Mittwoch, 14. Mai 2008 / 16:08 Uhr
Hamburg - Oliver Kahn dankt ab - und Dank von allen Seiten ist ihm gewiss. Sogar Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lobte das Torwart-Urgestein.
anzeige
«Wir verdanken Oliver Kahn viel, sehr viel! Mit seinen außerordentlichen Top-Leistungen über eine so lange Zeit hinweg ist er in die Fußballgeschichte als ein besonderer Torhüter eingegangen», sagte Schäuble der Deutschen Presse-Agentur dpa. Und DFB-Präsident Theo Zwanziger nannte den dreimaligen Welttorhüter einen «herausragenden Sportler und außergewöhnlichen Menschen. Er gehört zu den ganz großen Torhütern in der 100-jährigen Geschichte unserer Nationalmannschaft.»
Selbst Widersacher Jens Lehmann, der Kahn bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land auf die Bank verdrängt hatte, lobte jüngst seinen Konkurrenten: «Bei aller Rivalität muss ich sagen, dass mir Deine Einstellung immer unheimlich imponiert hat.» Als «unvergesslich» bezeichnete Minister Schäuble Kahns kameradschaftliche Geste gegenüber Lehmann beim WM-Spiel gegen Argentinien.
Tief beeindruckt von den Leistungen des «Vul-Kahns», der mit seinen Ausbrüchen auf dem Platz ebenso für hitzige Diskussionen sorgte wie mit seinen coolen Paraden, zeigen sich auch Sportler und Funktionäre anderer Sportarten. «Sicherlich hat er durch seine emotionale Art auch polarisiert. Aber er war immer ein Rückhalt und Leader der Mannschaften, für die er gespielt hat, und hat ihnen viel Selbstvertrauen gegeben», befand Tennis-Bundestrainer Patrick Kühnen, der selbst häufiger Gast in der Münchner Allianz Arena ist. «Oliver Kahn war ein Spieler, den man vermissen wird. Er ist ganz sicher einer der größten Sportler Deutschlands».
Parallelen - obwohl er dem 38-jährigen Kahn noch nie begegnet ist - hat Turn-Welt- und Europameister Fabian Hambüchen ausgemacht. «Mir ist seine Art total sympathisch: Das sind immer richtig fette Worte, die er in und nach manchen Spielen so ablässt. Diese Aggressivität, das gefällt mir. Da ähneln wir uns ein bisschen. Ich will auch immer das Maximum», betonte der 20-Jährige. «Kahn ist wirklich ein echt cooler Torwart.»
Kahn ist aber auch ein Heißsporn (gewesen). Im fortgeschrittenen Fußballer-Alter schmunzelt er mittlerweile selbst über seine aufsehenerregenden Einlagen. Heiko Herrlich kann ein Lied davon singen. Den einstigen Dortmunder versuchte Kahn 1999 im Bundesligaspiel gegen die Borussia sogar zu beißen. «Einen Monat später sind wir uns in der Praxis von Doktor Müller-Wohlfahrt begegnet. Wir haben ganz locker miteinander gesprochen. Er war und ist ein Weltklassemann», erzählte Herrlich jüngst im Magazin der «Süddeutschen Zeitung».
Nur eines blieb dem Weltklasse-Keeper Kahn - unter anderem acht Mal deutscher Meister, sechs Mal DFB-Pokalsieger, Champions-League- und UEFA-Cup-Gewinner - verwehrt: der WM-Titel. Dass er ausgerechnet im Finale vor sechs Jahren in Japan patzte, machte den lange Zeit ebenso unnahbaren wie unantastbaren «King Kahn» auch in der Öffentlichkeit menschlich. «Die WM 2002, bei der er als bester Akteur des Turniers ausgezeichnet wurde, ist untrennbar mit seinen einzigartigen Leistungen verbunden», meinte DFB-Boss Zwanziger. «Natürlich wird aber immer auch der Fehler im Finale in Erinnerung bleiben. Genau das ist jedoch ein Musterbeispiel für die Faszination des Fußballs, denn gerade durch diese Schwäche ist sein Sympathiewert bei vielen Fans zusätzlich gestiegen.»
Am Samstag beendet Kahn seine Abschiedstour. Zum letzten Mal wird er bei einem Bundesligaspiel auflaufen. Statt Bananen wie einst spenden ihm selbst die gegnerischen Fans schon längst nur noch Beifall. Auch in der Partie vor heimischer Kulisse gegen Hertha BSC dürfte das wieder so sein. Denn die Fans wissen: Der deutsche Fußball hat Kahn so einiges zu verdanken. «Es ist zu hoffen, dass er dem Fußball erhalten bleibt und seine lange Erfahrung weitergeben wird», meinte Schäuble.
dpa
Nie mehr die Bundesliga - Spiele verpassen: ab sofort bietet Ihnen fussball.com kostenlos an jedem Spieltag der 1. und 2. Fussball Bundesliga einen Live-Ticker.
"Fussball ist mehr als nur ein Sport. Fussball ist Euphorie, Religion und Droge zugleich." Aktuelles zur Droge Fussball, spitz und ohne redaktionelle Schranken, aus unserem Fussball Blog
Die Finalniederlage der EM ist langsam verdaut...also kucken wir mal auf die neue Saison
Gerhard Delling: Die haben den Blick für die Orte, wo man sich die Seele hängen und baumeln lassen kann.