Meldung

DFL lehnt längere Stadionverbote ab

Frankfurt/Main - Die Vorfälle beim Bundesligaspiel Eintracht Frankfurt gegen 1. FC Nürnberg haben für die Fußball-Anhänger in Deutschland vorerst keine Folgen. Es gebe keine Überlegungen, die Richtlinien für Stadionverbote wieder zu verschärfen, teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit.

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«Ich denke, es wäre völlig falsch, die lang und intensiv geführte Diskussion wieder zu beginnen», sagte DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb Holger Hieronymus der Deutschen Presse-Agentur dpa. DFB-Vizepräsident Rainer Koch sieht die Fans aber in der Pflicht. Er wünsche sich «ein klares Signal von den echten Fans, die gegenüber den Krawallmachern die überwältigende Mehrheit bilden und nicht zulassen dürfen, dass sich Chaoten unter ihnen verstecken», so der beim DFB für Rechtsfragen zuständige Koch.

Diskussion

Foto: dpa Bild vergrößern

Raketen in Frankfurt regen neue Sicherheitsgespräche an.

Am Samstag hatten Nürnberger Krawallmacher durch das mehrmalige Abfeuern von Knall- und Feuerwerkskörpern für eine rund 20-minütige Unterbrechung des Spiels Frankfurt gegen Nürnberg gesorgt. Nur da es nach der Pause keine weiteren Vorfälle gab, brachte Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) die Begegnung zu Ende und verhinderte damit den ersten Spielabbruch in der Bundesliga seit 1976. Damals war am 27. November 1976 in Kaiserslautern die Partie FCK gegen Fortuna Düsseldorf nach 76 Minuten wegen Flaschenwürfen abgebrochen worden.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollte sich zunächst nicht weiter zu den Vorkommnissen äußern. Frühestens morgen werde es neue Aussagen über weitere konkrete Erkenntnisse oder Schritte in dieser Angelegenheit geben, teilte der DFB mit. Der Chefankläger des Kontrollausschusses, Anton Nachreiner, nahm seine Ermittlungen auf und erwartet ein schnelles Urteil. «Bis Dienstag, spätestens Mittwoch werden wir eine Entscheidung treffen», sagte Nachreiner dem Fachmagazin «Kicker».

Beim 1. FC Nürnberg waren die Verantwortlichen derweil zwei Tage nach dem 3:1-Sieg weiter um Schadensbegrenzung bemüht. «Club»-Manager Martin Bader entschuldigte sich in Briefen an Gagelmann, den DFB und die Frankfurter Eintracht für die Vorfälle. Er setzt weiter darauf, dass die FCN-Anhänger die Probleme selbst in den Griff bekommen. Wenn der Selbstreinigungsprozess nicht aber nicht komme, «werden wir knallhart durchgreifen», kündigte Bader an.

Zudem wollen Nürnberg-Fans mit einem Protestmarsch gegen radikale Anhänger mobil machen. «Wir wollen ein friedliches Zeichen setzen», kündigte der Vorsitzende des FCN-Fanverbandes, Thomas Zirngibl, in der «Passauer Neuen Presse» eine Demonstration an. «Vermummte und Schwarzkutten haben im Stadion nichts zu suchen.» Die Demonstration soll vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg über die Bühne gehen.

Trotz der erneuten Vorkommnisse - erst am 23. Februar war die Partie VfB Stuttgart gegen Karlsruher SC wegen ähnlicher Vorfälle unterbrochen worden - hat Hieronymus keine Sorge vor italienischen Zuständen in Deutschland. «Solange bei uns keine Motorräder von den Tribünen fliegen, kann man davon nicht sprechen», sagte Hieronymus. Er sieht aber wie Koch die wahren Fußball-Anhänger gefordert. «Wir sind den Fans sehr entgegengekommen und haben die Dauer von Stadionverboten von fünf auf drei Jahre reduziert. Nun können wir verlangen, dass auch etwas zurückkommt», meinte der Geschäftsführer.

dpa

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