Mittwoch, 9. April 2008 / 12:24 Uhr
London - Erst führte Michael Ballack den FC Chelsea ins Halbfinale der Champions League, dann richtete er eine Kampfansage an den ewigen Rivalen FC Liverpool.
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«Ich denke, jetzt sind wir mal an der Reihe», kündigte Ballack vor dem dritten Vorschlussrunden-Duell gegen die Liverpooler in vier Jahren Revanche für die Niederlagen 2005 und 2007 an. Mit seinem Kopfball-Tor in der 4. Minute hatte der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft den «Blues» den Weg zum 2:0- Sieg gegen Fenerbahce Istanbul geebnet, den Frank Lampard (87.) im Stadion an der Stamford Bridge besiegelte.
Ein Fußball-Drama spielte sich 342 Kilometer weiter nördlich an der Liverpooler Anfield Road ab. Zweimal stand der FC Arsenal während der Partie mit einem Bein im Halbfinale, doch am Ende mussten sich die Londoner den «Reds» mit 2:4 geschlagen geben. «Wir sind bereit für Chelsea», versprach Liverpools Kapitän Steven Gerrard nach packenden 90 Minuten, in denen Arsenals Bankdrücker Jens Lehmann wohl seine letzte Chance auf einen internationalen Clubtitel verlor.
Für sein frühes Tor und seine Rolle als Antreiber der Chelsea-Elf lobte Englands Presse Ballack in höchsten Tönen. Die Boulevardblätter «Sun» und «Mirror» kürten ihn zum «Mann des Spiels», die «Daily Mail» erkannte in ihm den Kopf der Mannschaft («Head Boy») und schrieb voller Vorfreude: «Michael Ballack, 2002 Finalist mit Bayer Leverkusen, sieht wieder wie ein Champion aus.»
An den ersten Champions-League-Triumph denkt auch der weiterhin umstrittene Chelsea-Trainer Avram Grant. Der Israeli könnte damit seinen Vorgänger Jose Mourinho übertrumpfen und den langgehegten Wunsch von Eigentümer Roman Abramowitsch erfüllen. «Ich habe immer daran geglaubt, das wir den Wettbewerb gewinnen können. Ich bin ein geborener Optimist», sagt Grant, dem allerdings im Saisonendspurt die Torhüter auszugehen drohen. Petr Cech musste nach einem Trainingsunfall mit 50 Stichen im Gesicht genäht werden, sein Vertreter Carlo Cudicini verletzte sich gegen Fenerbahce am Knie und humpelte nach 25 Minuten vom Platz. Die Nummer drei Henrique Hilário rettete Chelsea später die Führung.
Niedergeschlagen und bitter enttäuscht war derweil Arsenal-Trainer Arsène Wenger nach dem Fußball-Thriller an der Merseyside. «Wir waren zu naiv und in der Verteidigung nicht erwachsen genug», kritisierte der Franzose, dessen Mannschaft durch Abou Diaby 1:0 zwar führte (13.) und nach Treffern von Sami Hyppia (30.) und Fernando Torres (69.) durch Emmanuel Adebayor noch einmal zum Ausgleich kam (84.). Doch in den letzten Minuten entschieden Gerrard (85./Foulelfmeter) und Ryan Babel (90.) das Spiel für Liverpool.
Während Wenger die «fragwürdige» Elfmeterentscheidung kritisierte («Im Fußball muss man manchmal schlucken, was nicht zu schlucken ist»), betrieben die Spieler der «Gunners» nach dem späten K.o. Frustbewältigung. Nach einem starken Saisonstart droht die Mannschaft am Ende mit leeren Händen dazustehen.
dpa
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Gerhard Delling: Die haben den Blick für die Orte, wo man sich die Seele hängen und baumeln lassen kann.