Samstag, 28. Juni 2008 / 20:27 Uhr
Wien - Immer wieder die rechte Wade. Schon bei der Weltmeisterschaft 2006 hatte eine Verletzung Michael Ballacks mögliche Sternstunde mit verhindert - jetzt droht durch eine ähnliche Blessur das Aus im EM-Endspiel 2008.
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«Es war heute nicht daran zu denken, dass er trainieren kann», erklärte Bundestrainer Joachim Löw nach dem Abschlusstraining der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Wien. Die Hoffnung, dass der 31 Jahre alte Mittelfeldspieler im Europameisterschafts-Finale gegen Spanien trotz der muskulären Probleme in der rechten Wade mitwirken kann, sei zwar noch vorhanden, aber «nicht sehr groß», sagte Löw, der bereits einen Notplan mit Tim Borowski oder Bastian Schweinsteiger auf der Ballack-Position aufgestellt hat.
Ballack würde bei einem Ausfall zur tragischen Figur der EURO 2008 werden. Nach zwei Sprunggelenks-Operationen am linken Fuß im April und Juni 2007 war er monatelang ausgefallen, hatte sich aber in der Rückrunde dieser Saison beim FC Chelsea wieder in herausragende Verfassung gebracht. Er rannte in den bisherigen EM-Spielen so viel und schnell wie kein anderer deutscher Profi. «Wie für jeden Spieler wäre es natürlich eine Riesen-Enttäuschung, wenn er ausfällt», sagte Löw, der nicht als Einziger um die herausragende Bedeutung seines Führungsspielers weiß. «Er ist ein ganz besonderer Spieler für uns. Er ist ein Leader, so jemanden brauchen wir im Finale», unterstrich Kollege Thomas Hitzlsperger.
Nach dem verlorenen Champions-League-Endspiel von Moskau vor knapp sechs Wochen hatte sich Ballack auch psychisch wieder aufgerappelt. Für seine EM-Auftritte in Klagenfurt, Basel und Wien hatte ihm sogar Franz Beckenbauer, der Ballack zuvor oft auch kritisch gesehen hatte, großes Lob übermittelt: «Er hat als echter Kapitän agiert. Er hat gelernt, Verantwortung zu übernehmen.» Auch Löw sagte: «Michael Ballack ist noch reifer geworden.» 2002 bei der WM in Japan und Südkorea hatte Ballack die DFB-Elf mit seinen Siegtoren im Viertelfinale gegen die USA (1:0) und im Halbfinale gegen Südkorea (1:0) fast im Alleingang ins Endspiel gegen Brasilien (0:2) geführt. Da musste er tatenlos von der Bank aus zuschauen, nachdem er mit einem taktischen Foul seine Final-Teilnahme geopfert hatte.
Für den gebürtigen Görlitzer ist es die dritte EM, die Turniere 2000 und 2004 endeten jeweils blamabel mit dem Aus in der Vorrunde. Ballack ist nach insgesamt neun «Vize-Titeln» heiß darauf, endlich einen «Pott» in die Luft zu stemmen. Der Makel des «ewigen Zweiten» soll unbedingt weg. Das Deutschland-Trikot trägt Ballack seit über neun Jahren; 38 Tore in 86 Länderspielen dokumentieren seine Torgefahr - gerade bei Standards. Zweimal hat er auch bei diesem Turnier schon getroffen. Erst wuchtete er einen Freistoß zum 1:0-Siegtreffer gegen Österreich in die Maschen, dann traf er nach einer Freistoß-Vorlage per Kopf beim 3:2-Viertelfinalsieg gegen Portugal.
Wie die Verletzung beim 3:2 im Halbfinale gegen die Türkei zustandegekommen ist, konnten weder Ballack noch Löw auflösen. «Man weiß nicht so genau, wie es passiert ist», berichtete der Bundestrainer. Erst am Freitag sei die Blessur schlimmer geworden: «Dann hat der Muskel zugemacht. Fakt ist, dass es eine Entzündung ist.» Bis zum Tag vor dem Endspiel hatten sich die Beschwerden «nicht entscheidend gebessert», berichtete der DFB-Chefcoach, der sich im Teamhotel in Wien mit Ballack zu einem Lagegespräch traf. «Es ist nicht so, dass er total niedergeschlagen ist», berichtete Löw danach und versicherte: «Die ärztliche Abteilung arbeitet rund um die Uhr.»
dpa
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