Donnerstag, 17. April 2008 / 14:37 Uhr
Berlin - Der FC Bayern strotzt beim Höhenflug vor Selbstvertrauen, Borussia Dortmund liegt vor dem Pokal-Finale am Boden. Selten reisten Endspiel-Teilnehmer mit so unterschiedlicher Gemütslage nach Berlin wie vor der 65. Auflage des Cup-Finals.
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Die Münchner können am 19. April und acht Tage später in der Liga gegen Stuttgart zwei Titel binnen nur einer Woche holen, die Westfalen haben vor allem Angst vor einer weiteren Blamage. Während sich die Mannschaft von Trainer Thomas Doll in der Bundesliga beim 1:3 (0:2) gegen Hannover in einem desolaten Zustand präsentierte, kam der Rekordmeister von Ottmar Hitzfeld vier Tage nach dem 5:0 über Dortmund mit einer 1B-Elf zu einem sicheren 3:1 (0:1)-Erfolg bei Eintracht Frankfurt.
Die 21. deutsche Meisterschaft hat der FC Bayern angesichts von 10 Punkten Vorsprung längst eingeplant, nun soll in Berlin der 14. Pokalsieg her. «Wir haben sehr viel Selbstvertrauen und momentan einfach einen Lauf», sagte Manager Uli Hoeneß und warnte trotz der klaren Rollenverteilung. «Wir müssen die Vorschusslorbeeren aus dem Kopf bekommen und dürfen nicht denken, dass es so einfach geht wie beim 5:0 am vergangenen Sonntag.» Bei seinen mahnenden Worten fand Hoeneß Unterstützung durch Oliver Kahn. «Ich fand es ein bisschen zu locker, zu gelöst», meinte der Kapitän nach der Trainings-Einheit, an der er ebenso wie die angeschlagenen Miroslav Klose und Marcell Jansen teilnahm. «Das Finale wird immer gefährlicher. Dortmund hat nichts zu verlieren und kann Großes erreichen.»
Dazu müssten die Westfalen aber vor allem den hervorragend aufgelegten Luca Toni stoppen. Nachdem dem Italiener beim Sieg in Frankfurt der dritte Doppelpack in einer Woche gelang - zuvor trafen Benjamin Köhlers zum 1:0 für Frankfurt und Daniel van Buyten zum 1:1 - will er sich bei seiner ersten Berlin-Rückkehr seit dem WM-Finale 2006 den nächsten Vereinstitel nach dem Ligapokal sichern. «Jetzt kommen erst die wichtigen Spiele, in denen die Tore doppelt zählen», sagte der blendend gelaunte Toni in München.
Von Titeln redet bei Borussia niemand, vielmehr ist dort die Sorge vor einer Vorführung riesengroß. Ausgerechnet vor dem wichtigsten Spiel des Jahres wurden die Westfalen zum Gespött der Fußball-Nation. Wie schon beim 0:5 gegen den FC Bayern bot Dolls Team auch gegen Hannover eine Vorstellung jenseits der Schmerzgrenze. Mit Scherzen, dass die Mannschaft am Samstag besser im Frauen-Finale antreten solle, trösteten sich einige Fans über die bedenkliche Generalprobe hinweg. «Wir haben zweimal richtig auf die Mütze gekriegt, damit ist es nun genug», sagte Doll, dessen Position immer schwächer wird.
Als die heimischen Fans lange vor dem Schlusspfiff bei der Schmach gegen Hannover in Scharen aus dem Stadion geflüchtet waren, mussten die Spieler noch die Schadenfreude des gegnerischen Anhangs ertragen. «Berlin, Berlin - was wollt ihr in Berlin?», schallte es von der Nordtribüne der ansonsten ungewohnt stillen Arena. Nach dem abermals desaströsen Auftritt mit Gegentoren von Arnold Bruggink (37.), Frank Fahrenhorst (42.) sowie Szabolcs Huszti (78.) und einem eigenen Treffer von Alexander Frei (65.) war der letzte Rest Vorfreude der Borussia-Fans auf das Finale dahin. Stattdessen überwog die Angst. «Wir sind wie ein Boxer, der zwei Geraden mitten auf das Auge bekommen hat und nun am Boden liegt», bekannte Frei. «Entweder er bleibt liegen und wird ausgezählt, oder er steht wieder auf.»
Doch an den Lucky Punch glaubt niemand. Vor allem nicht, weil Toni derzeit nicht zu stoppen ist. Der 30-Jährige führt die Bundesliga-Torschützenliste mit 20 Treffern souverän an und traf in den bisherigen 40 Pflichtspielen 33 Mal. «Es ist unglaublich, welche Mentalität er hat. Ich habe ihm schon öfter eine Pause angeboten, aber er sagt immer nur, er will Tore schießen», sagte Hitzfeld, der nach seinem 100. Bundesliga-Auswärtssieg nun mit dem dritten Pokalerfolg einen Rekord anstrebt.
dpa
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