Dienstag, 17. Juni 2008 / 10:17 Uhr
Rio de Janeiro - Vor dem «Schicksals-Duell» gegen den Erzrivalen Argentinien versinkt Fußball-Rekordweltmeister Brasilien immer tiefer im Krisensumpf.
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Nur einen Tag nach der 0:2-Pleite im WM-Qualifikationsspiel in Paraguay verlor die «Seleção» ein Trainings-Spiel gegen eine Jugendelf des Provinzvereins Atlético Mineiro mit 0:1. «Eine weitere Enttäuschung, es gab Fehlpässe in Serie, kaum Torchancen», klagte das Nachrichtenportal G1. Aber es sollte noch dicker kommen. Der nach einer Knieoperation aus dem Kader gestrichene Kaká enthüllte im brasilianischen Fernsehen Probleme innerhalb der Nationalelf: «Es gibt da immer den einen oder anderen Spieler, der für die Gegenseite spielt», klagte der Milan-Superstar.
Um das WM-Ticket zittern muss der fünffache Weltmeister, der vor wenigen Tagen auch ein Testspiel gegen Venezuela verloren hatte, zwar noch nicht. Im südamerikanischen Qualifikationsturnier sind gerade erst fünf von insgesamt 18 Spieltagen vorbei, und mit acht Punkten belegt Brasilien hinter Paraguay (13), Argentinien (10) und Kolumbien (9) jenen vierten Platz, der gerade noch direkt zur WM 2010 in Südafrika führt. Um viel geht es am 18. Juni im brasilianischen Belo Horizonte gegen Argentinien aber wohl vor allem für einen früheren Stuttgarter. Nach Einschätzung der Tageszeitung «Jornal da Tarde» hängt der Posten von Nationalcoach Carlos Dunga am «seidenen Faden».
Fans und Medien werfen Dunga vor, er lasse zu defensiv spielen, könne zudem mit Weltstars wie Kaká oder Ronaldinho, die beide gegen Argentinien nicht dabei sind, nicht gut umgehen. Für die Fans sei Dunga «nur noch ein Esel», schrieb die Zeitung «Folha de Sao Paulo». Wie schlecht die Stimmung im fußballverrückten Land ist, beweist eine Umfrage der Sportzeitung «Lance». 94 Prozent der Leser meinten, Brasilien werde gegen Argentinien nicht gewinnen können.
Am Mittwoch wird Brasilien wieder mit einer halben «Bundesliga-Elf» auflaufen. Dunga meint, eine «Änderung der Einstellung» sei erfolgversprechender als eine Änderung der Stamm-Elf. Also werden wohl wieder die «Deutschen» Gilberto, Mineiro, Josue, Lucio und der nach dem Paraguay-Spiel heftig kritisierte Spielmacher Diego mit von der Partie sein. Die Brasilianer identifizieren sich kaum mehr mit den Spielern im kanariengelben Trikot, die fast alle in Europa ihr Geld verdienen. Als Brasilien in Paraguay antrat und drei Sender daheim das Spiel live übertrugen, waren die Strände in Rio de Janeiro und die Einkaufszentren in Sao Paulo überfüllt. «Wir müssen wieder näher zu den Fans rücken», fordert deshalb auch Kaká.
Aber auch bei den «Hellblau-Weißen» aus Argentinien ist nicht alles rosarot. Die meisten Fans fordern die «Pensionierung» von Altstars wie Javier Zanetti (35), Roberto Abbondanzieri (36) oder Juan Verón (33). Unter Druck sind die Argentinier unter anderem auch deshalb, weil der letzte Sieg gegen den ungeliebten Nachbarn schon drei Jahre zurückliegt und es zuletzt drei Niederlagen gab. «Wir müssen die endlich schlagen», sagt Jungstar Lionel Messi.
Im traditionsreichen Duell zwischen den Rivalen gab es bisher 36 Siege für Brasilien, 34 für Argentinien und 22 Unentschieden - und auch einige Schlägereien auf dem Platz. «Ein Sieg gegen Argentinien vertreibt jede Krise», sagt Brasiliens Angreifer Adriano.
dpa
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