Montag, 28. April 2008 / 14:20 Uhr
Frankfurt/Main - Der seit Jahren schuldenfreie Deutsche Fußball-Bund (DFB) erfreut sich wirtschaftlich bester Gesundheit und darf angesichts eines prall gefüllten Sparstrumpfs zuversichtlich in die Zukunft blicken.
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In den vergangenen zwei Jahren hat der größte Sport-Fachverband der Welt jeweils rund 80 Millionen Euro eingenommen und seine Rücklagen auf annähernd 100 Millionen Euro aufgestockt. «Wir können stolz sein auf das, was erarbeitet wurde. Das ist eine tolle Story», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger auf einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main.
Bauchschmerzen bereitet ihm derzeit nur das Ermittlungsverfahren des Bundeskartellamtes wegen des Verdachts wettbewerbsbeschränkender Absprachen mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) bei der Sponsorensuche. «Der Verband muss seine Handlungsfähigkeit wiedererhalten. Wir haben momentan einen Zustand der Rechtsunsicherheit, und dies ist das Schlimmste, was einem passieren kann. Wir haben den Wunsch, dass das Verfahren schnell beendet wird, und hoffen auf ein Signal des Kartellamtes nach der EM, damit wir bei den Verträgen für die WM-Qualifikation wieder Rechtssicherheit haben», sagte Zwanziger.
Der größte Teil der 2007 verbuchten Einnahmen in Höhe von 78,8 Millionen Euro wurde aus den Auftritten der Nationalmannschaft erlöst. Pro Länderspiel kassiert der DFB aus dem bis zum 30. Juni 2009 laufenden Fernsehvertrag mit ARD und ZDF 4,1 Millionen Euro. Diese Summe soll auch im neuen, kurz vor dem Abschluss stehenden TV-Vertrag festgeschrieben werden. Zwanziger hofft innerhalb der nächsten Tage auf die Unterschrift aller Beteiligten, damit das Papier «Anfang Mai zur Prüfung an das Kartellamt geschickt werden kann». Weil die Spiele künftig auch im Pay-TV bei Premiere übertragen werden, erhöhen sich die TV-Einnahmen des DFB weiter. «Das bringt uns eine wirtschaftliche Verbesserung», sagte Zwanziger. Das Volumen des Fernsehvertrages von 2004 bis 2009 belief sich auf insgesamt 720 Millionen Euro.
Für die Europameisterschaft in diesem Jahr gibt es einen Sonderhaushalt, dessen Größenordnung sich am sportlichen Abschneiden der Elf von Bundestrainer Joachim Löw orientiert. Bei einem Ausscheiden in der Vorrunde kalkuliert der DFB mit einem EM-Etat von 10 Millionen Euro, im Falle des Titelgewinns mit der doppelten Summe. «Wir planen in fünf Stufen, denn mit zunehmendem Erfolg steigen die Anteile, die die UEFA ausschüttet, aber auch die Prämien für die Spieler. Bis zum Halbfinale ist das Turnier für den Verband auf jeden Fall defizitär», erklärte Schatzmeister Horst R. Schmidt.
Im normalen Haushalt für 2008 rechnet der DFB mit Einnahmen und Ausgaben von gut 72 Millionen Euro. 32,7 Millionen Euro sind für Verbandsaktivitäten verplant, 6,7 Millionen Euro gehen an die Landesverbände, 21,5 Millionen Euro verschlingt die Verwaltung und 11,2 Millionen Euro fließen in die Nachwuchsförderung. Dies sind 3 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. «Der DFB will in den kommenden Jahren noch mehr Geld für den Nachwuchs in die Hand nehmen», kündigte Schmidt an.
Eine erneute Absage erteilte er Forderungen nach einem Trainingszentrum für die Nationalmannschaft. «Das braucht der DFB nicht, denn es gibt ja die Sportschulen und genügend andere Möglichkeiten, die Mannschaft adäquat unterzubringen», sagte Schmidt. Während der DFB mit dem Bau von 1000 Mini-Spielfeldern für insgesamt 26 Millionen Euro oder der geplanten Errichtung eines Fußballmuseums (10 Millionen Euro) innovative Projekte auf den Weg gebracht hat, geht er mit der Anlage seiner Rücklagen konservativ um. «Wir lassen uns auf keine Aktiengeschäfte ein. Das ist die Politik des DFB seit vielen Jahren», verriet Zwanziger.
dpa
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