Freitag, 9. Mai 2008 / 16:02 Uhr
Frankfurt/Main - Gerichts-Marathon verhindert, lautstarke Kritik eingehandelt: Der Vergleich mit dem Zweitligisten TuS Koblenz hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) vor einem monatelangen juristischen Hürdenlauf bewahrt, dafür aber heftige Reaktionen bei einigen betroffenen Vereinen ausgelöst.
anzeige
Vor allem die nach der Reduzierung der Strafe fast sicher abgestiegenen Clubs SC Paderborn und FC Erzgebirge Aue (beide 30 Punkte) nahmen den geschlossenen Vergleich, wonach Koblenz in der laufenden Spielzeit statt acht nur sechs und dafür in der kommenden Saison noch einmal drei Zähler abgezogen werden, mit Unverständnis auf.
«Wir lassen das juristisch prüfen. Wie wir dann weiter vorgehen, werden wir in der kommenden Woche entscheiden», sagte Paderborns Hauptgeschäftsführer Martin Hornberger. Aues Vizepräsident Bertram Höfer wetterte: «Wenn Koblenz bei der Abgabe der Lizenzierungsunterlagen nicht korrekt gehandelt hat, dann muss in der laufenden Saison bestraft werden. Dass das Urteil jetzt zwar auf neun Punkte Abzug erhöht wurde, jedoch auf diese und die nächste Saison verteilt, ist lächerlich. Es widerspricht der bisherigen Argumentation.» Beide Teams haben durch die Entscheidung statt fünf nun sechs Zähler Rückstand zum rettenden Ufer und kaum noch Hoffnung auf den Ligaverbleib.
Als Reaktion auf die Kritik schlug DFL-Geschäftsführer Christian Seifert eine Strukturreform vor. «Man sollte den Fall Koblenz vielleicht zum Anlass nehmen, manche Strukturen zu diskutieren. Man könnte zum Beispiel überprüfen, ob es sinnvoll ist, wenn die DFL laut Satzung ständig verschiedene Rollen ausfüllen muss: Auf der einen Seite als Kontrollinstanz und andererseits als Dienstleister sowie als Geschäftspartner der Clubs», sagte Seifert.
Liga-Präsident Reinhard Rauball ist sich aufgrund dieser Konstellation und vor allem wegen nicht vorhandener Regeln der Brisanz des Falles bewusst, verteidigte aber die getroffene Vereinbarung. «Die Verschiebung von drei Punkten Strafe in die neue Saison ist laut den Statuten ausdrücklich möglich.» Der Hauptgrund für die Reduzierung des Punkte-Abzuges in der laufenden Spielzeit liegt jedoch darin, dass die DFL eine gerichtliche Überprüfung des von der Geschäftsführung gefällten Urteils vermeiden wollte.
«Wir hätten die Möglichkeit gehabt, das ständige Schiedsgericht anzurufen, um die Bemessungsgrundlage der Strafe prüfen zu lassen. Das wäre eine never ending story geworden, denn die Bemessung der Strafe ist schwierig, weil es bis heute keine Messlatte oder Skala gibt. So etwas wäre auch schwer einzuführen, denn es gibt 40 verschiedene Fälle, die im Lizenzierungsverfahren eintreten könnten», sagte TuS-Aufsichtsratschef Walterpeter Twer.
Weil die Koblenzer (37) im Abstiegskampf klare Verhältnisse wollten, wählten sie das aus ihrer Sicht kleinere Übel. «Das ist ein Pyrrhus-Sieg. Die zwei Punkte helfen uns im Moment natürlich weiter. Der Abzug von drei Zählern für die kommende Saison trifft uns aber sehr hart», sagte Trainer Uwe Rapolder. Auch Geschäftsführer Wolfgang Loos schwankte in seiner Bewertung: «Die Entscheidung ist nicht so ausgefallen, wie wir uns das erhofft haben. Aber wir müssen und können damit leben.»
Überrascht von der Wendung zeigten sich die Verantwortlichen von Kickers Offenbach (37). «Ich hätte eigentlich gedacht, dass das erste Urteil Bestand hat», sagte Sportmanager Michael Dämgen. Moderate Töne kamen dagegen aus Kaiserslautern (35), obwohl sich die Chancen der Pfälzer auf den Klassenerhalt über Nacht verschlechtert haben. «Wir wollen sportlich die Klasse halten und nicht am Grünen Tisch in der Liga bleiben. Deshalb begrüße ich das Urteil. Vor allem ist wichtig, dass jetzt Klarheit herrscht», sagte Trainer Milan Sasic.
dpa
Nie mehr die Bundesliga - Spiele verpassen: ab sofort bietet Ihnen fussball.com kostenlos an jedem Spieltag der 1. und 2. Fussball Bundesliga einen Live-Ticker.
"Fussball ist mehr als nur ein Sport. Fussball ist Euphorie, Religion und Droge zugleich." Aktuelles zur Droge Fussball, spitz und ohne redaktionelle Schranken, aus unserem Fussball Blog
Die Finalniederlage der EM ist langsam verdaut...also kucken wir mal auf die neue Saison
Dragoslav Stepanovic (über Maurizio Gaudino): Der war spitz wie Lumpi, nur er hat Tor nicht gefunden Und dann er ist in der Abseitsfalle gekommen.