FussballEURO 2008 → Meldung

Deutsches Spiel ein Straßenfeger

Hamburg - 28 Millionen Fußball-Fans zu Hause vor dem Fernseher, mehr als 200 000 beim öffentlichen Fußball-Gucken: Das magere 1:0 von Michael Ballack & Co. gegen Österreich war ein Straßenfeger in Deutschland.

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Und das EM-Fußballkino geht weiter. Zum Viertelfinale des DFB-Teams gegen Portugal am Donnerstagabend öffnen die Fanfeste zwischen Hamburg und Heilbronn erneut ihre Pforten.

Public Viewing

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In Frankfurt am Main sammeln sich die deutschen Fans.

Die Leistung der deutschen Mannschaft war keine Offenbarung, aber darum geht es den meisten Gästen auf den Fanmeilen gar nicht. Sie feiern sich selbst, mit Tröten, Rasseln und Trommeln, schwarz-rot-gold angemalt und in Deutschland-Fahnen gehüllt. «Fußballkino» oder «Rudelgucken», wie das Public Viewing gern genannt wird, ist Trendsport in diesem EM-Sommer.

Köln lief am Montagabend Hamburg den Rang als Fanparty Nummer 1 ab. 37 000 Menschen feierten neben und in der Lanxess-Arena. In Hamburg strömten 33 000 aufs Heiligengeistfeld. Fußball-Sehnsucht demonstrierten auch die Fans in Berlin. In der Hauptstadt, wo die Fanmeile auf der Straße des 17. Juni erst vom Halbfinale an öffnen soll, fanden sich an verschiedenen Plätzen nach Schätzungen der Polizei 40 000 Menschen zum kollektiven Fußball-Gucken zusammen. In Dortmund zitterten 15 000 Fans mit, in Heilbronn 11 000. In Bielefeld drückten 9000 die Daumen, in Dresden und Nürnberg je 8000. Aus den unterfränkischen Städten Würzburg, Aschaffenburg und Schweinfurt meldete die Polizei 15 000 Fußball-Begeisterte.

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Überschwänglich war der Jubel in Sachsen, wo die Fans vor allem «ihrem» Michael Ballack huldigten. Der Stolz auf den in Görlitz geborenen und in Chemnitz aufgewachsen DFB-Kapitän ist nach wie vor groß: «Ausgerechnet ein Chemnitzer schießt uns ins Viertelfinale», sagte der Chemnitzer Fanfest-Chef Jürgen Rotter. «Deutschland hat ganz schlecht gespielt, aber wie der das rausgeholt hat, das war schon gigantisch. Da standen alle Kopf. Wir freuen uns ohne Ende für unseren Michi.»

München bietet wie Berlin noch kein Public Viewing an, trotzdem machten 7000 Fußball-Fans die Nacht zum Tage. München ist nach Meinung einer Tourismus-Expertin ohnehin die «heimliche Gewinnerin» der EM. «München liegt direkt auf der Strecke zwischen den EM-Städten in Österreich und der Schweiz», sagte Tourismus-Chefin Gabriele Weishäupl der dpa. «Unsere Einschätzung bestätigt sich, dass Fußball- Fans auf ihren Fahrten zwischen den Spielorten einen Zwischenhalt in München machen.»

In Frankfurt/Main, wo ebenfalls 7000 Menschen am Rossmarkt dicht gedrängt vor einer Großbildleinwand mitlitten, war es nach der torlosen ersten Halbzeit mucksmäuschenstill. Doch wie die Aufschrift seines T-Shirts verriet, wusste der 25-Jährige Benjamin Westphal zu der Zeit schon: «30 Jahre Cordoba - das passiert uns nicht noch mal.»

Bei allem Jubel über den Viertelfinal-Einzug gab es auch kritische Stimmen zur fußballerischen Magerkost der Löw-Elf. «Das war nicht für Fußball-Ästheten», urteilte eine Besucherin in Münster. Um eine Fortsetzung der Fußball-Feten bangt gar der Frankfurter Frank Stürzbecher: «Ich habe die Befürchtung, dass für uns im Viertelfinale Schluss ist. Die anderen sind einfach besser», sagte der 44-Jährige.

Die Fußball-Feste liefen erneut weitgehend friedlich ab, es gab laut Polizei nur wenige Festnahmen. In Obertshausen (Hessen) griffen 20 Feierwütige einen Polizeiwagen an und schaukelten die darin sitzenden Beamten hin und her. Zwei Jugendliche wurden festgenommen. In Minden (Nordrhein-Westfalen) erlitt ein 21-Jähriger schwere Verletzungen, als er bei einem Autokorso von der Motorhaube eines Wagens fiel.

Nach halb durchzechter Nacht klaute in Hamburg ein 19-Jähriger ein Fahrrad, um damit auf der Autobahn nach Hause zu radeln. Weit kam er nicht. Die Polizei nahm den angetrunkenen jungen Mann gegen 3.30 Uhr fest. Aus Ärger über eine Österreich-Fahne warf in Worms (Rheinland- Pfalz) ein 22-Jähriger mit einer Essigflasche, deren beißenden Inhalt zwei Passanten in die Augen bekamen. Und in München verletzte ein Mann fünf Polizisten mit Pfefferspray.

dpa

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