Mittwoch, 2. April 2008 / 23:00 Uhr
München - Wenn Franck Ribéry, Luca Toni und Co. noch im warmen Bett liegen, verkauft Hans-Georg Schwarzenbeck schon Zeitungen. Auch am 3. April, wenn der einstige Vorstopper des FC Bayern München seinen 60. Geburtstag feiert, wird es nicht anders sein.
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Fast jeden Tag um sechs Uhr in der Früh steht einer der erfolgreichsten deutschen Fußballer hinter der Theke seines Schreibwarengeschäfts im Münchner Stadtteil Au, das er 1981 von seinen Tanten übernommen hat. «Ich mag keinen Rummel, 60 ist eine Zahl wie jede andere. Ich werde wie immer im Laden sein und am Abend gemütlich mit der Familie feiern», sagt «Katsche» Schwarzenbeck, der schon als Fußballer der Inbegriff des bescheidenen, anspruchslosen und bodenständigen Profis war.
Als «Putzer des Kaisers» und «Wasserträger» stand der kantige Abwehrspieler Franz Beckenbauer sowohl bei den Bayern als auch in der Nationalmannschaft tatkräftig zur Seite. Und es hat ihm nichts ausgemacht, dass er mit seiner etwas hölzernen, technisch unbedarften und ungelenk wirkenden Spielweise im Schatten des genialen und eleganten Liberos stand. «Ich habe mich nie zurückgesetzt gefühlt, denn ich wusste, was ich kann und was nicht», erinnert sich der 44-fache Nationalspieler und Weltmeister von 1974.
Ihm war es sogar recht, dass Beckenbauer, Gerd Müller, Uli Hoeneß oder Paul Breitner im Rampenlicht standen, denn Schwarzenbeck hasste den Medienrummel: «Von mir hätte die Presse nicht leben können. Ich bin unergiebig.» Aber einmal, am 15. Mai 1974, stahl er doch allen die Schau, als er beim 1:1 im Europacupfinale gegen Atletico Madrid mit einem 25-Meter-Distanzschuss den Bayern das Wiederholungsspiel rettete. Zwei Tage später gewannen die Münchner in Brüssel mit 4:0 und holten den ersten von drei Landesmeister-Erfolgen in Serie. «Das war der schönste Moment meiner Karriere, danach kommt der WM-Titel, denn wann wird man schon mal Weltmeister?», sagt Schwarzenbeck.
Anders als seine damaligen Mitspieler, die beim FC Bayern als Präsident, Manager oder Trainer Karriere machten, hatte Schwarzenbeck nie das Bedürfnis, einen Posten bei seinem Verein anzunehmen. «Trainer oder Manager, das war nicht mein Ding», betont der gebürtige Münchner, der von 1966 bis 1980 416 Bundesligaspiele für Bayern bestritt und dabei 21 Tore erzielte. Ein Achillessehnenriss, den er sich im August 1979 zugezogen hatte, zwang ihn ein knappes Jahr später, seine Karriere mit 32 Jahren zu beenden.
Bis dahin hatte er alles gewonnen, was es zu gewinnen gab: Europameister 1972, Weltmeister 1974, Weltpokalsieger 1976, fünf deutsche Meisterschaften, drei DFB-Pokalsiege, drei Europacupsiege der Landesmeister 1974, 1975 und 1976 sowie Europacupsieger der Pokalsieger 1967. In seinem Laden wird «meistens über Fußball» geredet, erzählt Schwarzenbeck, der selbst nicht weiß, wie aus Hans- Georg «Katsche» wurde: «Der Name war auf einmal da.» Gelegentlich schaut er den Bayern in der Allianz Arena zu, und hin und wieder trifft er sich mit den Spielern aus der großen Bayern-Elf der 70er Jahre «zum Ratschen» auf dem Vereinsgelände an der Säbener Straße.
Ansonsten beschränkt sich der Kontakt mit dem Club darauf, die Geschäftsstelle mit Büromaterial zu beliefern. Das Gefühl, sich als Fußball-Profi einen Traum erfüllt zu haben, hat Schwarzenbeck zu einem glücklichen Menschen gemacht, der sich zum Geburtstag «Gesundheit für die Familie» mit Ehefrau Hannelore sowie den Kindern Martin (34) und Heide (32) wünscht. Schließlich will er noch lange Zeitungen verkaufen und im eigenen Garten nach dem Rechten sehen. «Denn Gartenarbeit ist mein großes Hobby. Früher hatte ich gerade Mal Zeit, um den Rasen zu mähen.»
dpa
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