Montag, 16. Juni 2008 / 12:09 Uhr
Hamburg - Meistermacher, Torschützenkönig und sogar «Alpenkönig»: Deutsche Spieler und Trainer haben im österreichischen Fußball Karriere gemacht - aber auch schlechte Erfahrungen.
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Bundestrainer Joachim Löw kann ein Lied davon singen. DFB-Teammanager Oliver Bierhoff nutzte seinen Austria-Ausflug einst als Sprungbrett zu einer internationalen Karriere. Der frühere Bundesliga-Profi und heutige Torwart-Trainer des Hamburger SV, Claus Reitmaier, ärgerte sich hingegen über die seiner Meinung nach unprofessionellen Bedingungen beim Wiener SK (1989 - 1991) derart, dass er damals meinte: «Lieber arbeitslos als Österreicher.»
In der abgelaufenen Saison war Steffen Hofmann (27) der «Held von Hütteldorf»: Der deutsche Mittelfeldspieler (früher 1860 München) holte mit Rapid Wien den Meisterteller. Mit 10 Toren und 23 Assists hatte er maßgeblichen Anteil am Titelgewinn. «2002 ging ich mit der Perspektive, mich in Wien weiterzuentwickeln. Inzwischen bin ich in Wien heimisch geworden, habe meine Frau geheiratet, zwei Kinder und spreche auch ein wenig Dialekt», meinte er in einem «kicker»-Interview.
«Felix Austria» hieß es auch für Alexander Zickler: Der zwölfmalige Nationalspieler galt beim FC Bayern München als ewiges Talent: Bei Red Bull Salzburg war er 2006/2007 Meister und mit 22 Treffern Torschützenkönig. Und beim SV Mattersburg hat der frühere Bayern-Angreifer Carsten Jancker (33) kürzlich seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert.
Einer von Zicklers Vorgängern in der Mozart-Stadt Salzburg hieß Bierhoff: In der Bundesliga war ihm der Durchbruch nicht gelungen, so wechselte er 1990 als 22-Jähriger von Borussia Mönchengladbach zum SV Casino Salzburg - für 175 000 Mark Ablöse. Vier Tore erzielte er bei seinem Einstand beim 5:1 gegen St. Pölten, insgesamt 23 als zweitbester Stürmer der Liga. Österreich wurde für Bierhoff zum Sprungbrett für eine Karriere in Italien und landete über Ascoli und Udinese 1998 beim AC Mailand.
Eine Achterbahnfahrt in Österreichs Eliteliga erlebte Löw: Im Oktober 2001 übernahm er beim FC Tirol Innsbruck den Trainerposten von Kurt Jara und holte ein halbes Jahr später seinen ersten nationalen Meistertitel. Doch der Club ging Pleite, und so hatte der heutige Bundestrainer eine Saison lang keinen Job und hospitierte bei verschiedenen Vereinen. Dann holte ihn Austria-Boss Frank Stronach als Nachfolger von Christoph Daum, der mit Wien das Double gewonnen hatte. Als Tabellenführer wurde Löw aber entlassen, weil er sich verbeten hatte, dass der Vereinspräsident ihm in die Aufstellung hineinredet.
Beste Erinnerungen an seine fünf Jahre bei Wacker Innsbruck (später FC Svarowski Tirol) hat Hansi Müller, heute EM-Botschafter der österreichischen Stadt. «Der schöne Hansi», Europameister von 1980 und Vize-Weltmeister von 1982, wechselte nach seiner Anfangszeit beim VfB Stuttgart und den Profijahren in Italien 1985 nach Österreich. Er löste in Tirol einen Zuschauerboom aus und wurde als «Alpenkönig» gefeiert. Unter dem legendären Trainer Ernst Happel wurde er zweimal Meister und schaffte noch ein Kunststück: In einer Saison flog Müller viermal vom Platz.
Gleich zweimal hat Lothar Matthäus versucht, im Nachbarland Fuß zu fassen. Berge konnte der deutsche Rekordnationalspieler und Weltmeister von 1990 jedoch nicht versetzen: Seine erste Trainerstation hieß Rapid Wien (2001/2002), wo er nach einem Jahr wegen vereinsschädigender Äußerungen gehen musste. Bei Red Bull Salzburg endete im vergangenen Jahr die Arbeit als Co-Trainer von Giovanni Trapattoni vorzeitig. Dort war auch Hansi Flick, der heutige Co-Trainer Löws, für kurze Zeit als Sportkoordinator tätig. Der frühere Bundesliga-Profi Franco Foda hat sich als Coach bei Sturm Graz etabliert.
Ziemlich unglücklich in Graz fühlte sich 2001/2002 der heutige Stuttgarter Sportdirektor Horst Heldt: «Das war einfach nicht mein Ding.» Er war heilfroh, als sich Felix Magath seiner erinnerte und ihn zum VfB holte.
dpa
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