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UEFA: Führungstor der Niederlande war regulär

Basel - Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich: Das umstrittene Tor von Ruud van Nistelrooy für die Niederlande im EM-Spiel gegen Italien (3:0) hat eine neue Kontroverse über die ohnehin immer wieder heftig diskutierte Abseitsregel ausgelöst.

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Um die Wogen möglichst schnell zu glätten, schritt UEFA-Generalsekretär David Taylor ein und erläuterte die offiziellen Regularien für den ungewöhnlichen Fall vom Vorabend in Bern. «Es gibt eine Wissenslücke in der Fußballgemeinde, und das ist auch absolut verständlich. Auch wenn ein Spieler nicht auf dem Spielfeld ist, ist er im Spiel», sagte Taylor bei einer Pressekonferenz des EM-Organisationskomitees. Einzig maßgeblich für Abseitsentscheidungen ist die Regel 11 der internationalen Fußball-Gesetze.

Regulär

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Van Nistelrooy (Nummer 9) erzielt das 1:0. Im Hintergrund liegt Italiens Panucci.

Dieser Paragraph dokumentiert deutlich: «Ein Spieler befindet sich in einer Abseitsstellung, wenn er der gegnerischen Torlinie näher ist als der Ball und der vorletzte Abwehrspieler.» Ob sich der vorletzte Abwehrspieler vor oder hinter dem Tor befindet, ist nicht explizit erwähnt und somit unerheblich. Van Nistelrooys Treffer war demnach regulär, weil außer Italien-Torwart Gianluigi Buffon auch noch der hinter die Torauslinie gerutschte Verteidiger Christian Panucci zu berücksichtigen war. Der schwedische Schiedsrichter Peter Fröjdfelt und sein Linienrichter entschieden richtig.

Auch DFB-Schiedsrichterlehrwart Eugen Strigel bestätigte der Deutschen Presse-Agentur dpa das bislang auch großen Fußball-Experten unbekannte Detail. «Wenn diese Regel nicht so wäre, wie sie ist, würden Abwehrspieler ganz häufig einfach das Spielfeld verlassen und den Stürmer abseits stellen. Das wäre eine Farce. Diese Regel will das verhindern», sagte er.

Nach van Nistelrooys Treffer stand bei Strigel das Telefon nicht mehr still. «Ich habe Anrufe aus der ganzen Welt bekommen. Es gab eine offizielle Anfrage des Verbandes der USA, auch Italien hat sich erkundigt. Und selbst ein ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter hat nachgefragt. Aber 99,9 Prozent der Schiedsrichter ist das klar», sagte er.

Verwundert zeigte sich jedoch auch Bundestrainer Joachim Löw: «Ich persönlich wusste von dieser Regelauslegung nichts. Da war ich auch überrascht. Dass zwei, drei Spieler rauslaufen und dann abseits ist... aber er ist ja rausgedrängt worden.» Nachzulesen ist das Regelwerk auf der Internetseite des Weltverbandes FIFA (www.fifa.com).

Unwissend war offensichtlich auch Bayern Münchens Italien-Stürmer Luca Toni, der den Gegentreffer auf der Video-Leinwand im Stadion sah, heftig protestierte und sich eine Gelbe Karte einhandelte. Toni war aber nicht allein: Auch ARD-Experte Günter Netzer gestand öffentlich, dass ihm die Regel nicht geläufig war und sprach damit sicherlich vielen eingefleischten Fußball-Fans aus dem Herzen.

Dennoch bietet die Regel Raum für Debatten und UEFA-Mann Taylor schloss am Dienstag nicht aus, dass sich das für alle Regelfragen zuständige International Football Association Board (IFAB) künftig damit befassen könnte. Unklar ist beispielsweise, ob van Nistelrooy im Abseits gewesen wäre, wenn er näher zum Tor gestanden hätte als Panucci.

Laut Taylor: Nein. Weil sonst ein Verteidiger nur weit genug hinter das Tor laufen müsste, um den Angreifer abseits zu stellen. Solch spezielle Fälle sind durch Regel 11 (noch) nicht geklärt. Lehrwart Striegel will vor der nächsten Bundesliga-Saison alle Profis sensibilisieren. «Wir gehen mit einem Video von der EM zu den Bundesligavereinen, da wird diese Situation auch drin sein. Ich habe sie mir schon kopiert.»

Das IFAB ist das entscheidende Gremium für alle Regelfragen im Weltfußball. Im Jahr 1886 einigten sich Vertreter der vier britischen Verbände aus England, Schottland, Wales und Irland (heute Nordirland) erstmals auf einheitliche Regeln und gründeten das IFAB. Der 1904 etablierte Weltverband FIFA erkannte diese Regeln an. Seit 1913 werden gemeinsame jährliche Treffen abgehalten. Vier Vertreter der FIFA und je ein Abgesandter der vier britischen Verbände gehören der Regelkommission an. Für Entscheidungen sind sechs Ja-Stimmen erforderlich. So wird verhindert, dass der Weltverband oder die britischen Vertreter alleine eine Mehrheit bilden können.

dpa

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