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Applaus für Verlierer BVB - Atempause für Doll

Berlin - Die Verlierer um Thomas Doll wurden empfangen wie Sieger. Als das Team von Borussia Dortmund nach dem Spiel eine halbe Stunde nach Mitternacht den Ballsaal des noblen Hotels Ritz-Carlton betrat, erhoben sich 500 Bankett-Gäste von ihren Sitzen und spendeten Applaus.

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«Ihr habt zwar keinen Pokal, aber jede Menge Sympathien gewonnen», rief Hans-Joachim Watzke den müden, aber stolzen Profis zu. Zumindest zwischen den Zeilen schloss der Geschäftsführer auch den zuletzt umstrittenen Trainer mit in sein Lob ein: «In den Tagen zuvor sind wir mit Häme überschüttet worden. Aber wir haben gezeigt, dass wir zurecht in diesem Finale standen.»

Verlierer

Foto: dpa Bild vergrößern

Dortmunds Trainer Thomas Doll winkt seinen Spielern nach dem Spielende zu.

Auch die Daheimgebliebenen honorierten die Leistung ihrer Lieblinge. Mehr als 5000 Anhänger feierten die Mannschaft nach ihrer Rückkehr aus Berlin auf dem Dortmunder Friedensplatz. Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer (SPD) würdigte die Borussen bei einem offiziellen Empfang. Der BVB habe ein fulminantes Spiel abgeliefert, sagte Langemeyer. «Wir hätten gerne das Wunder gehabt. Wir sind stolz auf diese Mannschaft und lassen es uns nicht nehmen, sie heute hier zu feiern.»

In Berlin hatte sich erst zu fortgeschrittener Stunde auch die Miene von Fußball-Lehrer Doll allmählich wieder aufgehellt. Langsam, ganz langsam war der Ärger über das kurz vor dem Anpfiff aufgekommene Gerücht von seiner bevorstehenden Ablösung verflogen. Sichtlich verärgert nahm Doll Stellung zu einer Meldung, wonach er seinen Trainerstuhl im Sommer voraussichtlich an Jürgen Klopp (Mainz) abtreten müsse. «Ich finde es einfach respektlos, dass man sich in der heutigen Medienlandschaft selbst an einem Finaltag Gedanken über einen Trainer macht», klagte Doll, «keine Ahnung, woher solche Dinge kommen.»

Noch während der Siegerehrung auf dem Rasen setzte Watzke ein Zeichen und nahm den Trainer vor laufenden Kameras in den Arm. Später brachte der BVB-Geschäftsführer seine Solidarität auch verbal zum Ausdruck. Energisch bestritt er, dass der Revierclub nach zuletzt desolaten Vorstellungen bereits mit der Sichtung des Trainermarktes begonnen und dabei auch ein Auge auf den Rostocker Frank Pagelsdorf geworfen habe: «Da ist absolut nichts dran. Wir haben weder mit Klopp noch mit irgendeinem anderen Trainer gesprochen.» Darüber hinaus bemühte sich auch Sportdirektor Michael Zorc, die Spekulationen zu entkräften: «Bei uns gibt es keine Trainerdiskussion - weder intern, noch extern. Thomas Doll hat einen Vertrag bis 2010. Schluss, aus.»

Dennoch wird für Doll viel davon abhängen, ob die Borussia das im Finale angedeutete Niveau auch in den restlichen Saisonspielen abrufen kann. Der respektable Auftritt im Finale stärkte zwar seine Position, machte seinen Arbeitsplatz auf Dauer aber nur bedingt sicherer. Angetrieben von den zahlreichen schwarz-gelben Fans im Olympiastadion präsentierte sich der BVB erstmals seit Wochen wieder als Einheit. Mannschaftskapitän Christian Wörns ist zuversichtlich, dass die Partie im «deutschen Wembley» beflügelt: «Das kann eine Initialzündung für uns gewesen sein. Wir wissen, dass wir Gas geben müssen.»

Immerhin können sich die Dortmunder mit der Rückkehr in den UEFA-Cup trösten. Als sich der BVB im November 2003 mit einem 0:4 beim FC Sochaux bereits in der zweiten Runde aus dem Wettbewerb verabschiedete, konnte niemand ahnen, wie lange die Durststrecke des zwischenzeitlich von der Insolvenz bedrohten einstigen Branchenriesen anhalten würde. Das Erlebnis auf der großen Fußball-Bühne in Berlin machte allen Beteiligten Lust auf mehr. Nicht im Etat vorgesehene Pokal-Zusatzeinnahmen in Höhe von über sechs Millionen Euro erhöhen den Spielraum für nötige Investitionen in die Mannschaft. Doch zunächst muss das Team in den kommenden Wochen ein drohendes Abrutschen in die Gefahrenzone abwenden. Watzke nutzte die Chance für einen Appell an die Profis und Doll: «Ich hoffe, dass ihr nun auch in der Bundesliga zeigt, wie gut ihr eigentlich seid.»

dpa

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