser Aktion selbst am meisten geschadet.»
dpa
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Die Finalniederlage der EM ist langsam verdaut...also kucken wir mal auf die neue Saison
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