Sonntag, 29. Juni 2008 / 11:20 Uhr
Wien - UEFA-Präsident Michel Platini hat mit einem gezielten Verbal-Angriff Polen und der Ukraine eine allerletzte Warnung gesandt und eine Neuvergabe der Gastgeberrolle für die nächste Fußball-EM erstmals nicht mehr ausgeschlossen.
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«Wir werden alles tun, damit die EM 2012 in Polen und der Ukraine stattfinden kann», formulierte Platini noch diplomatisch. Doch: «Sollte es in den Hauptstädten Kiew und Warschau keine Stadien geben, gehen wir nicht dahin», sagte Europas mächtigster Fußball-Funktionär in Wien. Die Zeit der Ultimaten ist jedenfalls bald abgelaufen. Das Exekutivkomitee der UEFA wird bei seiner Sitzung am 25./26. September in Bordeaux einen endgültigen Beschluss fassen, nannte Platini einen klaren Zeitplan.
Mit der Forderung im Basta-Stil brach Platini ausgerechnet einen Tag vor dem Finale der laufenden EM sein Schweigen zu den schon lange heftig diskutierten Organisationsproblemen der Osteuropäer. Eine in der EM-Geschichte erstmalige Aberkennung der Austragungsrechte wäre auch für den Franzosen eine herbe Niederlage. Die Probleme sind aber offenbar so groß, dass der gewiefte Sport-Politiker nun klare Worte statt verklausulierter Funktionärssprache wählte. «Es gibt einige wichtige Punkte zu klären. Die Liste ist lang», sagte der UEFA-Chef.
Schon am 2. Juli wird sich Platini als «Reiseleiter» einer 12-köpfigen Inspektionsgruppe auf den Weg nach Polen und in die Ukraine machen, um sich vor Ort ein Bild machen zu können. Besonders in Kiew stockt der Stadionbau. In dieser Woche hatte die Regierung der Ukraine einen Vertrag mit einem taiwanesischen Konsortium gekündigt. In beiden Ländern existieren offenbar massive Infrastrukturprobleme bezüglich Stadien, Transport und Hotelkapazitäten. In Polen ist der Fußball zudem von gewaltbereiten Fans und Korruptionsfällen belastet.
Spekulationen über angeblich bereits geführte Gespräche mit eventuellen Ersatzkandidaten wies Platini energisch zurück. «Es gibt keinen Plan B. Gerüchte werden nur von Journalisten geschürt», sagte der 53-Jährige. Während der laufenden EM war in internationalen Medien berichtet worden, Platini habe mit spanischen Offiziellen über eine Ersatz-Gastgeberrolle verhandelt.
Im Januar hatte Platini beim Kongress in Zagreb den EM-Ländern schon ein Ultimatum bis zum Sommer gestellt. Eine Neuvergabe würde auch seine Bilanz als UEFA-Präsident massiv trüben, weil er stets auf eine Öffnung in Richtung Osteuropa gedrängt hatte. Vorstellbar wäre, dass Polen und die Ukraine auf ein späteres Turnier vertröstet werden. Die Good-Will-Aktion dürfte dann allerdings auf das Jahr 2020 hinauslaufen, denn es zeichnet sich eine Aufstockung auf künftig 24 EM-Teilnehmerländer von 2016 an ab, die die Organisatoren vor zusätzliche logistische Aufgaben stellen dürfte. Für 2016 gilt Platinis Heimatland Frankreich als Gastgeber-Favorit.
Auch die Entscheidung über eine Aufstockung soll beim wegweisenden Meeting in Bordeaux gefällt werden. Die seit dem Kongress 2007 in Düsseldorf diskutierte Turnier-Vergrößerung soll dann fixiert oder verworfen werden. «Alle möglichen Aspekte müssen berücksichtigt werden», sagte Platini, der zu diesem Thema bisher nicht richtig Stellung beziehen wollte. Derzeit scheinen die Zeichen aber auf eine Aufstockung auf 24 Teilnehmer zu stehen. Zu wirtschaftlichen Gründen kommen sportliche: Viele Verbände mittelstarker Fußball-Nationen wie Irland, Schottland, Bulgarien, Dänemark oder Serbien drängen aufgrund von besseren Qualifikationschancen für die Endrunde auf ein größeres Teilnehmerfeld. In Wien sprachen sich am Samstag die Präsidenten der 53 UEFA-Mitgliedsverbände dafür aus und gaben dem Exekutivkomitee eine klare Entscheidungsempfehlung.
dpa
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