Donnerstag, 26. Juni 2008 / 12:55 Uhr
Istanbul - Nach dem dramatischen Wechselbad der Gefühle priesen die türkischen Fußball-Fans den «Champion der Herzen», Staatspräsident Abdullah Gül prophezeite einen triumphalen Empfang.
anzeige
«Wir tragen den Kopf hoch», sagte der Staatschef. «Wir müssen nicht traurig sein.» Stolz pur auch auch beim Boss des türkischen Fußball-Verbandes. «Die Jungs haben einen unbeschreiblichen Einsatz gezeigt. Ich küsse jeden Einzelnen. Ich sage, jeder in diesem Team ist ein Held», sagte Hasan Dogan, auch wenn der ganz große Traum jäh platzte.
90. Minute, Basler St.-Jakob-Park: Philipp Lahm trifft zum 3:2-Endstand für Deutschland. Die Türkei ist aus dem EM-Rennen. Finale verpasst, fassungsloses Schweigen im fernen Istanbul. Straßenverkäufer auf dem berühmten Taksim-Platz räumen ihre türkischen Fanartikel zusammen. Erst nach einigen Minuten stimmen die türkischen Fans trotzig wieder «Türkiye, Türkiye»-Rufe an und ziehen durch die Straßen der Metropole am Bosporus.
Schon während der nervenaufreibenden Partie hatten tausende Fans das Spiel leidenschaftlich mit Trommeln und bengalischen Feuern vor einer Großleinwand auf dem Platz verfolgt. Feuerwerksraketen wurden abgeschossen. Die Zuschauer tanzten und schrien bei jeder Chance der starken Türken. Die langen Gesichter nach dem Schlusspfiff wichen schnell dem Ausdruck des Stolzes.
So feierte auch die türkische Presse ihr Team, das trotz personell arger Schwächung Deutschland gehörig zusetzte. «Unsere Löwen haben einen perfekten Fußball gespielt, aber in der letzten Minute mussten sie sich von der Europameisterschaft verabschieden», schrieb die Zeitung «Hürriyet» am Donnerstag. «Vatan» meinte: «Unglücklicherweise haben wir diesmal in der letzten Kriegsminute verloren. Das kann passieren. Unser Kopf ist erhoben. Danke Jungs. Danke Terim. Sie (die Deutschen) sind im Finale, wir sind die Champions.»
Der türkische Nationaltrainer erklärte noch in der Nacht seinen Spielern, er werde sein Amt niederlegen. «Wer nach mir kommt, kann die Türkei zum Champion machen», sagte er. Terim ließ erkennen, dass er in einem europäischen Land einen Trainerjob annehmen möchte. Die Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Terim: «Ich werde nach dem Treffen mit dem Präsidenten und dem Verwaltungskomitee entscheiden.»
dpa
0 Kommentare | Kommentare verstecken
Nie mehr die Bundesliga - Spiele verpassen: ab sofort bietet Ihnen fussball.com kostenlos an jedem Spieltag der 1. und 2. Fussball Bundesliga einen Live-Ticker.
"Fussball ist mehr als nur ein Sport. Fussball ist Euphorie, Religion und Droge zugleich." Aktuelles zur Droge Fussball, spitz und ohne redaktionelle Schranken, aus unserem Fussball Blog
Die Finalniederlage der EM ist langsam verdaut...also kucken wir mal auf die neue Saison
Jürgen Wegmann: Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.
Kommentar schreiben