FussballEURO 2008 → Meldung

«Hopp Schwiiz!»: Heimvorteil soll Berge versetzen

Basel - «Hopp Schwiiz!» Mit dem Heimvorteil als größtem Faustpfand will die Schweizer Fußball-Nationalmannschaft bei der EURO 2008 Berge versetzen.

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«Wir werden mit Herz auf dem Platz stehen, um etwas Großartiges zu schaffen», versprach Ludovic Magnin, Verteidiger des VfB Stuttgart, vor dem Eröffnungsspiel in Basel gegen Tschechien. «Ich hoffe zudem, dass das Publikum uns über unsere Grenzen pusht. Wir müssen nicht Europameister werden, haben aber diesen Traum.»

Gerüstet

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Magnin will endlich loslegen.

Mit der Schlagzeile «Rot-Weiss - Heiss» heizte die Zeitung «Blick» einen Tag vor der EM-Premiere die «Europhorie» im Land an. Statt ihnen Flügel zu verleihen, könnten die immensen Erwartungen für die Eidgenossen aber auch zum Hemmschuh werden. «Der Druck lastet auf den Schweizern. Wir brauchen uns nicht zu verstecken», meinte Tschechiens Weltklasse-Torwart Petr Cech. «Ein schwieriges Spiel, für uns und für die Schweiz, aber wir wollen kein 0:0. Wir wollen gewinnen», sagte der Keeper des FC Chelsea.

Doch die Zeiten des «Fußball total», mit denen der Europameister von 1976 und EM-Zweite 1996 noch vor vier Jahren begeisterte, sind vorbei. Stars wie Poborsky, Smicer und Nedved traten zurück. Der Beste der Kreativ-Abteilung, Tomas Rosicky, musste verletzt passen. Zudem hat der 2,02 Meter lange Sturm-Turm Jan Koller (35) seinen Zenit überschritten und Milan Baros das Toreschießen verlernt: Der EM-Torschützenkönig von 2004 blieb seit Jahresbeginn für den FC Portsmouth und seit 15 Monaten im Nationalteam ohne Treffer.

«Meine Mannschaft ist in keiner Weise schwächer als in Portugal», wehrte Nationalcoach Karel Brückner alle Zweifel an seinem Team ab. Sicher ist, dass der 68 Jahre alte Trainer-Fuchs weniger auf die Offensivkraft als auf die Defensivstärke seines Italo-Bollwerks mit Zdenek Grygera (Juventus Turin), Tomas Ujfalusi (AC Florenz), David Rozehnal (Lazio Rom) und Marek Jankulevski (AC Mailand) baut. Nur fünf Gegentore in zwölf EM-Qualifikationsspielen sind Beleg dafür.

«Sie stellen hinten einen kompakten Block, der für uns schwer zu durchdringen sein wird», weiß Tranquillo Barnetta von Bayer 04 Leverkusen. «Da müssen wir Geduld haben und die Nerven behalten.» Viele Torchancen erwartet der 23-jährige Mittelfeldstar der Schweiz nicht: «Eine, zwei, kaum mehr. Doch man kann auch mit 1:0 gewinnen.» Der Bundesliga-Legionär gehörte nach einer in der EM-Vorbereitung zugezogenen Fußverletzung zusammen mit dem ebenfalls nicht völlig fitten Abwehrchef Patrick Müller zu den Problemfällen der «Nati». Beide signalisierten unmittelbar vor EM-Start ihre Einsatzfähigkeit.

«Ein Erfolg gegen die Tschechen wäre die halbe Miete, um ins Viertelfinale zu kommen», meinte der Schweizer Kapitän Alexander Frei vor seinem 60. Länderspiel. Weitere Gegner in der Gruppe A sind die Türkei (11.6.) und Portugal (15.6.). Zum EM-Ziel des Co-Gastgebers sagte der ehrgeizige Dortmunder Stürmer: «Als Kapitän ist es logisch, dass ich mich nicht mit dem Viertelfinale zufriedengebe.»

Allerdings gehen die Eidgenossen mit einigem Ballast in die EM- Mission. Ungewiss ist, wie sich die Sorge von Nationaltrainer Jakob «Köbi» Kuhn um seine schwer erkrankte Frau Alice auf sein Team auswirken wird. Co-Trainer Michel Pont, der für seinen Chef zuletzt die PR-Arbeit machte, sprach zwar von einer «schwierigen Situation», beteuerte aber, dass die Arbeit «wie immer funktioniert».

Der Schweizer Fußball-Verband (SFV) ist mit einem «Notfallplan» auf einen etwaigen Ausfall Kuhns vorbereitet. Wie der Nationalelf- Delegierte Ernst Lämmli sagte, sei der Ablauf geklärt, sollte «etwas Unerwartetes» passieren. In dem Fall wurde Pont das Heft in die Hand nehmen. Dass der designierte Kuhn Nachfolger Ottmar Hitzfeld schon einspringen könnte, schloss Lämmli aus: «Ich kann garantieren, dass dies keine Option ist.» Wie der SFV in einem Bulletin mitteilte, hat sich der Gesundheitszustand von Kuhns Frau weiter stabilisiert. «Es konnten heute Fortschritte festgestellt werden.»

Coach Kuhn selbst zeigte sich erstmals nach zwei Tagen wieder in der Öffentlichkeit. «Jeder Spieler ist bis in die Haarspitzen motiviert», sagte er und dankte ihnen für die Unterstützung: «Es macht wirklich Mut und gibt Zuversicht.»

Aus der Statistik können Frei & Co. hingegen nur bedingt Hoffnung schöpfen. Seit 1984 (Frankreich) hat kein Gastgeber mehr den EM-Titel errungen. Zum anderen hat die Schweiz bei den beiden bisherigen EM- Teilnahmen 1996 und 2004 noch keine Partie gewonnen. «Dieses Spiel wird jedem Einzelnen für immer in Erinnerung bleiben», meinte Kapitän Frei. «Wir werden es mit Freude, Stolz und Selbstvertrauen angehen.»

dpa

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