FussballEURO 2008 → Meldung

DFB-Hotel und Stadion auf Mallorca wie 2000

Palma de Mallorca - Für Michael Ballack, Jens Lehmann, Oliver Bierhoff und einige Betreuer ist Mallorca 2008 auch ein kleines Stück ungewollte Erinnerung an ein rabenschwarzes Kapitel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

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Vor acht Jahren hatte sich die deutsche Elf unter Teamchef Erich Ribbeck schon einmal auf der Ferieninsel fit gemacht für eine Europameisterschaft - die Sache endete in jeder Hinsicht mit einem sportlichen Desaster. Kapitän Lothar Matthäus ging zum Abschluss seiner großen Karriere der Einfluss verloren. Ribbeck musste sich harsche Kritik über falsches Training gefallen lassen - sogar ein Putsch gegen den Teamchef war geplant. Und beim Turnier in Belgien und den Niederlanden folgte das peinlich Aus in der Gruppenphase.

Rückblick

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Die deutsche Elf bereitet sich im Mai 2000 in Palma de Mallorca auf die EM vor.

Zwar logiert Jochim Löw mit seinem aktuellen Kader genau in jenem Golfhotel Son Vida 15 Autominuten von der Innenstadt Palmas entfernt, das auch Ribbeck ausgewählt hatte. Und auch die Trainingsstätte ist mit dem Stadion von Real Mallorca die selbe. Doch Gedanken um ein mögliches böses Omen macht sich der Bundestrainer nicht. «Wir sind nicht abergläubisch. Wir haben hier die besten Bedingungen», hatte Löw schon kurz nach der Wahl des Vorbereitungs-Ortes betont. Teammanager Bierhoff, im Jahr 2000 wie Ballack und Lehmann als Spieler dabei, begründete den Zuschlag für Mallorca und Ascona als Stammquartier bei der EM-Endrunde mit dem optimalen Mix aus Trainings-, Regenerations-Bedingungen und Anfahrts-Wegen.

«Ich war vor der WM nach Amerika gegangen, konnte durch mein Engagement in New York nicht mehr der Leitwolf sein. Dadurch war die gesamte Hierarchie in der Nationalmannschaft zusammengebrochen», schilderte Matthäus die turbulenten Mallorca-Tage vor acht Jahren. Die starke Bayern-Fraktion Babbel, Hamann, Jeremies und Linke hätte versucht, eine neue Position durchzusetzen. «Das hat unserer ganzen Leistung geschadet.» Nach einem 1:1 gegen Rumänien, einem 0:1 gegen England und einem 0:3 gegen eine portugiesische B-Mannschaft schied Deutschland in der Vorrunde aus. Die Spieler hätten «das höchste Kulturgut ihres Landes, die Nationalmannschaft, leichtfertig aufs Spiel gesetzt», sagte danach Kritiker Günter Netzer.

Während Löw und sein Trainerstab schon seit Monaten kontinuierlich an den Vorbereitungs-Details feilen, ging 2000 ziemlich alles schief, was schiefgehen konnte. Das Innenleben war zerrüttet. Kurz vor dem Trainingslager wurde das einstige «Kopfball-Ungeheuer» Horst Hrubesch neue rechte Hand von Ribbeck, nachdem der sich von Assistent Uli Stielike getrennt hatte. Matthäus zelebrierte einen Tag vor dem Abflug nach Palma sein eigenes Abschiedsspiel. Maradona zauberte auf dem Platz, Kanzler Gerhard Schröder hielt die Laudatio. 13 Stunden später zog sich der deutsche Rekord-Nationalspieler beim ersten Training auf Mallorca einen Muskelfaserriss zu.

Für Matthäus selbst, der nach dem Auftakt gegen Rumänien Ribbeck seinen Rücktritt anbot, hat die Verletzung mit dem schockierenden EM-K.o. «nichts zu tun». Doch Franz Beckenbauer bemerkte damals: Sein wahnsinniger Einsatz hätte Lothar durch eine einmalige Karriere getrieben, «aber manchmal hat er dabei halt auch übertrieben». Die Spieler warfen dem Teamchef falsches Training vor. Das unrühmliche Ende war programiert: Ribbeck trat ab.

Ohne jede «Negativ-Strategie» geht Löw in sein erstes Turnier als DFB-Chefcoach. Auch Matthäus hat keinerlei Befürchtungen, dass sich 2000 wiederholen könnte. «Die Hierarchie im Team ist intakt. Da sind Führungsspieler wie Lehmann, Ballack und Frings, da sind Qualitäts-Spieler wie Gomez, Klose, auch Podolski, die eine ruhige Art des Auftretens haben», bemerkte der 150-malige Nationalspieler. «Die Mannschaft kann viel erreichen.»

dpa

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