Freitag, 18. April 2008 / 16:04 Uhr
Berlin - Der große Favorit fürchtet nur die eigene Überheblichkeit, beim Außenseiter geht die Angst vor einer weiteren Blamage um. Das DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund im Berliner Olympiastadion ist ein Duell der Gegensätze.
anzeige
Anders als der selbstsichere Rekordmeister tritt die Borussia nach zwei desaströsen Auftritten mit großer Verunsicherung an. Trotz der ungleichen Voraussetzungen versuchten die Trainer den Eindruck von einem Spiel auf Augenhöhe zu vermitteln. «Bei uns läuft keiner mit gesenktem Kopf durch die Gegend. Wir freuen uns alle auf dieses Finale und sind zurecht hier», sagte BVB-Trainer Thomas Doll, der sich nur einen Tag vor seinem ersten Finale als Trainer sogar Fragen nach seiner Zukunft gefallen lassen musste.
Präsentiert sich sein Team ähnlich hilflos wie bei den Niederlagen gegen die Bayern (0:5) und Hannover 96 (1:3) dürfte sein Arbeitsplatz in Gefahr geraten. Auf solche Spekulationen reagierte der Fußball- Lehrer am Freitag dünnhäutig: «Ich mache mir keine Gedanken, was morgen oder übermorgen ist, sondern habe ein Finale vor der Brust.» Inständig hofft er auf eine Trotzreaktion seines Teams: «Wenn man am Boden liegt, sollte man es hinbekommen, wieder aufzustehen. Man sollte Flagge zeigen und sich darauf besinnen, warum man Profi geworden ist.»
Gleichwohl werden der Borussia nur geringe Chancen auf den dritten Pokalerfolg eingeräumt. Die Fachwelt zweifelt nicht am 14. Cup-Gewinn der scheinbar übermächtigen Münchner vor 72 954 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion. Nur die Bayern selbst geben sich nach außen zurückhaltend. «In einem Pokalfinale ist immer alles offen. Wir wissen, dass es für uns ein schwieriges Spiel wird», sagte Trainer Ottmar Hitzfeld.
Die unterschiedliche Ausgangslage beider Clubs spiegelte sich in den Gesichtern der Trainer wieder. Vor einem der letzten Höhepunkte seiner ruhmreichen Karriere als Vereinscoach wirkte Hitzfeld ungleich gelassener als sein Gegenüber. Bereits vor dem Anpfiff ist die Hauptrolle an ihn vergeben. Zum Ende seiner Ära als Vereinscoach will sich Hitzfeld einen ähnlichen Rückschlag wie 1999 ersparen, als der Traum vom Bayern-Triple in zwei Endspielen gegen Bremen (Pokal) und Manchester (Champions League) platzte. Diesmal scheinen die Voraussetzungen besser: Läuft alles optimal, feiert er binnen einer Woche den Pokalsieg und die Meisterschaft.
Den ersten Titel kann er ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Club gewinnen, für den er - wie für München - sieben Jahre erfolgreiche Arbeit leistete. Das prickelnde Duell geht dem eher kühlen Analytiker nahe: «Schwarzgelb ist ein Teil meines Lebens, jetzt ist es der FC Bayern rotweiß. Ein schöneres Finale kann es für mich nicht geben.» Darüber hinaus winkt im Falle eines Sieges der Eintrag in die Rekordbücher: Hitzfeld würde die Rekordliste der erfolgreichsten Bundesliga-Trainer mit 16 Titeln vor Udo Lattek (15) anführen.
Kaum vorstellbar, dass Hitzfeld diese Ehre verwehrt bleibt. Denn der gute Lauf seines Teams hat vor dem Finale für reichlich Rückenwind gesorgt. Zudem sieht es Hitzfeld als Vorteil, dass Superstars wie Franck Ribéry, Luca Toni und Miroslav Klose mit ihren bisherigen Vereinen kaum Trophäen gewonnen haben: «Die Spieler wollen ihre Karriere mit Titeln schmücken.»
Und selbst der in seiner bisherigen Laufbahn überaus erfolgreiche Oliver Kahn ist hungrig auf Erfolg. Wie Hitzfeld steuert der Torhüter eine Bestmarke an. Nie zuvor gewann ein Fußball-Profi sechsmal den DFB-Pokal. Damit aus dem geplanten Freudenfest keine Enttäuschung wird, nahm Kahn seine Mitstreiter in altbekannter Manier in die Pflicht: «Mir ist es im Training fast zu locker und zu lustig. Das sind für mich Alarmzeichen. Das ist ein Finale. Da spielt alles, was vorher war, keine Rolle - ob wir gegen Dortmund 5:0 gewonnen oder die einen schlechten Lauf haben.»
Dagegen geht es beim Endspielgegner im Training derzeit alles andere als lustig zu. Findet die Borussia keinen Ausweg aus der Krise, droht ein Fiasko in Berlin. Nur der Blick zurück sorgt für neuen Mut. Trotzig erinnerte Sportmanager Michael Zorc an die historischen Final-Erfolge der Borussia 1966 im Europapokal gegen Liverpool, 1989 im Pokal gegen Bremen oder 1997 in der Champions League gegen Turin. «Der BVB war in fast jedem Endspiel, das er gewonnen hat, nur Außenseiter.»
dpa
0 Kommentare | Kommentare verstecken
Nie mehr die Bundesliga - Spiele verpassen: ab sofort bietet Ihnen fussball.com kostenlos an jedem Spieltag der 1. und 2. Fussball Bundesliga einen Live-Ticker.
"Fussball ist mehr als nur ein Sport. Fussball ist Euphorie, Religion und Droge zugleich." Aktuelles zur Droge Fussball, spitz und ohne redaktionelle Schranken, aus unserem Fussball Blog
Die Finalniederlage der EM ist langsam verdaut...also kucken wir mal auf die neue Saison
Harald Schmidt: Golden Goal ist scheiße. Man weiß nie, ob man sich noch ein Bier holen soll.
Kommentar schreiben