Mittwoch, 4. Juni 2008 / 16:12 Uhr
Feusisberg/Schweiz - Für den Schweizer Nationalcoach Jakob «Köbi» Kuhn ist die Entscheidung über den Einsatz von Patrick Müller im EM-Eröffnungsspiel gegen Tschechien in Basel die kniffligste Personalie.
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«Hundert Prozent meiner Form habe ich noch nicht erreicht, aber ich bin bereit und würde alles geben», sagte der 78-malige Nationalspieler im EM-Quartier in Feusisberg bei Zürich, fügte aber an: «Ich bin nur Spieler, entscheiden muss der Trainer.» Nach einem Kreuzbandriss im Knie und einer fast einjährigen Länderspielpause hatte der 31-Jährige erst in letzten Sekunde den Sprung in den Kader geschafft.
Gedrängt hat Patrick Müller dazu «Köbi» Kuhn, der nun in der Zwickmühle steckt. Einerseits braucht er die Erfahrung seines Abwehrchefs für die EURO-Mission, auf der anderen Seite weiß er um dessen konditionelle und taktische Schwächen nach langer Verletzungspause. Zumindest aus medizinischer Sicht spricht nichts gegen sein Mitwirken beim EM-Start. «Sein Knie ist absolut stabil und beweglich», berichtete Teamarzt Roder, «es ist nur eine Frage des Trainings.»
Eine Antwort, ob Müller spielt oder nicht, wird Kuhn wohl erst einen Tag vor dem Eröffnungsspiel treffen. «Sie werden noch Gespräche führen», sagte Co-Trainer Michel Pont. Als Alternative in der Innenverteidigung käme Stéphane Grichting vom französischen Erstligisten AJ Auxerre in Betracht.
Dass Müller Hals über Kopf ohne Genehmigung seinen Arbeitgeber Olympique Lyon verlassen hat, um die letzte EM-Chance zu wahren, bereut der eher introvertierte Profi nicht. «Bis heute habe ich es nicht bereut. Ich wollte unbedingt bei der EM spielen», sagte der Innenverteidiger. Sein Vertrag mit dem französischen Erstligisten, mit dem er in den vergangenen sechseinhalb Jahren fünfmal Meister wurde und dem er zeitweise als Kapitän gedient hat, läuft ohnehin am 30. Juni aus. «Bisher habe ich aus Lyon nichts gehört», berichtete Müller.
Dagegen steigen die Hoffnungen von Bundesliga-Legionär Tranquillo Barnetta, der am Mittwochnachmittag wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen ist, auf einen Einsatz im EM- Eröffnungsspiel. Der Mittelfeldspieler von Bayer 04 Leverkusen hatte gut zwei Wochen wegen einer Knöchelverletzung pausieren müssen.
Trotz der Sorge um seine Frau Alice, die am Montag in das Züricher Unispital gebracht worden war, führt Kuhn seine Arbeit unvermindert fort. «Es ist alles ganz normal, abgesehen von seinen privaten Schwierigkeiten», berichtete Pont. «Er ist stark, voll da, voller Zuversicht und will die EURO erleben.» Zum Glück ist Kuhns Frau wieder auf dem Weg der Besserung. «Ihr Gesundheitszustand hat sich zwischenzeitlich stabilisiert», hieß es am Mittwoch in einer vom Schweizer Fußball-Verbandes (SFV) verbreiteten Mitteilung . Alice Kuhn, die auch Managerin des Nationaltrainers ist, liege aber weiterhin auf der Intensivstation.
dpa
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