Dienstag, 8. April 2008 / 14:55 Uhr
Köln - Drei Minuten fehlten Borussia Mönchengladbach im Spitzenspiel der 2. Fußball-Bundesliga beim 1. FC Köln zur Vorentscheidung im Aufstiegsrennen.
anzeige
Eine gezielte Provokation der FC-Fans leitete in der 87. Minute eine turbulente Schlussphase ein, in der Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) mit einem zweifelhaften Elfmeterpfiff den Gastgebern den glücklichen 1:1-Ausgleich durch Patrick Helmes (90.+2) ermöglichte. «Es ist ein Witz, da kann er keinen Elfmeter pfeifen», sagte der erboste Sascha Rösler, der die Gäste vor 50 000 Zuschauern im ausverkauften Kölner Stadion nach 32 Minuten in Führung geschossen hatte.
Im Duell mit Roel Brouwers kam Kölns Milivoje Novakovic auf dem Weg zum gegnerischen Tor zu Fall. «Das konnte jeder sehen, dass das außerhalb war», schimpfte Mönchengladbachs Alexander Voigt. Kinhöfer zeigte dagegen irrtümlich auf den Elfmeter-Punkt und Brouwers wegen Notbremse die Rote Karte. «Da kann man vielleicht auch nur Freistoß geben», sagte auch Kölns Trainer Christoph Daum. Brouwers wurde bereits von der Sportgerichtsbarkeit des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit der Mindestsperre von einem Spiel belegt.
«Das fühlt sich an wie eine Niederlage. Wir waren die klar bessere Mannschaft», klagte Filip Daems, der wie sein Trainer Jos Luhukay den vielen ungenutzten Chancen hinterhertrauerte. «Wir haben vergessen, uns zu krönen, uns zu belohnen», sagte Luhukay. Bis zur Schlussphase sah alles nach einem Sieg seines Teams aus, der sieben Spieltage vor dem Saisonende einen Neun-Punkte-Vorsprung vor dem FC und den Nicht- Aufstiegsplätzen bedeutet hätte. Dann offenbarte das 89. rheinische Derby seine hässliche Seite. Kinhöfer unterbrach das Spiel kurz, weil aus dem Borussen-Fanblock eine Leuchtrakete gezündet wurde.
Die Gäste-Anhänger fühlten sich von den FC-Fans provoziert, weil diese eine vor gut drei Wochen gestohlene Mönchengladbacher Fan-Fahne in ihrem Block präsentierten und zerrissen. «Es war nur eine Frage der Zeit, wann sie die Fahne zeigen und unsere Fans durchdrehen», sagte Voigt. Borussias Sportdirektor Christian Ziege, Oliver Neuville und Rösler beruhigten die eigenen Anhänger umgehend und konnten so Szenen wie beim Bundesligaspiel Frankfurt gegen Nürnberg verhindern. Der DFB-Kontrollausschuss leitete Ermittlungen zu dem Vorfall ein, der bereits im Spiel Folgen hatte.
«Das kostet alles Zeit, die hinten drauf gepackt wird. So wären es vielleicht zwei Minuten Nachspielzeit gewesen und wir hätten das Spiel gewonnen», ärgerte sich der ehemalige Kölner Voigt über die daraus resultierende Nachspielzeit von fünf Minuten, die Kinhöfer gewährte. So wurde dessen verhängnisvoller Pfiff und das 12. Saisontor von Helmes erst möglich. Der zeigte sich von der hitzigen Stimmung unbeeindruckt: «Irgendjemand musste ja schießen. Von daher bin ich hin gegangen, hab ihn rein gehauen und fertig is'.»
Köln blieb so als Vierter in unmittelbarer Distanz zu den Aufstiegsplätzen. «Wir müssen ganz schön zulegen, wenn wir in Paderborn als Sieger den Platz verlassen wollen», gab Daum zu. Beim Letzten hat sein Team die Chance, wieder auf Rang drei zu springen. Auch FC-Manager Michael Meier hofft dort auf eine stärkere Leistung: «Das Füllhorn des Glücks ist auch nur begrenzt.»
dpa
Die Fussball EURO 2008 hier auf Fussball.com. Alle Gruppen, alle Mannschaften und immer Live dabei!
Nie mehr die Bundesliga - Spiele verpassen: ab sofort bietet Ihnen fussball.com kostenlos an jedem Spieltag der 1. und 2. Fussball Bundesliga einen Live-Ticker.
"Fussball ist mehr als nur ein Sport. Fussball ist Euphorie, Religion und Droge zugleich." Aktuelles zur Droge Fussball, spitz und ohne redaktionelle Schranken, aus unserem Fussball Blog
Andi Möller: Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.