Mittwoch, 2. April 2008 / 14:38 Uhr
Zug - Im Prozess gegen ehemalige Manager des Sportrechte-Vermarktungskonzerns ISMM/ISL hat die Verteidigung Freisprüche für alle sechs Angeklagten gefordert.
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Es sei viel «unnützer Untersuchungsaufwand» betrieben worden, meinte einer der Verteidiger vor dem Strafgericht im Schweizer Zug. Zuvor hatten Anwälte bestritten, dass die Angeklagten den Fußball-Weltverband FIFA hätten schädigen wollen. Im Gegenteil: Der Verband, dem der Schweizer Joseph Blatter vorsteht, habe vielmehr um die finanzielle Situation der ISMM/ISL gewusst und deren Konkurs in Kauf genommen.
Damit sei für die FIFA der Weg frei gewesen, das lukrative Geschäft mit der Vermarktung von weltweiten Sportanlässen selbst in die Hand zu nehmen, hieß es weiter. Eine später zurückgezogene FIFA-Anzeige gegen Verantwortliche der ISMM/ISL sei nichts weiter als ein zweckdienlicher Schritt auf diesem Weg gewesen.
Der Anwalt sprach von einem langen, aufwendigen Verfahren, bei dem es zu «unzähligen Schikanen» gekommen sei. Es hätte längst eingestellt werden müssen, fügte er hinzu. Wie schon seine Kollegen zuvor warf der Anwalt der Staatsanwaltschaft vor, eine Anklageschrift mit einer Aneinanderreihung von Annahmen vorgelegt zu haben.
Die Staatsanwaltschaft hatte zu Beginn der Woche Freiheitsstrafen zwischen drei und viereinhalb Jahren für die sechs Hauptbeteiligten unter anderem wegen Veruntreuung oder möglicherweise Betrug, Gläubigerschädigung und betrügerischen Konkurs gefordert. Einen Teil der Anklagepunkte wirft er allen ehemaligen Managern vor, andere Punkte nur einzelnen Ex- Managern. Die Schadenssumme beläuft sich auf über 100 Millionen Franken (fast 64 Millionen Euro).
Die 1982 gegründete ISMM/ISL-Gruppe war die weltgrößte Sportmarketing-Agentur. Zum Verhängnis wurden ihr Fehlinvestitionen im Tennis, im US-Motorsport und im brasilianischen Fußball. Die Angeklagten sollen Gelder für TV-Übertragungsrechte, hauptsächlich jene der Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006, dazu benutzt haben, die Liquidität der Firma zu sichern. Mit einem Gerichtsurteil wird frühestens im Sommer gerechnet.
dpa
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