Montag, 19. Mai 2008 / 11:40 Uhr
Ahlen - Vor zwei Jahren drohte der Absturz ins Bodenlose, unter neuem Namen und mit veränderten Strukturen plant Rot-Weiss Ahlen nun seine Zukunft in der 2. Fußball-Bundesliga.
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«Wir haben ein Sommermärchen vollbracht», sagte der Clubvorsitzende Heinz-Jürgen Gosda, der davon ausgehen kann, dass den Westfalen angesichts von sechs Punkten Vorsprung und der wesentlich besseren Tordifferenz (+ 17) auf den Tabellendritten Fortuna Düsseldorf die Aufstiegsparty in der Regionalliga Nord nicht mehr verdorben wird. Bereits das 1:0 beim VfL Wolfsburg II wurde zwei Runden vor dem Saisonende mit Bierduschen ausgiebig gefeiert.
Hinter dem vom 34 Jahre alten Trainer Christian Wück betreuten Verein liegt ein Wechselbad der Gefühle. Als LR Ahlen waren die Fußballer bereits 2000 in die 2. Bundesliga aufgestiegen, doch nach dem Abstieg sechs Jahre später zog sich Präsident Helmut Spikker zurück, dessen Unternehmen seit der Vereinsgründung 1996 als Hauptsponsor und Namensgeber aktiv war. «Unser Club ist mit LR Ahlen nicht zu vergleichen, Spikker und seine Firma haben Jahr für Jahr viel Geld hinein gesteckt», erläuterte Gosda, der die drohende Pleite nur mühselig mit Hilfe mehrerer Kleinsponsoren verhindern konnte.
Umso überraschender kommt nun der Triumph, der die Münsterländer nach ihrem Neustart wie Phönix aus der Asche zurück in den Profifußball brachte. Nach der an die Stadtfarben angelehnten Umbenennung in «Rot-Weiss» vor zwei Jahren wurde mit einem Etat von drei Millionen Euro auf Nachwuchskräfte gesetzt. «Wir hatten schon vorher eine starke Junioren-Abteilung, diese Philosophie passte ausgezeichnet in unseren Haushalt», sagte Gosda, der dieses Konzept auch in der 2. Liga fortsetzen möchte.
So große Sprünge wie unter Spikker, der früher prominente Spieler und Trainer wie Peter Neururer und Werner Lorant nach Ahlen lotste, will sich der Verein nicht mehr leisten. Rund sieben Millionen Euro soll der Etat für die 2. Liga betragen, im heimischen Wersestadion plant RWA mit einem Schnitt von knapp 6000 Zuschauern. Maximal fünf zumeist jugendliche Zugänge für die nächste Saison sollen reichen, um den Klassenverbleib zu gewährleisten.
Angeführt wird das junge Team um das 19-jährige Talent Kevin Großkreutz vom 32 Jahre alten Torjäger Lars Toborg, der bereits 23 Saisontreffer erzielte. «Was wir geleistet haben, ist überragend. Mit dem Aufstieg erfüllt sich ein Traum», sagte Toborg.
Coach Wück, der früher 167 Bundesligapartien für Nürnberg, Karlsruhe und Wolfsburg bestritt, gelang es auf seiner ersten Station als Cheftrainer einen Kader zu formen, der alle Angriffe der namhafteren Konkurrenz aus Düsseldorf oder Dresden abwehrte und im Jahr 2008 noch ungeschlagen ist. «Unseren Coach zeichnen Charakterstärke, Fachwissen und Führungsqualitäten aus», meint Gosda, der zunächst die Aufstiegsfeierlichkeiten genießen will: «Zum Sommermärchen planen wir ein mehrtägiges Oktoberfest mitten im Mai.»
dpa
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