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Großreinemachen beim FC Barcelona

Madrid - Ein zweites Jahr ohne Titel, vom Meister Real Madrid deklassiert und obendrein die direkte Qualifikation für die Champions-League verpasst: Mit der Entlassung von Trainer Frank Rijkaard hat der FC Barcelona die Konsequenz aus seiner sportlichen Talfahrt gezogen.

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Unter dem neuen Coach Josep «Pep» Guardiola steht der 18-malige spanische Meister nun vor einer Radikalkur. Nach Informationen des Fachblatts «Sport» (Barcelona) stehen gleich 14 Profis auf der Abschussliste des früheren Barça-Kapitäns. Ganz oben rangiert demnach der Brasilianer Ronaldinho, der seit Wochen wegen seiner nächtlichen Eskapaden und angeblichen Verletzungen, nicht aber wegen seiner Dribbelkünste Schlagzeilen macht. Aber auch von anderen Stars wie Eto'o, Thierry Henry, Deco oder Zambrotta will der 37-jährige Guardiola sich angeblich schnellstens trennen. Als sicherer Neuzugang wird derweil weiter Philipp Lahm vom FC Bayern München gehandelt.

Barça-Präsident Joan Laporta lobte zwar die Arbeit Rijkaards in den vergangenen fünf Jahren. Immerhin haben die Katalanen unter der Regie des Niederländers zwei Meisterschaften und den Champions-League-Titel geholt. «Ihm verdanken wir Ruhm und Ehre», sagte Laporta. Zugleich machte er aber Trainer für die Krise verantwortlich. Rijkaard habe die Kontrolle über die lustlosen und verwöhnten Stars verloren: «Er hat es nicht geschafft, deren Disziplinlosigkeit zu korrigieren.» Aber auch einige Spieler bekamen ihr Fett ab: «Wäre ich Eto'o oder Ronaldinho gewesen, hätte ich alles auf dem Rasen gegeben», meinte der Clubchef vielsagend.

Allerdings ist auch Laporta nicht unumstritten. Vereinsinterne Widersacher werfen ihm vor, er hätte den eigentlich bis 2009 verpflichteten Rijkaard schon in der vorigen Saison entlassen müssen. Einer von Laportas schärfsten Kritikern, Oriol Giralt, kündigte ein Misstrauensvotum zur Ablösung der Vereinsspitze an. Laportas Amtszeit läuft noch bis 2010.

Von Guardiola erhofft sich der Club die eiserne Hand, die Rijkaard fehlte. «Er hat die nötige Durchsetzungskraft und den notwendigen Biss», meinte Laporta. Doch die Wahl wirft auch Zweifel auf. Zwar ist Guardiola eine Galionsfigur des FC Barcelona, als Coach ist er aber ein Neuling. Seinen Trainerschein hat er erst seit zwei Jahren, bislang leitete er Barças Drittliga-Mannschaft. Einige hätten es deshalb lieber gesehen, wenn erfahrenere Kandidaten wie der Portugiese José Mourinho oder der Däne Michael Laudrup den Vorzug bekommen hätten.

Als Profi gehörte Guardiola dem «Dream Team» an, das in den 90er Jahren unter Trainer Johan Cruyff eine beispiellose Erfolgsserie feierte. Insgesamt holte er als Mittelfeldspieler mit Barça sechs Meistertitel und einen Europapokal. Zudem gewann er bei den Olympischen Spielen 1992 mit der spanischen Auswahl die Goldmedaille. Der 37-Jährige ist vor wenigen Tagen zum dritten Mal Vater geworden - er hat drei Töchter - und gilt nicht nur im Fußball als Denker: Guardiola liest gerne Gedichte und ist ein großer Theaterfan.

dpa

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