Mittwoch, 23. April 2008 / 16:18 Uhr
München - Nach dem ersten Streich im DFB-Pokal soll die Titelsammler des FC Bayern auf ihrer Triple-Jagd nichts stoppen - weder die Sperre von Tor-Garant Luca Toni noch der mögliche Ausfall des angeschlagenen Miroslav Klose und schon gar nicht Leverkusen-Schreck Zenit St. Petersburg.
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«Wir hatten schon einige namhafte Ausfälle diese Saison und konnten das kompensieren. Die Mannschaft ist immer noch stark genug, um St. Petersburg zuhause zu schlagen», sagte Trainer Ottmar Hitzfeld vor dem Halbfinal-Hinspiel im UEFA-Pokal in der ausverkauften Münchner Arena.
Nach dem Fehlen von Toni (Gelb-Sperre) wird beim Bundesliga-Spitzenreiter von der medizinischen Abteilung alles getan, um den am Fuß verletzten Klose fit zu kriegen. «Es ist eine Frage von Stunden», sagte Hitzfeld vor dem geheimen Abschlusstraining, bei dem Klose wenigstens ein «leichtes Training» absolvieren sollte.
«Wenn Toni spielen dürfte, könnten wir Miro schonen», erklärte Hitzfeld: «Aber so müssen wir alles unternehmen, damit er spielen kann.» Denn ansonsten hätte der Coach neben Lukas Podolski nur noch den am Saisonende zu Hannover 96 wechselnden Edelreservisten Jan Schlaudraff als Angreifer zur Verfügung. «Ich hätte aber kein Problem damit, Jan aufzustellen», versicherte Hitzfeld.
Ob mit oder ohne Klose - die Bayern-Profis wissen, dass sie mit dem Gewinn von drei Titeln in dieser Saison «Geschichte schreiben können», wie es Nationalspieler Bastian Schweinsteiger formulierte. Der 14. DFB-Pokalsieg soll nur die Ouvertüre zu den Münchner Fest-Wochen gewesen sein, die man mit der 21. Meisterschaft und dem 2. UEFA-Pokal-Gewinn nach 1996 krönen will. «Jetzt wollen wir auch die anderen beiden Titel noch holen», verkündete Trainer Ottmar Hitzfeld kämpferisch. Das zum Greifen nahe historische Titel-Triple wäre aus Sicht von Manager Uli Hoeneß «eine gigantische Leistung».
Ausgerechnet der in den letzten vier Spielen jeweils doppelt treffende Toni kann beim Vorlegen gegen St. Petersburg nicht mitmachen, was das Selbstvertrauen schmälern könnte. «Es ist immer ein bisschen blöd, wenn der beste Torschütze nicht mitspielen kann in einem Spiel, das man unbedingt gewinnen möchte», bekannte Franck Ribéry. Mit zehn Treffern ist der Weltmeister aus Italien der erfolgreichste Torschütze im UEFA-Cup, als «größter Fan» will er auf der Tribüne die Daumen drücken. Den Job von Toni sollen die jeweils fünfmal im laufenden Wettbewerb erfolgreichen Podolski und Klose übernehmen, die Ribéry als «würdige Vertreter» bezeichnete.
«Luca hat uns in den letzten Wochen mit seinen Toren viel geholfen», sagte auch Podolski. Aber jetzt seien eben andere gefordert - insbesondere er. «Jetzt müssen die anderen Zwei, die vorne spielen, die Tore schießen», sagte Podolski selbstbewusst. Die Entschlossenheit der Münchner verkörpert Mark van Bommel, der seine gebrochene Nase nicht einmal mit einer Gesichts-Maske schützen wird und trotzdem im Mittelfeld keinem Zweikampf aus dem Weg gehen will. «Man muss ein bisschen auf die Zähne beißen», meinte van Bommel.
Auch wenn Russlands Meister mit dem renommierten niederländischen Trainer Dick Advocaat für die Bayern-Profis eine unbekannte Größe darstellt - gewarnt sind sie allemal. «Zu welcher Leistung St. Petersburg im Stande ist, hat man spätestens beim 4:1 in Leverkusen gesehen», bemerkte Schweinsteiger respektvoll.
Die Konterstärke der Russen über die schnellen Angreifer Andrej Arschawin und den bislang achtfachen Torschützen Pawel Pogrebnjak bekam schon Bayer 04 beim Viertelfinal-K.o. bei der Hinspiel-Pleite im eigenen Stadion bitter zu spüren. «Wenn man die Russen schlagen will, muss man defensiv gut stehen», kommentierte van Bommel.
Hitzfeld würde sich «ein 1:0 oder 2:0» wünschen, aber wild nach vorne stürmen lassen will er nicht: «Wir können ein Spiel auch auswärts drehen, darum müssen wir nicht zu hohes Risiko gehen.» Der unbekümmerte Optimist Podolski, der fest an den Einzug ins Finale am 14. Mai in Manchester glaubt, kann sich nicht einmal im Traum vorstellen, dass die Bayern ein ähnliches Schicksal wie Leverkusen ereilen könnte: «Abgeschossen werden wir nicht!»
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
FC Bayern München: Kahn - Lell, Lucio, Demichelis, Lahm - Schweinsteiger, van Bommel, Zé Roberto, Ribéry - Klose, Podolski
Zenit St. Petersburg: Malafejew - Anjukow (Ricksen), Schirokow, Krizanac, Sirl - Denisow, Faysulin, Timoschtschuk, Zyrijanow - Pogrebnjak, Arschawin
Schiedsrichter: Michel (Slowakei)
dpa
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