FussballFrauenfussball → Meldung

Jones: Frauen-WM wird eigene Geschichte schreiben

Hamburg - Steffi Jones ist am 9. April 100 Tage als Präsidentin des Organisationskomitees für die Frauenfußball-Weltmeisterschaften 2011 im Amt. Mit der Deutschen Presse-Agentur dpa spricht sie über Aufgabe.

anzeige

Sie gelten als das weibliche Pendant zu Franz Beckenbauer. Nervt Sie der Vergleich mit dem allgegenwärtigen Macher von 2006 schon?

OK-Präsidentin

Foto: dpa Bild vergrößern

Franz Beckenbauer (l) gratuliert im Januar Steffi Jones zum offiziellen Dienstantritt.

«Ich muss immer wiederholen: Der Vergleich ist eine große Ehre für mich, weil Franz Beckenbauer eben die sprichwörtliche Lichtgestalt ist und wirklich Türen öffnen kann. Ich schaffe das auch auf meine Art und Weise - mit meinem Lächeln, mit meinem Charme. Ich komm' damit auch recht weit. Aber wenn's um die großen Dinge geht, braucht man ihn schon. Er sitzt ja auch in den wichtigen Gremien der FIFA und ist bekannt und beliebt auf der ganzen Welt.»

Wann kommt der «Kaiser» ins Spiel?

«Noch sind ja keine Probleme da, aber wenn die kommen sollten, dann ist es gut, wenn man weiß, dass einem da der Franz Beckenbauer helfen kann. Man wird sich bei der einen oder anderen Veranstaltung sehen und dass man sich dann austauscht, das ist klar.»

Haben Sie seine Handy-Nummer, damit Sie ihn zur Not mal schnell anrufen können?

«Nein, die hab' ich nicht. Aber wenn ich sie haben wollte, dann würde ich sie schon kriegen. Franz Beckenbauer war sehr offen zu mir und hat gesagt: Steffi, wenn du was brauchst, kannst du dich jederzeit melden.»

Ist es bei diesem aufregenden Job beruhigend, dass man so erfahrene Leute vom DFB hinter sich hat?

«Es ist für den Augenblick beruhigend. Es werden Situationen kommen, in denen wir zeigen müssen, dass wir ein Team sind, dass wir eine Weltmeisterschaft organisieren können. Das wird nicht alles so «easy going» laufen. Aber da vertraue ich auf das Team und auf meine Menschenkenntnis.»

Was hat Sie in ihren ersten 100 Tagen als Organisationschefin am meisten überrascht?

«Die riesige Resonanz, vom ersten Tag an. Erstaunt hat mich gleich meine erste Pressekonferenz. Kollegen aus dem OK sagten: Eigentlich dachten wir, dass wir dich erst populär machen müssten, aber du bist ja schon populär. Natürlich habe ich nicht den Stellenwert eines Franz Beckenbauer. Aber ich denke, man hat unterschätzt, welche Bedeutung der Frauenfußball hat. Ich glaube nicht, dass man mit mir touren und sagen muss: Das ist Steffi Jones, unsere OK-Präsidentin. Viele Menschen kennen mich halt - und das erleichtert einiges.»

Wie schwer wird es, dass 2011 die Menschenmassen zur WM strömen?

«Ich glaube, dass wir es schaffen werden, die Stadien vollzukriegen. Die erste Frauen-WM in Deutschland kommt gut an. Schon in meinen Anfangstagen, egal wo ich hinkomme, kamen immer die gleichen Fragen: Wo krieg' ich Tickets für die WM 2011? Ich sage dann: Langsam, langsam, wir sind noch gar nicht so weit.»

Sehen Sie diese Amt auch als Belohnung dafür, dass sie sich nicht nur in ihrem Fußballerleben so manches hart erkämpfen mussten?

«Ich glaube schon. Ich hab' diesen Posten ja nie angestrebt. Natürlich habe ich mir das ein Stück weit auch verdient und war zum passenden Zeitpunkt da. Ich weiß, dass das Leben kein Zuckerschlecken ist. Deswegen ist mir bewusst, dass jetzt Aufgaben auf mich zukommen, in die ich erst hineinwachsen muss. Aber ich bin lernfähig.»

Der DFB profitiert bei der Organisation der WM ungemein von den Erfahrungen, die man 2006 gemacht hat. Aber ist das Sommermärchen nicht auch eine große Last?

«Wir wollen und können uns nicht mit 2006 vergleichen. Es ist auf jeden Fall eine Hilfe, dass viele schon 2006 mitgewirkt haben. Die Frauen-WM wird einen kleineren Rahmen haben. Wir können nicht in jedem Spiel ein Stadion mit 90 000 Zuschauern füllen. Aber die WM 2011 wird ihre eigene Geschichte schreiben.»

Weil man den Frauenfußball nicht mit dem Hype beim Männerfußball vergleichen kann?

«Wir sprechen eben eine andere Fangruppe an. Bei uns ist alles familiärer, näher, greifbarer. Viele reizt es, zum Frauenfußball zu kommen, weil sie sagen: Bei euch kriegen wir ja noch Autogramme und können mit euch reden. Das macht ja auch die Medienarbeit viel einfacher, was sich über die Jahre bestimmt ändern wird. Wir versuchen normal zu bleiben und nicht die Türen zuzumachen.»

Interview: Ulrike John und Arne Richter, dpa

dpa

Diesen Artikel bookmarken bei...
del.icio.us Mister Wong Technorati Google Linkarena Oneview Folkd YiGG

0 Kommentare | Kommentare verstecken

Kommentar schreiben


Bundesliga Live

Nie mehr die Bundesliga - Spiele verpassen: ab sofort bietet Ihnen fussball.com kostenlos an jedem Spieltag der 1. und 2. Fussball Bundesliga einen Live-Ticker.

Fussball Manager

Fussball Manager - FussballCup

Fussball-Spruch des Tages

Andi Möller: Der Basler, der ist eh doof.