Montag, 14. April 2008 / 15:01 Uhr
München - Die Bayern feierten Lehrbuch-Fußball, die Dortmunder schlichen nach einer Lektion gedemütigt vom Platz. Sechs Tage vor dem DFB-Pokal-Finale nutzten nur die Münchner das gemeinsame Abschlusstraining und überrollten den Möchtegern-Rivalen beim 5:0 (4:0).
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«Was die Mannschaft in der ersten halben Stunde geboten hat, war Fußball zum Verlieben, war Fußball von einem anderen Stern. Jedes Tor was das Eintrittsgeld als solches wert», schwärmte Bayern-Manager Uli Hoeneß nach der Meister-Gala und bremste die Pokal-Euphorie. «Ich warne davor zu sagen, jetzt sind wir auch Pokalsieger, denn Dortmund wird diese Niederlage wurmen. Wir müssen das Ergebnis aus dem Kopf bringen, sonst kriegen wir Samstag Probleme.»
Beim Liga-Duell feierte sich der Rekordmeister zurecht für eine überragende Anfangsphase, die Borussen war nach der Klatsche dagegen kleinlaut. «Ich bin immer noch am überlegen, was wir hier wollten», rätselte Trainer Thomas Doll. «Das kam einer Hinrichtung gleich.» Sportdirektor Michael Zorc fehlte nach einem «Albtraum» sogar «jedes Erklärungsrezept» und Mittelfeldakteur Sebastian Kehl schwante schon Böses für das Finale in Berlin. «Wenn wir am Samstag wieder so spielen, werden wir eine ähnliche Überraschung erleben wie heute.»
Während die Aussagekraft für das Pokal-Endspiel angesichts des Klassenunterschieds denkbar gering war, durften sich die Münchner über eine Erkenntnis freuen: Es geht auch ohne den weiter angeschlagenen Franck Ribéry. «Heute ist brillant dargelegt worden, dass die Mannschaft auch ohne Franck und Miroslav Klose Zauberfußball spielen kann», entgegnete Hoeneß mit Genugtuung. Aber ohne den zweifachen Torschützen Luca Toni, der wie auch Zé Roberto, Andreas Ottl und Lukas Podolski traf, geht es fast nicht. Mit 18 Toren ist der 30-Jährige, der von der Sportzeitung «La Gazzetta dello Sport» als «Toni cannibale» gefeiert wurde, auf dem Weg zu Torjägerkrone und hungrig auf weitere Tor-Taten. «Ich habe ihn in der Halbzeit gefragt, ob er runter möchte wegen der Kraft, aber er meinte nur: Ne, Tore, Tore, Tore», sagte Trainer Ottmar Hitzfeld.
Angesichts des Pokalfinales dachte niemand an die Bundesliga-Aufgaben der Dortmunder und des FC Bayern vorher. Für Dortmund geht es in der Liga ohnehin nicht mehr um viel und beim Spitzenreiter ist der Titelkampf derzeit in der Prioritätenliste auch nicht ganz oben. «Wir haben die Meisterschaft heute vorentschieden. Jetzt können wir uns auf das Pokalfinale und den UEFA-Pokal besser konzentrieren», sagte Hoeneß.
Der BVB erwartet Hannover 96, die Münchner reisen zu Eintracht Frankfurt. Ohne Torhüter Oliver Kahn. Der Torhüter erlitt gegen Dortmund eine Halswirbelverrenkung und wurde ausgewechselt. Für Kahn, der im Finale zurückkehren soll, steht gegen die Hessen Michael Rensing im Tor. «Es ist schön, mal wieder Spielpraxis zu bekommen», sagte Rensing, dessen Team die Tabelle mit zehn Punkten Vorsprung auf Werder Bremen anführt. «Wir haben so viel Substanz und so viele gute Spieler, dass es uns gelingen sollte, den Vorsprung auszubauen oder zumindest zu halten.»
Spötter vermuteten hinter dem schlappen Auftritt der Westfalen eine Art «Herberger-Taktik». Beim «Wunder von Bern» hatte die DFB- Auswahl 1954 in der Vorrunde eine 3:8-Niederlage gegen Ungarn einstecken müssen und war dann beim 3:2-Sieg im Finale vom großen Favoriten unterschätzt worden. Aber das wird den Münchnern gegen die Borussen nicht passieren, versicherte Bastian Schweinsteiger. «Wenn man einen Oliver Kahn in der Mannschaft hat, kommt das nicht vor.»
«Das wird eine völlig andere Situation werden und wir sind nicht so dumm, zu glauben, dass Dortmund noch mal so auftreten wird», warnte Kahn. Auch Hitzfeld bremste verfrühte Euphorie. «So macht man den Gegner schärfer. Mir wäre heute ein knappes 3:2 lieber gewesen als ein 5:0», sagte der Coach, dessen Team bei der Gala auch vom «riesigen Adrenalinstoß» nach dem Getafe-Spiel profitierte.
Derweil stehen zwischen Bayern und dem dreimaligen Nationalspieler Jan Schlaudraff die Zeichen nach nur einer Saison auf Trennung. Der für 1,2 Millionen Euro von Alemannia Aachen verpflichtete Offensivspieler kam in der Saison nur zu elf Teileinsätzen und fragte jetzt bei Manager Uli Hoeneß wegen seiner Freigabe an. «Jan hat uns gebeten, den Verein verlassen zu dürfen. Wir haben seinem Wunsch zugestimmt», sagte Hoeneß der «tz».
Schlaudraff hat einen Vertrag in München bis zum 30. Juni 2010, beim Rekordmeister aber keine Perspektive. Er hat «einige Anfragen und ein konkretes Angebot aus der Bundesliga». Der 24-Jährige hofft auf eine schnelle Lösung, denn die Freigabe dürfte letztlich auch von einer Ablösesumme abhängen. Hannover 96 hatte bereits Interesse bestätigt. Stuttgart, Dortmund und Hertha BSC sind nach «kicker»- Angaben interessiert.
dpa
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