Freitag, 16. Mai 2008 / 11:12 Uhr
Paris - Dramatisches Herzschlagfinale in Frankreich: Erst am letzten Spieltag entscheidet sich, ob Olympique Lyon in Auxerre die siebte Meisterschaft in Serie feiert oder doch noch auf dem letzten Meter von Girondins Bordeaux abgefangen wird.
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Doch ganz Frankreich fiebert einem anderen «Endspiel» entgegen: Der einst große PSG kämpft in Sochaux gegen den Abstieg. Gelingt die Rettung, könnten bald wieder bessere Zeiten anbrechen. Ferraris früherer Formel-1-Teamchef Jean Todt und der frühere Chelsea-Trainer José Mourinho sollen in Paris die Weichen für die Champions-League stellen.
Nach einer Rebellion der Fans und dem Sturz des Präsidenten hatte Paris Saint-Germain am vorletzten Spieltag mühsam die Abstiegsränge verlassen. Jetzt kann der selbst ernannte Eliteverein mit einem Sieg den Klassenverbleib aus eigener Kraft sichern. Das ist wichtig für die ganze Liga, wo der Hauptstadtclub als «Liebes- und Hassobjekt» für Zuschauer und TV-Millionen sorgt.
Ein kleines Pünktchen trennt den PSG auf dem 16. Platz von Lens, der mit Rang 18 auf dem ersten Absteigerplatz liegt. Der Klassenverbleib würde die verkorkste Saison für den Verein retten, der mit grottenschlechten Spielen, rassistischen Fan-Ausschreitungen, dem Ausschluss des Vereins vom Ligapokal 2008-2009, dem polizeilichen Verbot des größten Fanclubs «Boulogne Boys» und dem Sturz des Vereinspräsidenten Alain Cayzac negative Schlagzeilen machte. Ob erste oder zweite Liga: Als Sieger des Liga-Pokals spielt der PSG in der kommenden Saison auf jeden Fall im UEFA-Cup. Und im Endspiel des französischen Pokals steht der Pariser Vorstadtclub auch noch.
Doch der Klassenverbleib hat Vorrang bei der Clubsanierung. 20 Millionen Euro Verlust soll der PSG alleine in diesem Jahr angehäuft haben. Und der US-Investmentfonds Colony, der schon 70 Millionen Euro in den Club gesteckt hat, hält nach Informationen des «Parisien» weitere 40 Millionen für Investitionen in eine neue Mannschaft für nötig. Colony will Superstars als Ersatz für Pauleta und Yepes, deren Verträge im Juni auslaufen, und einen asiatischen Top-Spieler, um den Asienmarkt zu erschließen. Bei einem Klassenverbleib könnten Todt und Mourinho engagiert werden und neue Investoren anwerben. Colony soll auch mit dem einstigen PSG-Star David Ginola («El Magnifico») verhandeln, dem gute Kontakte nach Abu Dhabi nachgesagt werden.
Die letzten Wochen trainierte der PSG «geheim» im Pariser Prinzenpark. Nach der 0:3-Niederlage gegen Caen am 19. April - der dritten Niederlage in Serie - war ein Training im Camp des Loges in Saint-Germain nur noch unter Polizeischutz möglich. Damals demolierten aufgebrachte «Fans» den Porsche des Linksaußen Sylvain Armand und besprühten die Wände mit Sprüchen wie «Wenn wir absteigen, machen wir euch nieder» und «PSG in 2. Liga = Aufruhr».
Trotz aller Niederlagen hat der PSG stets zum Trainer Paul Le Guen gehalten, dem die Fans taktische Ideenlosigkeit und falsche Einkaufspolitik vorwerfen. Allerdings stellte Colony ihm am 21. April den Generaldirektor von Hersant Media, Michel Moulin (47), als Spielermotivator zur Seite. Seitdem hat der PSG in vier Spielen nicht mehr verloren und acht Punkte gesammelt. «Diese Mannschaft hat keine schlechte Basis, sondern schlechte Angewohnheiten», sagt Christoph Uldry, Chef des Fanclubs Supras Auteuil. Am Samstag sollen die Spieler beweisen, dass sie diese Angewohnheiten abgelegt haben.
dpa
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