Dienstag, 22. April 2008 / 13:50 Uhr
London - Der Mann mit dem Helm ist zurück. Zwei Horror-Verletzungen in anderthalb Jahren haben Petr Cech zwar weit zurück-, aber nicht aus der Bahn geworfen. Im Gegenteil: Der Torhüter des FC Chelsea ist immer wieder aufgestanden.
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Rechtzeitig zum Champions- League-Halbfinale beim FC Liverpool hat er sich bei Coach Avram Grant zurückgemeldet. «Ich wollte unbedingt wieder spielen. Dann habe ich den Gesichtsschutz getragen - und alles war gut», sagte Cech nach seinem Comeback vor einer Woche gegen den FC Wigan (1:1). An seinen Rugby-Helm, den er bereits seit seinem Schädelbruch im Oktober 2006 trägt, wurde kurzerhand ein Kinnschutz montiert. Und schon war der unverwüstliche Tscheche wieder einsatzbereit.
Dabei hatte es vor zwei Wochen noch so ausgesehen, als sei die Saison für ihn vorzeitig beendet. Denn Mitspieler Tal Ben-Haim hatte ihm im Training mit den Stollen das Kinn und die Lippe aufgeschlitzt. Cech musste mit 50 Stichen genäht werden und verpasste die Champions- League-Viertelfinalspiele gegen Fenerbahce Istanbul (1:2/2:0).
«Big Pete» nennen sie den in Pilsen geborenen Welttorwart von 2005 an der Stamford Bridge respektvoll. Er zeichnet sich seit Jahren durch starke Reflexe und exzellente Strafraumbeherrschung aus. Auch dank des bekennenden Eishockey-Fans holte Chelseas Star-Ensemble 2005 und 2006 die englische Meisterschaft sowie 2007 den FA-Cup. Der Champions-League-Titel fehlt ihm und dem Club noch in der Sammlung.
Mehr als zehn Millionen Euro hatten die «Blues» 2004 an Stade Rennes überwiesen - viel für einen Torhüter. Zu dem Zeitpunkt hatte der 1,96-Meter-Hüne mit Tschechien schon die Junioren-EM gewonnen. In der Premier League stellte er 2004/2005 einen Rekord auf, blieb 1024 Minuten ohne Gegentreffer und kassierte lediglich 13 Tore.
Dann kam der 14. Oktober 2006, das Spiel gegen den FC Reading. Nach nur 16 Sekunden trifft ihn Stürmer Stephen Hunt mit dem Knie im Gesicht und drückt seinen Schädelknochen ein. Kurzfristig schwebte Cech in Lebensgefahr. Bei der Operation wurden ihm zwei Metallplatten in den Kopf eingesetzt, noch Monate später klagte er über Kopfschmerzen. Der Unfall sorgte für Entsetzen, auch beim deutschen Nationaltorwart Jens Lehmann vom FC Arsenal: «Ich habe Angst, denn mit meinem Stil zu spielen, bin ich auch ein potenzielles Opfer.»
Cech selbst schilderte im «Chelsea-TV» später, dass er vom Vorfall nichts mehr wisse. «Das letzte, woran ich mich erinnern kann, ist, wie ich aus der Umkleidekabine kam, das Trikot anhatte und Hände schüttelte.» Nur drei Monate später war er wieder einsatzbereit. «Ich habe keine Angst», sagte er vor dem Comeback. Sein damaliger Trainer José Mourinho frohlockte, der «beste Torhüter der Welt» sei zurück. Seitdem spielt Cech mit dem in Neuseeland hergestellten 80 Gramm schweren Rugby-Helm aus Schaumstoff mit einem Rahmen aus Karbon.
In dieser Saison musste Cech, dessen Karriere bei Viktoria Pilsen begann, weitere Rückschläge hinnehmen. Blessuren an Leiste, Hüfte und Fußgelenk warfen ihn zurück, er machte bisher nur 23 Liga-Spiele. Doch auch die üblen Schnittverletzungen im Gesicht ließen ihn nicht lamentieren. Dem «Guardian» sagte er: «Ich spreche nur mit der Hälfte meines Mundes. Die Narbe wird bleiben, sollte aber minimal sein.»
dpa
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