Sonntag, 29. Juni 2008 / 23:39 Uhr
Wien - Wieder kein großer Titel für den ewigen Zweiten. 39 Tage nach dem tränenreichen Champions-League-Endspiel hat Michael Ballack seine große Sehnsucht nach dem ersten internationalen Pokal auch bei der Europameisterschaft nicht stillen können.
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Zwar biss der 31-Jährige nach Wadenproblemen, die seinen Einsatz lange gefährdet hatten, auf die Zähne und ließ sich auch von einer blutenden Platzwunde am rechten Auge nicht am Weitermachen hindern - aber trotz großen Willens konnte er die 0:1-Final-Niederlage gegen Spanien nicht vermeiden.
Lange rieb sich der Profi des FC Chelsea in seinem 87. Länderspiel in Scharmützeln auf - eine Rangelei mit Carles Puyol (42.) wurde mit Gelb bestraft. Nach der Pause versuchte es Ballack weiter: Mit vielen Anweisungen und jeder Menge Kampfgeist riss Ballack sein Team mit und hätte fast den Ausgleich erzielt. Sein Distanschuss landete am Außennetz - und beim Schlusspfiff um 22.36 Uhr war klar: Alle Mühen hatten sich wieder nicht gelohnt.
Nicht nur der «Vize-Fluch» ging für den WM-Zweiten von 2002 und dem zweimaligen Champions-League-Final-Verlierer weiter, beim Höhepunkt des Jahres setzte sich auch die Saison der Qualen und Schmerzen fort - die Hoffnungen wurden dagegen nicht erfüllt. Längst ist Ballack in den Kreis der DFB-Kapitäns-Prominenz aufgestiegen, aber in seiner Erfolgsliste hat er anders als Fritz Walter, Franz Beckenbauer & Co. noch keinen Erfolg stehen. Und Ballack weiß: Auf dem Weg zu einem internationalen Titel läuft dem mehrmaligen Meister und Pokalsieger die Zeit davon.
Als wäre Ballack mit seinen Wadenproblemen, die ihn bei der WM 2006 schon um das Eröffnungsspiel gebracht hatten, gegen die Südeuropäer nicht schon genug gestraft gewesen, musste er nach 36 Minuten noch mehr einstecken. Mit dem Kopf stießen er und sein Bewacher Marcos Senna zusammen. Das Blut lief dem benommenen Ballack über das Gesicht, oberhalb des rechten Auges klaffte eine Platzwunde. Gleich zweimal musste der 87-malige Nationalspieler sich zum Stillen der Blutung an die Seitenlinie legen.
Irgendwie passte es ins Bild, dass sich die Ballack'sche Leidensgeschichte im Finale fortsetzte. Erst waren die eigenen Zweifel, ob es nach zwei Operationen am linken Sprunggelenk, monatelanger Pause und mehreren gesundheitlichen Rückschlägen überhaupt noch weitergeht für ihn mit dem Spitzenfußball. Es folgten die nervenaufreibenden Wochen in der Rehabilitation, dann die Comebacks beim FC Chelsea im Dezember 2007 und in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zwei Monate später.
Körperlich präsentierte er sich stark wie nie zuvor. «Es hat ihm gutgetan, dass er die körperlichen Grundlagen in Ruhe legen konnte», bemerkte Bundestrainer Joachim Löw. Als Leader führte Ballack nicht nur den FC Chelsea ins Champions-League-Finale, sondern Deutschland auch in das EM-Endspiel. Dort war aber erneut Endstation.
dpa
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