Dienstag, 13. Mai 2008 / 10:40 Uhr
Essen - In der Vereinsgaststätte hängen immer noch die vergilbten Jubelfotos von der deutschen Meisterschaft 1955. Die Zukunft von Rot-Weiss Essen droht aber trister denn je zu werden.
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Ein Jahr nach dem Abstieg aus der 2. Fußball-Bundesliga steht der Traditionsverein vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Drei Punkte beträgt der Rückstand bei noch drei ausstehenden Partien in der Regionalliga Nord auf den zehnten Tabellenplatz, der zumindest die Drittklassigkeit erhalten würde. «Ein erneuter Abstieg würde den Verein tief ins Mark treffen», sagt der RWE-Vorsitzende Rolf Hempelmann, der die Hoffnung nicht aufgeben will.
Um den Abwärtstrend zu stoppen, holte sich der Club, bei dem früher Spieler-Legenden wie Weltmeister Helmut Rahn, Willi Lippens, Frank Mill und Horst Hrubesch aktiv waren, vor einem Monat in Thomas Strunz einen Prominenten ins Boot. Der Europameister von 1996, der einst beim FC Bayern mehrere Titel sammelte und vor zehn Jahren durch die Wutrede des damaligen Trainers Giovanni Trapattoni in die Schlagzeilen geriet («Was erlauben Struuunz») soll mithelfen, den Verein neu zu strukturieren, den Kader zusammenstellen und Sponsoren zu werben. «Strunz ist ein erfahrener Mann, mit dem wir bestmöglich vorbereitet in die neue Saison gehen können», meint Hempelmann.
Sein «Netzwerk», wie Strunz es bezeichnet, das er in seiner Zeit als Spielerberater und bis 2005 als Manager beim VfL Wolfsburg aufbaute, soll Essen dabei zum Vorteil gereichen. Er wisse, wie es sei, von ganz oben plötzlich nach unten zu gelangen und kenne die Szene, sagt Strunz, der aus dem benachbarten Duisburg stammt. Heute lebt er in Südspanien und Nachfragen zu Trapattonis Wutrede lehnt der 40-Jährige weiter ab: «Lassen wir das besser, das finde ich noch immer nicht lustig.»
Das Angebot, bei RWE trotz der drohenden Viertklassigkeit die sportliche Planung zu übernehmen, habe ihn nicht abgeschreckt. «Ich habe mir das reiflich überlegt und bin sicher, dass Essen eine Zukunft im bezahlten Fußball hat. In spätestens fünf Jahren soll RWE wieder zweitklassig sein», meint Strunz, der sich vorerst mit Coach Michael Kulm abstimmt. Der hauptberufliche Kriminalhauptkommissar, der im März den erfolglosen Heiko Bonan ablöste, hat seinen gesamten Jahresurlaub genommen, um bis zum 31. Mai als Cheftrainer zur Verfügung zu stehen.
Nachdem Hempelmann 1998 den Vorsitz übernahm, schien sich der Verein, der bereits zwei Lizenzentzüge zu verkraften hatte und damals in der Oberliga Nordrhein spielte, zu konsolidieren. Doch selbst die Pläne, das marode Stadion an der Hafenstraße komplett zu modernisieren, liegen seit vier Jahren in der Schublade. «Ohne sportlichen Erfolg bekommen wir keine Sponsoren und ohne neues Stadion fehlt der sportliche Erfolg», erläutert Hempelmann den Teufelskreis. Der Abstieg in die vierte Liga wäre in dieser Hinsicht ein weiterer Rückschritt. Am 29. Juni will Hempelmann auf der Jahreshauptversammlung Bilanz ziehen.
dpa
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