Freitag, 25. April 2008 / 12:05 Uhr
Dortmund - Das Medienecho war riesig, der Nutzen jedoch eher gering. Die Diskussion um die Zukunft von Trainer Thomas Doll bei Borussia Dortmund hält auch nach dessen Wutrede unvermindert an.
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Anders als der ehemalige Bayern-Coach Giovanni Trapattoni oder der einstige DFB-Teamchef Rudi Völler, die vor Jahren mit ähnlichen emotionalen Ausbrüchen für Schlagzeilen gesorgt hatten, gewann der beim BVB in die Kritik geratene Fußball-Lehrer kaum Sympathien hinzu. Zumindest aus Kollegenkreisen gab es verständnisvolle Kommentare. «Das ist wie bei einem Teekessel. Der Druck steigt und irgendwann fängt der Kessel an zu pfeifen», sagte Mike Büskens, Interimscoach beim Revierrivalen FC Schalke 04.
Schon über 500 000 Mal wurde das Video mit dem Auftritt von Doll auf diversen Internetseiten abgerufen. Die meisten Reaktionen in den Zeitungen und Onlineforen waren wenig wohlwollend. So äußerte «Bild»- Kolumnist Günter Netzer zwar Verständnis für die menschliche Reaktion, attestierte dem Coach aber mangelnde Professionalität: «Er hat mit diesem Auftritt den Druck auf alle noch einmal erhöht.»
Den Argumenten von Doll, den Verein vor 13 Monaten in einer sportlich schwierigen Phase übernommen und zurück in den UEFA-Cup geführt zu haben, mochten die Kritiker nicht folgen. Zu groß sind die Zweifel, ob die vom Verein in absehbarer Zukunft angestrebte Rückkehr in das obere Tabellendrittel mit dem alten Trainer zu schaffen ist. «Man muss die Situation ja nicht schön reden: Wir sind mit dem Abschneiden in der Liga in keinster Weise zufrieden», bekannte Hans- Joachim Watzke in einem Interview mit der «Frankfurter Rundschau».
Der BVB-Geschäftsführer brachte damit zum wiederholten Mal seinen Unmut über die sportliche Entwicklung des Teams zum Ausdruck, bewertete die Schelte des Trainers aber weniger kritisch als viele Medienvertreter: «Dafür, dass jemand, der permanent von außen attackiert wird, irgendwann auch mal emotional reagiert, habe ich vollstes Verständnis.»
Doch allen Beteuerungen der Vereinsspitze zum Trotz, nach denen keine Trainerdiskussion geführt wird, bleibt Doll ein Coach auf Bewährung. Das erschwert die personellen Planungen für die kommende Saison. Kaum vorstellbar, dass BVB-Sportdirektor Michael Zorc die Wunschliste eines Trainers abarbeitet, der vielleicht schon im kommenden Jahr nicht mehr auf der Bank des Revierclubs sitzt. Dabei ist der Renovierungsbedarf des Kaders immens groß. «Wir haben die meisten Gegentore in der Bundesliga kassiert. Das ist nicht akzeptabel für einen Club, der in Europa spielen will», sagte Zorc.
Damit das Mitwirken im UEFA-Cup in der kommenden Saison nicht schon nach der ersten Runde wieder Geschichte ist, hält der Sportdirektor vor allem nach Abwehrspielern Aussicht. Für den nötigen finanziellen Spielraum sorgten die unerwarteten Zusatzeinnahmen im DFB-Pokal und die Prämie des Sponsors für die Rückkehr auf die internationale Bühne. Als Ersatz für die am Saisonende wohl scheidenden Innenverteidiger Christian Wörns und Robert Kovac werden der Serbe Marko Basa (UC Le Mans) und der Franzose Jeremie Brechet (FC Sochaux) gehandelt. Nach diversen Absagen von Wunschspielern in den vergangenen Monaten kündigte Zorc eine konsequentere Einkaufsstrategie an: «Uns bietet sich die große Chance, in die Substanz der Mannschaft zu investieren. Das müssen wir tun, vielleicht auch ein Stück weit aggressiver als zuletzt.»
dpa
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