Montag, 19. Mai 2008 / 16:18 Uhr
Moskau - Für einen sorglosen Ablauf des Champions-League-Finales in Moskau musste sogar das russische Parlament mitspielen. Auf Wunsch der UEFA kippte die Duma das Verbot der Alkoholwerbung in russischen Sportstätten.
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Nun kann eine niederländische Brauerei als ein Hauptsponsor des Endspiels ihr Logo legal im Luschniki-Stadion aufhängen. Auch der neue Kremlchef Dmitri Medwedew wollte kein Spielverderber sein. Ohne zu zögern, erließ der Fan des frischgebackenen UEFA-Cup-Siegers Zenit St. Petersburg eine Visa-Freiheit für ausländische Endspiel-Besucher. Am 19. Mai trafen die ersten der erwarteten rund 45 000 Briten in Russland ein - mit der Eintrittskarte als Visa-Ersatz.
Die Visa-Freiheit beim wichtigsten Sportereignis in Moskau seit den Olympischen Spielen 1980 ist eine Sensation: Politisch herrscht zwischen Russland und Großbritannien Eiszeit. London beschuldigt den Ex-Agenten Andrej Lugowoi, den Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko 2006 in London vergiftet zu haben. Moskau lehnt eine Überstellung ab. Die Visa-Freiheit sei als «ein Zeichen von Gastfreundschaft» zu verstehen, meinten 63 Prozent der Befragten in einer Erhebung des TV- Senders Russia Today. Auch die britische Regierung forderte die Fans im Internet zu gutem Benehmen auf. «Beachtet das Rauch- und Alkoholverbot auf dem Roten Platz», heißt es dort zum Beispiel.
Moskau habe logistisch alle Weichen gestellt für das Endspiel, sagte Vize-Bürgermeister Waleri Winogradow der Regierungszeitung «Rossijskaja Gaseta». Die Fans der Final-Teilnehmer Manchester United und FC Chelsea kämen auf verschiedenen Flughäfen an und würden mit 800 Bussen in die Hotels gefahren. In der Stadt sollen rund 6000 Polizisten, verstärkt durch Londoner Kollegen, für einen friedlichen Aufenthalt der Gäste sorgen. Allerdings übte in der Arena auch eine mit Schlagstöcken bewaffnete Sondereinheit einen Zugriff auf Gewalttäter. Ehrengäste haben nichts zu fürchten: Für sie ließ die UEFA eine 45 Meter lange Brücke vom Parkplatz zum VIP-Sektor bauen.
Auch sonst hat sich im Luschniki-Stadion, wo 1999 das UEFA-Cup-Finale zwischen Parma und Marseille (3:0) ausgetragen wurde, viel verändert. Zwar steht immer noch vor der Sportstätte ein Denkmal von Revolutionsführer Lenin. Aber die Tribünen schmücken neue Schalensitze in rot, gelb und orange, und auf dem Spielfeld wurde Naturgras ausgerollt. In den vergangenen Jahren spielte man auf Kunstrasen. Im Oktober 2009 wird die deutsche Fußball- Nationalmannschaft dort wohl in der WM-Qualifikation antreten. In ganz Moskau werden Fanartikel der Endspiel-Teilnehmer feil geboten, farbenfrohe Champions-League-Transparente prägen das Stadtbild.
Ein ganz besonderes Spiel dürfte das Finale für den russischen Milliardär Roman Abramowitsch werden. Der 41-jährige Unternehmer ist Besitzer des FC Chelsea und wartet seit Jahren auf eine Veredelung seiner investierten Millionen durch europäisches Fußball-Gold. Den 74 Zentimeter hohen und acht Kilogramm schweren Pokal für den Champions-League-Gewinner kann sich Abramowitsch bereits anschauen: Die Wertarbeit eines Schweizer Kunstschmiedes ist für die Öffentlichkeit in einem streng bewachten Pavillon auf dem Roten Platz ausgestellt. Früher gab es dort ähnlich lange Warteschlangen nur vor dem Lenin-Mausoleum gegenüber.
dpa
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