Mittwoch, 4. Juni 2008 / 15:51 Uhr
Wien - Italiens Unglücksrabe Fabio Cannavaro kann nach seiner gelungen Operation schon wieder lachen, Trainer Roberto Donadoni aber plagen weiterhin Sorgen:
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Marco Materrazzi und Andrea Barzagli können den Abwehrchef beim Weltmeister nur schwer ersetzen und die «Azzurri» sind vor der EM gereizt. Im Training verlor Unruhestifter Antonio Cassano die Nerven und beschimpfte den nach seinem folgenreichen Foul an Cannavaro ohnehin verunsicherten Giorgio Chiellini: «Du willst uns wohl alle verletzen.» Donadoni rief den Stürmer lautstark zur Ordnung, Cannavaro mahnte kaum aus der Narkose aufgewacht: «Beruhigt Euch wieder, nur gelassen siegt man.»
Die erfolgreiche Operation des Weltfußballers des Jahres 2006 war der einzige Lichtblick für die Italiener an diesem Tag. In einem halbstündigen Eingriff in einer Wiener Privatklinik flickte Teamarzt Andrea Ferretti die beiden gerissenen Bänder in Cannavaros linkem Sprunggelenk wieder zusammen. Madrids Teamarzt Del Corral war eigens aus Spanien eingeflogen, um bei der Operation des Real-Stars dabei zu sein.
«Er wird drei Monate pausieren müssen», erklärte Professor Ferretti in der Klinik. Da übernahm der unverwüstliche Neapolitaner schon wieder die Rolle des Kapitäns und verteidigte Chiellini, der zwar «mit Kraft in die Zweikämpfe, aber immer nur zum Ball» gehe. «Ich bin noch ein bisschen benommen, aber voller Zuversicht», sagte Cannavaro nur fünf Stunden nach seiner Operation.
Als Spieler fällt er aus, als moralische Stütze bleibt der 34-Jährige den «Azzurri» bei der EM aber erhalten. UEFA-Präsident Michel Platini genehmigte Cannavaro eine Sonder-Akkreditierung, mit der er sich weiterhin wie ein Spieler beim Team aufhalten darf. «Dass er bei der Mannschaft bleiben will, verstehe ich sehr gut», sagte Platini dem italienischen Fernsehsender RAI. «Sein Ausfall ist schrecklich für ihn und das Team», meinte der Franzose.
Italiens Titelchancen sind aber deutlichen gesunken. «Das Team hat seinen wichtigen Bezugspunkt verloren», findet der nach dem WM-Triumph 2006 von Berlin zurückgetretene Francesco Totti. Dies räumte auch der für Cannavaro nachnominierte Alessandro Gamberini ein: «Fabio war unser Leader, es tut mir sehr leid für ihn», sagte der Florentiner. «Bevor ich sein Trikot mit der Rückennummer fünf trage, werde ich ihn um Erlaubnis fragen», verriet der Abwehrspieler.
Trainer Donadoni forderte eine Trotzreaktion und versprach: «Ich werde das Team jetzt nicht weniger offensiv ausrichten». Die «Squadra Azzurra» tritt die Flucht nach vor an. «Schließlich haben wir immer noch viele Stars», betonte Mittelfeldspieler Daniele De Rossi.
dpa
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